Treffen

Elsässische Freiheit

Präsident Gerard Dreyfus (l.) und Ber Szenker (r.) Foto: Anat Rajber

Beim Besuch der Gruppe aus der IKG München in Straßburg stand auch das jüdische Leben in der Stadt auf dem Programm. Höhepunkt dabei war der Besuch der Synagoge de la Paix – heute das zweitgrößte Gotteshaus in Europa. Präsident Gerard Dreyfus führte die Gäste durch das Gemeindehaus und erzählte ihnen von der Geschichte und Gegenwart. Mit rund 15.000 Mitgliedern ist die jüdische Gemeinde in Straßburg eine der größten in Frankreich.

Eine erste Synagoge lässt sich zwar für das 12. Jahrhundert nachweisen, doch das Schicksal der jüdischen Bevölkerung ist wechselhaft. Als Beispiel erwähnte Gerard Dreyfus den 14. Februar 1349: »Am Valentinstag denken wir an das Pogrom, bei dem 90 Prozent der Juden Straßburgs verbrannt wurden.« Zur Erinnerung wurde eine Straße danach benannt, die Rue Brûlée. Erst nach der Gleichstellung der Juden in Frankreich 1791 entsteht im 19. Jahrhundert die jüdische Gemeinde Straßburg neu.

Gebetssäle Mit der Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich 1939 verlassen rund 15.000 Juden Elsass-Lothringen. Im folgenden Herbst schließt die Vichy-Regierung die Juden aus der französischen Gesellschaft aus. Die Synagoge am Quai Kleber wurde von den Nazis in Brand gesteckt und vernichtet. Nach Kriegsende kehrt jüdisches Leben nach Straßburg zurück.

1958 wird die neue Synagoge an der Avenue de la Paix eröffnet. Dem Leben in der Gemeinde entsprechend wandelt sich auch das Gebäude: Eine sefardische Synagoge kommt hinzu, in der sich vier Gebetssäle befinden. Nach dem Algerienkrieg kamen ab 1962 viele Sefarden nach Frankreich und Straßburg.

Heute besteht die Gemeinde zu rund 40 Prozent aus dieser Bevölkerungsgruppe, etwa 60 Prozent sind Aschkenasen. Eines aber ist in München und Straßburg ähnlich: Die jungen Menschen gehen nach Kanada, in die USA oder nach Israel. Für die Münchner dankte der Vorsitzende des Vaad München, Ber Szenker, Gerard Dreyfus für die Führung durch die Gemeinde.

Überrascht waren die Besucher aus Bayern auch über die zahlreichen jüdischen Lokale. Besonders beeindruckt waren sie von der Selbstverständlichkeit, mit der in der Öffentlichkeit Kippot getragen werden. Das war auch bei der Rückreise im Bus immer wieder ein Thema.

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