Fest

Ein starkes Duo

Feierlich: Uscher Lubelski, Arie Folger, Moshe Fishel und Ber Szenker (v.l.) Foto: Daniel Schvarcz

Es war ein feierlicher Abend, als Rabbiner Arie Folger und Kantor Moshe Fishel am 29. April in der Ohel‐Jakob‐Synagoge in ihr Amt eingeführt wurden. Dafür, dass dieser offizielle Akt erst sieben Monate nach seinem Amtsantritt stattfand, nannte Folger in seiner Rede auch gleich ein paar biblische Beispiele. So hatte unter anderem König David zwischen seiner Salbung und seiner Krönung lange Zeit, die er nutzte, um die Bedürfnisse seines Volkes kennenzulernen.

Geleitet von dem Vorsitzenden der IKG‐Kultuskommission, Uscher Lubelski, und dem Vorsitzenden des Vaads der Synagoge, Ber Szenker, zogen Rabbiner und Kantor ein. Der Chor Schma Kolenu unter Leitung von Yoed Sorek sorgte für eine würdevolle Stimmung. Musikalischer Höhepunkt war später das Schechejanu, bei dem Moshe Fishel gemeinsam mit den Sängern der Synagoge sein stimmliches Können eindrucksvoll zeigte. Die Gäste, unter ihnen Vertreter aus Politik und Kirchen, sowie eine Vielzahl von Rabinern, vom Münchner Altrabbiner Steven Langnas bis zum Repräsentanten von Chabad Lubawitsch, Raw Israel Diskin, begrüßte Lubelski auch im Namen von Präsidentin Charlotte Knobloch.

Sinai »Mit dem heutigen Tag beginnen wir eine neue Ära im Kultusbereich unserer Gemeinde«, sagte er und fuhr, zu Rabbiner Folger gewandt, fort: »Der Mantel der Führung wird mit dem heutigen Tage auf Ihren sehr jungen aber starken Schultern gelegt. Sie werden diese große Gemeinschaft nach der Art und Weise unserer heiligen Tora führen, wie sie uns von unseren Vorfahren, durch Moses, unseren Lehrer und Meister, von der Hand des Allmächtigen auf dem Sinai gegeben wurde. Mit G’ttes Hilfe mögen Sie den enormen Herausforderungen, die vor Ihnen liegen, begegnen und sie zu nehmen wissen.«

Kontinuität Die Ansprache zu Ehren von Rabbiner Folger hielt der Oberrabbiner von Moskau und Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, Pinchas Goldschmidt. »Sie haben mich heute hierher eingeladen, um eine Institution zu segnen, um eine Tradition zu segnen, um die Kontinuität zu segnen.

Und um den Eingang Ihres neuen geistigen Oberhauptes zu segnen«, erklärte er die Bedeutung des Festaktes. »Wir sind heute hier in dieser wunderschönen, neu gebauten Synagoge in der Innenstadt Münchens versammelt, einem Symbol für die Auferstehung des deutschen Judentums, nach den Jahren der Finsternis der Schoa.

Dank der Beharrlichkeit der wenigen Überlebenden die 1945 den Mut hatten, hierher nach München, in das ehemalige Zentrum des Hasses und des Antisemitismus, zurückzukehren. Dank der begabten und genialen Führung der Präsidentin, Frau Knobloch, die dieses herrliche Zentrum errichtete, und dank der großen Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion ist die jüdische Gemeinde München wieder eine starke und ehrwürdige Gemeinde geworden.«

Gebet Rabbiner Arie Folger stellte er als »herausragende Persönlichkeit« vor: Bei ihm »ist es gar keine Frage, dass seine Wahl sowohl für ihn als auch für die Gemeinde richtig und verdient war. Rabbiner Folger startete seine Karriere in der Park East Synagogue, in New York. Später amtierte Raw Folger in Basel und hat dort die Zuneigung und den Respekt der Mitglieder gewonnen. Auch in der Europäischen Rabbiner‐Konferenz wird Raw Folger hoch geschätzt.«

Den Chasan Moshe David ben Zwi Dow Fishel haLevi stellte Ber Szenker vor. Aus mehr als 20 Kandidaten fiel die Entscheidung auf ihn. Das Kriterium dafür nannte Szenker: »In Moshe Fishel vereinigten sich all unsere Wünsche: Neben dem wunderschönen Gesang fand auch das Gebet einen direkten Weg aus seinem Herzen in unsere. Die menschlichen Gefühle wie Reue und Buße, Flehen und Demut, Dankbarkeit, Freude und Lob G’ttes sind während seines Betens merklich spürbar.«

Als Begrüßungsgeschenk der Gemeinde erhielt Rabbiner Folger einen Tallit, Kantor Fishel eine traditionelle aschkenasische Kantorenmütze aus Seide für die Jamim Nora’im, die ehrfürchtigen Tage, Rosch Haschana und Jom Kippur – feierlich überreicht von Mädchen aus der Gemeinde im Namen von Präsidentin Charlotte Knobloch. Auf der Mütze eingestickt ist auf Hebräisch ein Zitat aus dem Lied Debora: »Ich will G’tt besingen, singen werde ich, G’tt werde ich preisen, der G’tt Israels«. Auf dem weißen Tallit für Rabbiner Folger steht auf Hebräisch in silbernen Buchstaben gestickt: »Unser Lehrer und Rabbiner, Arie ben Menachen Meir, G’tt soll ihn schützen und aufrecht halten«.

toleranz Das Schlusswort hatte dann der neue Rabbiner: Jüdische Identität zu vermitteln, sei eine besonders wichtige Aufgabe. Toleranz gegenüber der Realität dürfe hier nicht zu Hoffnungslosigkeit führen. Eine prägende jüdische Identität sei wichtig – und diese müsse an alle Generationen weitergegeben werden. In einer intakten Gemeinde dürfe es Vielfalt geben. Auch Traditionstreue gehöre dazu.

Die Erziehung gehöre hier entscheidend dazu, von der Wiege bis zum Gymnasium, aber auch darüber hinaus. Deshalb seien Jugendarbeit und Engagement mit den Studenten unentbehrlich. Präsidentin Charlotte Knobloch, der IKG‐Vorstand und viele Abteilungen wirkten dabei »voller Hingabe mit, unsere Vision umzusetzen«. Dieses Engagement aller sei unabdingbar, so Rabbiner Folger: »Alleine bin ich sehr wenig, aber zusammen sind wir stark, und zusammen können wir die Zukunft der Gemeinde sichern.«

Porträt der Woche

»Bücher sind mein Zuhause«

Susanne Simor arbeitet für einen Verlag und lebte als Kind in Budapest

von Katrin Diehl  23.06.2019

Dortmund

Die Türen stehen offen

Die Gemeinde lädt Kirchentagsbesucher zum Essen und Diskutieren ein

von Stefan Laurin  20.06.2019

Berlin

»Aus dem Tempel drang die Melodie«

Lange Nacht der Religionen: Bei Sukkat Schalom informierten Rabbiner Andreas Nachama und Kantorin Esther Hirsch über Psalmen

von Christine Schmitt  20.06.2019