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Eine Straße zum 90. Geburtstag

Im Restaurant Einstein: Max Mannheimer, Edith von Welser und der Münchener Oberbürgermeister Christian Ude Foto: Gümbel

Hier Weißer Rabe 90 – so meldete sich Max Mannheimer an seinem Geburtstag am Telefon. »Weißer Rabe« ist der Titel des Films, in dem die Filmemacherin Carolin Otto den Zeitzeugen aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln porträtiert hat. 90 istdas Alter des Jubilars. Dies ist ein Beispiel für die humorvolle Art, mit der Max Mannheimer mit unerwarteten Formulierungen und Bemerkungen immer wieder zu eigenem Überlegen und Nachdenken über Situationen anregen will. Als Zeitzeuge und Aufklärer engagiert er sich seit Jahrzehnten gegen Intoleranz und für ein Miteinander in gegenseitiger Achtung.

Aufklärer Auch in seinen weiteren Lebensjahren will Max Mannheimer sein Engagement nicht bremsen. Zu seinen Vortragsterminen kamen rund um seinen Ge- burtstag am 6. Februar weitere Einladungen hinzu: So ehrte die IKG München ihr langjähriges Mitglied bei einer Feier im Gemeinderestaurant Einstein. Die KZ-Gedenkstätte Dachau widmete dem Vorsitzenden der Lagergemeinschaft Dachau eine Ausstellung. Freunde und Wegbegleiter feierten mit ihm. So begrüßte bei der Feier der Kultusgemeinde Präsidentin Charlotte Knobloch Christian Ude »in erster Linie nicht in Ihrer Funktion als Oberbürgermeister, sondern als Freund von Max Mannheimer«. Unter den Gratulanten war auch Irmtraud Wojak, Gründungsdirektorin des NS-Dokumentationszentrums München, die sich für die Erinnerungsarbeit und die Aufklärung einsetzt, »was unserem geschätzten Max Mannheimer ein Herzensanliegen ist«, wie Knobloch betonte.

In ihrer Rede dankte die Präsidentin dem Jubilar: »Wir alle wissen, was du für die Erinnerungsarbeit bis heute geleistet hast. Kaum ein anderer hat so viele Schulen in Deutschland von innen gesehen, wie du, lieber Max. Du hast die Verantwortung, die dir in deinem Leben auferlegt worden ist, mehr als wahrgenom- men.« Sie skizzierte das Engagement des Schoa-Überlebenden, der sich seit Jahrzehnten für eine aktive und lebendige Erinnerungskultur engagiert – nicht als Ankläger oder Richter, sondern als »Zeitzeuge, der zur Wachsamkeit gegenüber An- tisemitismus, Rassismus und Menschenverachtung mahnt«. Sein Ziel sei dabei, der heutigen Generation ihre Verantwortung für eine tolerantere und menschlichere Zukunft bewusst zu machen, damit sich das, was geschehen ist, nie mehr wiederholen kann.

ehrenmitglied Die Präsidentin dankte Max Mannheimer für seinen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft. Als Anerkennung seines langjährigen herausragenden und besonders zu würdigenden Engagements für eine aktive und lebendige Erinnerungskultur überreichte sie ihm die Ohel-Jakob-Medaille in Silber. Außerdem wurde der Jubilar Ehrenmitglied der Kultusgemeinde. Charlotte Knobloch hatte in ihrer Rede hervorgehoben, dass Mannheimer beim Blick zurück stets auch Gegenwart und Zukunft im Blick hat: »Als Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts hast du den drohenden Untergang des jüdischen Volkes im Nationalsozialismus erlebt und jetzt, im 21. Jahrhundert, bist du Zeitzeuge eines ganz anderen Deutschlands, in dem das Judentum in all seiner Vielfalt wieder aufblüht. Ein freiheitlich demokratisches Deutschland, in dem auch heute noch eine Botschaft nicht ungehört bleiben darf, nämlich, dass es eine Demokratie zum Nulltarif nicht gibt.«

Daran knüpfte Cristian Ude in seiner Ansprache an, der Max Mannheimer vor 30 Jahren als Sozialdemokraten kennen- gelernt hatte. Sein Engagement werde auch heute noch gebraucht. Was die Erinnerungsarbeit betrifft, so unterstrich Ude: »Du hast unglaublich viel vermittelt, was nur ein Zeitzeuge vermitteln kann.« Dass dem Jubilar dafür ganz besondere Ehre zukommen müsse, signalisierte Otto-Ernst Holthaus, der sich auch für die Mahnmale des Bildhauers Hubertus von Pilgrim entlang der Strecke des Todesmarsches eingesetzt hat. Er brachte ein Straßenschild mit der Aufschrift »Dr.-Max-Mannheimer-Allee« zur Geburtstagsfeier ins Gemeindezentrum mit. Eine andere Idee zur Würdigung des Jubilars äußerte bei der Geburtstagsfeier in der KZ-Gedenkstätte Dachau Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Er schlug vor, Schulen nach Max Mannheimer zu benennen. Die langjährige Leiterin der Gedenkstätte, Barbara Distel, bezeichnete Mannheimer als »Ikone der Erinnerung«. Dabei habe er sich bis heute die Neugier auf Menschen bewahrt.

Künstler Unter den Gästen begrüßte Distels Nachfolgerin Gabriele Hammermann auch weitere Zeitzeugen, darunter Ernst Grube und Abba Naor, der eigens zu dem Geburtstag aus Israel angereist war. Als Wegbegleiter aus dem Münchner Jahren war auch der frühere Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel gekommen. Hammermann resümierte kurz die Biografie Mannheimers, der am 6. Februar 1920 in Neutitschein geboren wurde. 1939 wird die Familie aus den deutsch besetzten Gebieten vertrieben, 1943 nach Auschwitz deportiert. Die Schoa überlebten nur sein Bruder Edgar und er. Sie werden am 30. April in der Nähe von Tutzing befreit. Der Verlust fast seiner ganzen Familie hat ihn geprägt. Ein Weg, die Bilder der KZs und der Vernichtung zu verarbeiteten, ist für Max Mannheimer bald schon das Malen geworden. Unter dem Namen »ben jakov« wurden ihm bereits verschiedene Ausstellungen gewidmet. Dabei, sagt er: »ich male nur für mich«. Das ist jetzt auch der Titel der Ausstellung, mit dem ihm die KZ-Gedenkstätte ein Geburtstagsgeschenk machte. Viele der Bilder hat er selbst im Lauf der Jahre dorthin geschenkt.

Einige hat er jetzt für die Ausstellung aus seinem Fundus beigesteuert. Bevor die Festgäste in den Ausstellungsraum aufbrachen, trat der Jubilar selbst ans Rednerpult und unterstrich einmal mehr sein Talent, humorvoll Spannung auf das zu erzeugen, was er sagen will. Nachdem die Erinnerung an Gesagtes ja mitunter nicht allzu lange anhalte, wolle er einfach die Dankesrede anlässlich seines 80. Geburtstages noch einmal wiederholen. Er las sie vor: »Danke! Danke! Danke!«

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