Frankfurt

Ein Mann der klaren Worte

Gut gelaunt: Sacha Stawski, Gila Lustiger und Mathias Döpfner (v.l.) Foto: Rafael Herlich

Mathias Döpfner ist einer, der in der Öffentlichkeit resolut und vehement jede Form von Antisemitismus verurteilt und das unbedingte Existenzrecht des Staates Israel verteidigt. Diese Haltung hat dem Vorstandsvorsitzenden des Medienunternehmens Axel Springer SE neben hohem Respekt in jüdischen Kreisen schon etliche öffentliche Ehrungen eingebracht. Döpfner erhielt 2014 den in New York verliehenen »International Leadership Award« der Anti-Defamation League und im selben Jahr auch den Award of Merit der B’nai-B’rith-Loge.

Am vergangenen Sonntag wurde der 53-Jährige während des 4. Deutschen Israelkongresses mit dem Arno-Lustiger-Ehrenpreis gewürdigt. Dieser wird Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verliehen, die sich »besonders für die bilateralen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel verdient gemacht haben«, wie es Sacha Stawski, Vorsitzender des Vereins »I like Israel« und Organisator des Kongresses, formulierte.

Herz und Verstand »Arno wäre begeistert, dass Sie diesen Preis bekommen. Mir fällt niemand ein, der ihn mehr verdient hätte«, sagte Laudator Henryk M. Broder. Döpfner sei ebenso wie Lustiger »ein Gelehrter mit Herz und Verstand«, dem die Freiheit und der Freiheitsgedanke so wichtig seien wie dem vor vier Jahren verstorbenen Holocaust-Überlebenden Arno Lustiger. Insbesondere, wenn das Existenzrecht Israels infrage gestellt werde, melde »sich Herr Döpfner zu Wort – und dann läuten die Glocken«.

Dass er die Laudatio auf den eigenen Chef hielt, war nach Broders eigenem Bekunden ein »riskantes Unterfangen«. Er fühle sich dem aber gewachsen, betonte er. Schließlich sei es Döpfner gewesen, der ihn vor Jahren vom »Spiegel« zur »Welt« gelockt habe: »Jedes Mal, wenn etwas von Jakob Augstein erscheint, bin ich dankbar, dass ich nicht mit diesem Mann im selben Blatt publiziere«, sagte Broder scharfzüngig. Broder lobte seinen Chef dafür, dass er sich im Eklat um das Erdogan-Gedicht von Jan Böhmermann ohne Wenn und Aber hinter den Satiriker gestellt habe.

Den Ausspruch der evangelischen Theologin Margot Käßmann, auch Terroristen seien das Ebenbild Gottes, kritisierte Broder ebenso wie die Ausstellung iranischer Kunst durch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz – schließlich habe sich der Generaldirektor des Teheraner Partnermuseums an dem antisemitischen Holocaust-Karikaturenwettbewerb im Iran beteiligt. »Denken Sie daran«, warnte Broder zum Schluss seiner Laudatio: »Der Kampf geht weiter!«

Leitsatz Mathias Döpfner berichtete, er habe nur wenige kurze Gespräche mit Arno Lustiger geführt. Aber diese hätten ihn sehr beeindruckt. Lustiger sei ein »wunderbarer Mensch« gewesen. Deshalb freue er sich über diesen Preis besonders. Dass die Israel-Präambel, die »das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen sowie die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes« als Leitsatz vorgibt und die Axel Springer 1967 allen Mitarbeitern in den Arbeitsvertrag geschrieben hatte, überhaupt notwendig gewesen sei, bezeichnete Döpfner als »schrecklich«. »Es ist eine Schande, dass es das braucht!« Und es sei unglaublich, dass laut einer Umfrage mehr als die Hälfte der Deutschen glaube, Israel sei für die Krise im Nahen Osten verantwortlich.

Die deutsch-israelische Freundschaft sei keine altruistische Sache. Vielmehr müsse Deutschland ein egoistisches Interesse daran haben, dieses Land zu unterstützen. Israel mache auch Fehler, aber diese würden nach demokratischen Regeln bereinigt. »Wenn in Israel eine Sekretärin des Ministerpräsidenten sagt, ihr Chef habe sie sexuell belästigt, wandert der Ministerpräsident ins Gefängnis. Wenn eine Sekretärin im Iran dasselbe behauptet, wird sie gesteinigt.« Die islamistische Bedrohung sei eine Gefahr für alle Demokratien. Israel müsse als Verbündeter im Kampf gesehen werden. »Henryk Broder hat gesagt: ›Der Kampf geht weiter!‹«, zitierte Döpfner seinen Laudator: »Ich füge hinzu: Vincemus! (Wir werden siegen!)«

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