Nachruf

»Er hatte so viel vor«

Robert Spierer (1959–2018) Foto: Sabeth Stickforth

Helfen gehörte zu seinem Leben. »Jemand braucht Hilfe – ich gebe sie, das ist sehr direkt. Das ist Arztsein.« Das sagte er einmal in einem Interview mit der Jüdischen Allgemeinen.

Roberto Spierer, leitender Arzt der Abteilung für Plastische und Handchirurgie des Auguste‐Viktoria‐Klinikums in Berlin‐Schöneberg, operierte entstellte Kinder und Jugendliche aus der Dritten Welt, und zwar ohne Honorar. Außerdem reiste er mehrmals mit der Hilfsorganisation Interplast Germany nach Paraguay, um dort Kinder ehrenamtlich zu behandeln. Nun ist der Berliner Arzt am 26. April auf Mallorca plötzlich und unerwartet im Alter von 58 Jahren gestorben. Ausgerechnet, als seine viermonatige Auszeit von der Arbeit begann.

Er habe intensiv gearbeitet – wesentlich mehr als 40 Stunden pro Woche, sagt sein Bruder Carlos. Und bei Placet, dem Plastisch‐Chirurgischen Centrum für Terroropfer, heißt es, »sein außergewöhnliches Wissen, Können und Engagement« habe ihn ausgezeichnet.

makkabiade Neben seiner Arbeit war Roberto Spierer begeisterter Sportler. Besonders stolz war er, bei der Makkabiade 1981 im Judo eine Silbermedaille und schließlich vier Jahre später die ersehnte Goldmedaille erreicht zu haben. Seine lockere, humorvolle Art werde fehlen, hieß es von seinem Sportverein Nippon. Bis zuletzt machte Roberto Spierer dort immer noch Kraft‐ und Ausdauertraining. Außerdem fuhr er gerne Ski.

Spierers Großeltern waren vor den Nazis aus Berlin nach Argentinien geflohen. Seine Mutter war Malerin, sein Vater Leon spielte Violine, wurde 1963 erster Konzertmeister bei den Berliner Philharmonikern und hatte Engagements in Deutschland und Schweden. Dort kam Roberto 1959 auf die Welt.

Nach dem Abitur begann Roberto Spierer sein Studium in den USA und beendete es an der Freien Universität Berlin. Zuerst arbeitete er in Berlin, dann zog er nach Ludwigshafen, wo er sich bei der größten Klinik Europas für Plastische Chirurgie zum Facharzt ausbilden ließ. Danach kehrte er wieder nach Berlin zurück. Vor 17 Jahren wurde er leitender Arzt der Abteilung für Plastische und Handchirurgie des Auguste‐Viktoria‐Klinikums in Berlin‐Schöneberg.

familie Von seinen Reisen nach Paraguay kehrte Roberto Spierer oft nachdenklich zurück. »Man lernt, was wichtig ist im Leben: Familie und Gesundheit«, sagte er einmal. Ihn habe das Leben reich beschenkt, und er wollte etwas zurückgeben.

»Er war noch voller Enthusiasmus und wollte noch viel machen«, sagt sein Bruder Carlos. Roberto Spierer hinterlässt seine Familie und einen großen Freundeskreis. Am 14. Mai wird Roberto Spierer auf dem Friedhof Berlin‐Weißensee von Rabbiner Andreas Nachama beigesetzt.

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