Sonneberg

Ein Stolperstein für Rosa Bibo

Ernststraße 2: Wo heute eine Buchhandlung ist, befand sich früher das Textilgeschäft, in dem Rosa Bibo 45 Jahre lang arbeitete. Foto: Miryam Gümbel

Im südthüringischen Sonneberg wird am kommenden Samstag der erste Stolperstein verlegt. Damit setzt die Kreisstadt nahe Oberfranken ein Zeichen, dass sie sich ihrer jüdischen Bewohner erinnert. Auf »Spurensuche – Jüdisches Leben in Sonneberg« waren bereits Schülerinnen und Schüler der Bürgerschule gegangen. Die Ergebnisse hatten sie bei der Präsentation der gleichnamigen Ausstellung anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar dieses Jahres im Landratsamt in Sonneberg vorgestellt.

In einer Begleitveranstaltung erinnerte Kreisheimatpfleger Thomas Schwämmlein mit Forschungsergebnissen an die Geschichte der Sonneberger Juden. Dass deren Wirken, unter anderem auch als Unternehmer in der Spielzeugstadt, wieder ins Bewusstsein gerückt werden sollte, war in der offenen Diskussion ein wesentliches Thema. Als erste Aktion wurde dabei der Stolperstein angesprochen, der nun vor dem Haus Ernststraße 2 gelegt wird.

Anregung Die Idee dazu hatte Lena Hammerschmidt. Die junge Frau, die heute in Berlin lebt, war auf ihren Spaziergängen durch die Hauptstadt immer wieder auf Stolpersteine gestoßen. Es habe ja sicherlich auch in ihrer Heimatregion Opfer der Schoa ge- geben, überlegte sie und wandte sich an das Sonneberger Stadtarchiv. Mitarbeiterin Waltraud Roß bestätigte ihre Annahme und nannte ihr einige Namen. Für den ersten Stolperstein wählte Lena Hammerschmidt Rosa Bibo aus: eine Frau, alleinstehend, Angestellte – und wohnhaft an einem prominenten Platz in Sonneberg.

»Heute befindet sich in dem Haus eine Buchhandlung, die jeder kennt«, erzählt Hammerschmidt. Früher war dort das Textilgeschäft, in dem Rosa Bibo arbeitete. Im Dachgeschoss wohnte sie. Kreisheimatpfleger Schwämmlein hat eine Liste mit bislang 41 Sonnebergern zusammengestellt, die während der NS-Zeit in der Stadt lebten und deportiert wurden, oder die fliehen oder emigrieren konten.

Lebensstationen Zu Rosa Bibo konnte er feststellen, dass sie als Rosalie Bibo am 15. November 1876 in Offenbach geboren wurde. Sie wuchs in Erfurt auf und zog am 15. Februar 1898 nach Sonneberg, wo sie als Verkäuferin in der genannten Textilhandlung arbeitete – 45 Jahre lang.

Auf dem Meldeschein der Stadt Sonneberg ist zu lesen: »Abgemeldet durch Kripo« und »Theresienstadt 18.09. 42«. Schwämmlein konnte den Weg dorthin genauer verfolgen: »19.09.42 Deportation von Weimar, 20.09.1942 von Leipzig nach Theresienstadt (Transportnr. XVI/1-724), 20.09.1942 Ankunft in Theresienstadt«.

Am 17. Februar 1944 starb Rosa Bibo mit 67 Jahren. Mit dem Stolperstein in Erinnerung an sie will dessen Initiatorin Lena Hammerschmidt einen Anstoß geben für die weitere Spurensuche in und um Sonneberg.

7. Oktober

»Wir erinnern nicht schweigend«

Melody Sucharewitz über ihren Kampf gegen das Vergessen des 7. Oktober bei der Gedenkveranstaltung auf dem Bebelplatz in Berlin. Ihre Rede im Wortlaut

von Melody Sucharewicz  08.10.2026

Frankfurt

Jüdische Gemeinde Frankfurt erhöht Druck auf Hessischen Rundfunk

Im Streit um das in der NS-Zeit enteignete Grundstück der örtlichen B’nai-B’rith-Loge stehen nun auch personelle Konsequenzen im Raum

 25.09.2026

Düsseldorf

Josef-Neuberger-Medaille für Grünen-Ministerin Mona Neubaur

Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit über 30 Jahren Menschen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit

 14.09.2026

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Berlin

Wahlkampfdebatte im Gemeindehaus

Die Jüdische Gemeinde lud anlässlich der bevorstehenden Wahl die Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch. Am Ende wurde mal wieder über Antisemitismusdefinitionen gestritten

von Debora Eller  10.09.2026

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026