Berlin

Erst mal in die Synagoge

Das Team vom Jugendzentrum »Olam« organisiert das Programm für die 200 Teilnehmer und 350 Begleiter. Foto: Rolf Walter

Nur noch an eine Sache kann Xenia Fuchs derzeit denken: »Jewrovison« in Berlin. Wenn die Leiterin des Jugendzentrems »Olam« morgens aufwacht, überlegt sie schon, was an dem Tag noch alles erledigt werden muss – und spätabends plant sie die nächsten Aufgaben.

Nun noch neun Tage, dann werden Kinder und Jugendliche von 13 Jugendzentren aus verschiedenen Städten im Rampenlicht stehen, ihren Titel vortragen und hoffen, dass sie jeweils zwölf Punkte dafür bekommen. Am 26. Februar steigt in der Treptower Arena der Wettkampf. Es ist die zehnte Jewrovison, zum zweiten Mal findet sie in Berlin statt.

Und das Interesse wächst: Vor fünf Jahren standen die Jugendlichen noch im Gemeindehaus an der Fasanenstraße auf der Bühne, mittlerweile sind es so viele Zuschauer geworden, dass ein anderer Veranstaltungsort her musste. Die Jewrovision ist ein überregionaler Gesangs‐ und Tanzwettbewerb der Jugendzentren der jüdischen Gemeinden Deutschlands.

Anmeldungen »Köln war riesig, Stockholm war unglaublich. Berlin wird gigantisch«: So ist es auf dem Plakat zu lesen, das im Büro von Xenia Fuchs an der Wand hängt. Es ist Sonntagmittag, sie sitzt an ihrem Schreibtisch und öffnet die Post. Anmeldungen für das Machane sind dabei, aber auch schon DVDs, mit denen sich die Jugendzentren aus den anderen Städten bei der Show vorstellen wollen. »Bremen hat nun endlich die Liste geschickt, was die Performer alles an Technik für ihren Act brauchen«, stellt Fuchs fest. Das Telefon klingelt. »Ja, ihr könnt euch noch anmelden, schreibt uns eine Mail«, sagt sie.

Aber auf den Schirmherren werden sie leider verzichten müssen: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit ist zu diesem Zeitpunkt im Ausland.

»Es ist noch viel zu tun«, sagt sie und zählt auf, was noch nicht fertig ist: »Wir müssen uns noch um die Zimmereinteilung, die Route für die Sightseeing‐Tour, um Werbung und Ticketverkauf kümmern.« Bei der Technik wissen sie noch nicht, wie viel Mikrofone letztlich gebraucht werden. Und natürlich muss noch der eigene Auftritt geprobt werden.

Machane 550 Kinder und Jugendliche haben sich bereits für das parallel stattfindende Mini‐Machane angemeldet. 500 war das Ziel – das nun überschritten wurde. Am Freitag werden sie zwischen 14 und 16 Uhr in Berlin eintrudeln, darunter 200 »Performer« und 350 Fans. Alle sind in einem Hotel untergebracht.

Mit zehn Bussen werden sie von dort abgeholt, um den Schabbatbeginn in einer Synagoge zu feiern. Dort will Xenia Fuchs sie auch erst einmal begrüßen. »Der gemeinsame Gottesdienst ist uns sehr wichtig«, sagt sie. Zu Fuß wollen alle 550 Menschen zu einer Mensa einer Universität und anschließend vier Kilometer weit zu ihrem Hotel gehen.

Kaschrut Auch Avi Toubiana von »Jewish Culture Life« ist beschäftigt. Sein Unternehmen ist für die koscheren Mahlzeiten zuständig. Fast 20 Mitarbeiter und extra aufgebaute Küchen vor Ort sollen dafür sorgen, dass am Buffet alle satt und zufrieden werden. »Das ist schon eine Herausforderung«, sagt Avi Toubiana.

Abends stehen gemeinsame Spiele auf dem Programm, bis es in einem vier Kilometer langen Fußmarsch zurück ins Hotel geht. Am nächsten Morgen wird in Schichten gefrühstückt, denn der Speisesaal hat nur Platz für 150 Menschen. Damit auch beim Frühstück alles koscher ist, hat Xenia Fuchs die Hotelmitarbeiter mit Lektüre und Produktlisten versorgt. Die koscheren Brötchen werden extra angeliefert.

Danach ist ein Gottesdienst geplant, »den wir wie bei einer Machane selbst leiten werden«, so Fuchs. Anschließend gibt es Sightseeing. Gleich nach Schabbatende finden die Generalproben statt, die jeweils nur wenige Minuten dauern können, da »wir sonst erst tief in der Nacht anfangen können«. Um Punkt 21 Uhr soll es losgehen.

Am Sonntag dann der letzte Termin – alle sollen sich für ein Erinnerungsfoto vor einem Berliner Wahrzeichen versammeln.

Spenden Möglich wurde die Jewrovision dank etlicher Finanzspritzen. »Die Allianz hat gespendet, das Hotel ist uns im Preis stark entgegengekommen, der Zentralrat und die ZWST sind dabei und etliche Gemeindemitglieder«, so Fuchs. Immerhin sei ein fünfstelliger Betrag zusammengekommen. »Es könnte ruhig noch mehr sein.« Das Spendenkonto soll noch länger bestehen bleiben. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat die Jewrovison trotz rigiden Sparkurses mit 40.000 Euro unterstützt.

Eines weiß Xenia Fuchs: »Natürlich wird Berlin siegen.« Deshalb will sie nach dem Wochenende eine Woche schlafen, schließend den Sieg feiern und dann schon mal mit den Vorbereitungen für die nächste Jewrovision anfangen. Selbstverständlich in Berlin.

Porträt der Woche

»Ich habe viel gelernt«

Alexandra Poljak studiert Pädagogik und vertritt jüdische Studierende in Baden

von Gerhard Haase-Hindenberg  21.07.2019

München

Widerstand, Spurensuche, Symposium

Meldungen aus der IKG

 18.07.2019

Berlin-Mahlsdorf

»Falls jemand mich suchen sollte«

Eine Stele erinnert an das Schicksal der Familie Guthmann

von Maria Ugoljew  18.07.2019