Sachsen

Ein Nachmittag in Familie

Das neue Familienprogramm »Mischpacha«, initiiert und gefördert vom Zentralrat der Juden in Deutschland und vom American Joint Distribution Committee (JDC), nimmt in den Gemeinden Fahrt auf.

Mitte März gab es in der Chemnitzer Gemeinde die Auftaktveranstaltung des Programms. Monatelang hatten sich die Protagonistinnen Liora Korob‐Frandlih, Olga Burgay and Mascha Lyamets sorgfältig auf diesen Tag vorbereitet. In den »Club Mischpacha«, wie die Südsachsen ihr Projekt nennen, kamen mehr als ein Dutzend junger Familien. Für Eltern und ihre Kinder gab es eine Mischung aus Unterhaltung und Anregung.

Präsentation Liora Frandlih, angehende Pädagogin und selbst Mutter zweier Kinder, führte per Powerpoint‐Präsentation in das geplante Projekt ein. Traditionsvermittlung an die Kinder, Beschäftigung mit jüdischer Geschichte und mit dem Staat Israel, interreligiöse Begegnung und eine aktive Auseinandersetzung mit Antisemitismus – das alles passe in das Mischpacha‐Programm gut hinein.

Zugleich ermunterte sie die Eltern, die zu dieser Auftaktveranstaltung ins Gemeindezentrum gekommen waren, eigene Ideen zu formulieren und mit Fragen gar nicht erst hinterm Berg zu halten. »Wir haben jetzt jeden Monat die Chance, uns kennenzulernen, über Jüdischkeit zu sprechen, Freundschaften zu schließen, einfach ein Stück zusammenzurücken.«

Die Eltern sollen auch eigene Ideen 
für das Programm entwickeln.

Zauberkünstler Bevor die ersten Kinder unruhig werden konnten, übernahm der Plauener Zauberkünstler und Musiker Jens Bühring die Regie und begeisterte die jungen Zuschauer eine halbe Stunde lang mit Clownerien, Gags und Fantasiestücken aus seinem »Kinder‐Chaos‐Zirkus«. Im Anschluss daran ging es für die Mädchen und Jungen zum gemeinsamen Basteln schmucker Papier‐Kronen, die sie beim anstehenden Purimfest tragen wollten und – wie sie später erzählten – auch stolz aufsetzten.

Musiker Bühring, der jiddische Lieder wie »Tumbalalaika« und »Mir lebn ejbig« mitreißend spielte, animierte die Kleinen, sich selbst zu bewegen und ausgelassen zu tanzen. Den interessierten Eltern erklärte unterdessen Lars Dziuballa vom Chemnitzer Restaurants »Schalom«, wie koscherer Wein hergestellt wird, und bot erlesene kleine israelische Kostproben von Yarden bis Mount Hermon an.

facebook Zum Schluss des Nachmittags blieb noch genügend Zeit, um sich bei koscherem Schnitzel, Kuchen und weiteren Leckereien aus der Gemeindeküche über jüdische Bildung, die laufenden Tage der Jüdischen Kultur, Neuigkeiten aus der Gemeinde und die jüngst gegründete Facebook‐Seite »Mischpacha Chemnitz« auszutauschen. Niemand schien es eilig zu haben, schnell wieder nach Hause zu kommen.

»Ich sehe hier viele glückliche Kindergesichter. Ich bin für die sächsischen Gemeinden optimistisch.«

Anja Olejnik vom American Joint Distribution Committee (JDC), die für die Auftaktveranstaltungaus Berlin angereist war und vergleichbare Programme auch in Leipzig, Köln sowie in der Hauptstadt begleitet, war voller Begeisterung: »Ich sehe hier viele glückliche Kindergesichter, höre Eltern ins Gespräch kommen und über Zukünftiges diskutieren. Genau das ist es, was wir wollen, und ich bin für die sächsischen Gemeinden optimistisch.«

Pre‐Pessach Der Chemnitzer »Club Mischpacha« begleitete natürlich auch das Purimfest und bietet Anfang April ein »Pre‐Pessach‐Event« mit süßem Seder für Kinder an. Im Mai lädt der Klub zu einem Nachmittag über »Esches Chayil – Super Mamies« ein und wird im Juni über den Umgang mit alt‐neuem Antisemitismus diskutieren.

Parallel will der »Club Mischpacha« seine Öffentlichkeitsarbeit weiter intensivieren. »Wir wollen noch viel mehr jüdische Familien erreichen, die in der Stadt leben, aber bisher keinerlei Kontakt zu uns haben«, betont Mascha Lyamets.

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