München

Ewig und unteilbar

Zeitreise: Insgesamt vier lebende Bilder waren in Anlehnung an die Situation der Herkunftsländer zu Zeiten der Alija gestaltet. Foto: Marina Maisel

»Yerushalayim shel Zahav«, das Lied von der goldenen Stadt klang den Besuchern des festlichen Abends im Zeichen des Jerusalemtags noch lange nach. Eingeladen zu der Veranstaltung im Hubert‐Burda‐Saal hatten die Kultusgemeinde, Torah MiTzion und die Zionistische Organisation.

Schon im Foyer warteten die Besucher gespannt darauf, was sich Rabbiner Jechiel Brukner für diesen Abend wieder einmal Besonderes hatte einfallen lassen. Sie wurden nicht enttäuscht, überrascht allerdings schon, denn als sich die Tür zum Saal geöffnet hatte, konnten nicht alle gleich eintreten, sondern mussten erst einmal geduldig eine Schlange bilden. Ihr Weg führte dann nach der Begrüßung durch Repräsentanten der ZOD auf einem schmalen Weg durch vier Stationen lebender Bilder.

geschichte Das Prinzip dieser Darstellung kannten die Besucher zwar auch von früheren Veranstaltungen – doch auch diesmal war Brukner und seinem engagierten Team, unterstützt von Jechiel Biber, wieder etwas Neues eingefallen. Das Programm stand ganz unter dem Motto »Jerusalem – aus allen vier Enden der Welt«.

Passend dazu standen vier Länder stellvertretend für alle Herkunftsstaaten der heutigen Bevölkerung Israels: Russland, Jemen, Marokko und Deutschland. Die Stationen waren in Anlehnung an die Situation der Herkunftsländer zu Zeiten der Alija gestaltet. Jugendliche erläuterten in Szenen die Geschichte der dortigen Bevölkerung und ihre Einwanderung nach Eretz Israel.

Besonders beeindruckend war das Bild der deutschen Einwandererfamilie. Was die Jugendlichen dort zu erzählen hatten, mag vielen Besuchern bekannt gewesen sein. Das sorgsam zusammengestellte Bühnenbild beeindruckte mit dem originalen Mobiliar der Zeit – bis hin zum alten Modell einer mechanischen Schreibmaschine. Bis sich auch der letzte Besucher die Bilder angesehen hatte, unterhielten sich die anderen Gäste, genossen Snacks und suchten sich im vorderen Teil des Burda‐Saals schon einmal ihre Plätze.

Derweil bekamen sie schon einmal optische Eindrücke von Jerusalem – projiziert in Bilderschleifen auf beiden Seiten der Bühne. Unter den vielen Aufnahmen war auch die berühmte Fotografie von David Rubinger, auf der drei Soldaten vor der Kotel am 7. Juni 1967 abgebildet sind. Als »imposante und bewegende Momentaufnahme aus 60 Jahren israelischer Geschichte« hatte Präsidentin Charlotte Knobloch die Aufnahmen von Paul Goldman und David Rubinger bei der Vorstellung des Buches 2010 bei der Eröffnung der Ausstellung im Gasteig bezeichnet. Dieser Eindruck wurde auch am 46. Jahrestag der Wiedervereinigung Jerusalems deutlich.

Bedeutung Auf die historische Bedeutung dieses Tages ging dann Rabbiner Brukner ein, ebenso wie Rabbiner Dray. Abi Pitum vom Vorstand der IKG begrüßte die Gäste, unter ihnen Israels Konsul in München, Herzel Edri – auch im Namen von Charlotte Knobloch, die wieder die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen hatte.

Pitum verwies auf die religiöse und die politische Bedeutung Jerusalems. Und er zeichnete ein sehr persönliches Bild der Stadt, das bei vielen so manche Erinnerung wachrief. »Jerusalem ist eine Stadt zum Hören, Riechen und Erleben«, sagte er. »Heute gedenken wir der Wiedervereinigung dieser einzigartigen Stadt im Sechstagekrieg 1967.«

Raw Brukner bracht dies in seiner Ansprache auf den Punkt: »Früher trauerten wir um Jerusalem – heute freuen wir uns mit Jerusalem.« Diese Freude zeigte sich dann über viele Stunden musikalisch – mit Liedern, gemeinsamen Gesängen und musikalischen Beispielen.

Mit dem gebürtigen Schweizer Meir Brom hatten die Veranstalter einen Experten gewonnen, der in vielen Themenbereichen des Abends zu Hause war. Heute lebt Brom in Jerusalem, zu seiner Biografie gehört auch die Tätigkeit als Dirigent verschiedener Kinder‐ und Synagogenchöre. So ließ er denn auch die verschiedenen Interpreten und Komponisten, die sich mit Israel und insbesondere Jerusalem musikalisch auseinandergesetzt hatten, Revue passieren – selbstverständlich auch mit dem jedes Mal aufs Neue jungen und aktuellen Hit »Yerushalayim shel Zahav«. Mit der Hatikwa und einem Gebet klang der Abend dann kurz vor Mitternacht aus.

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