München

Ein Buch zum Geburtstag

Männerrunde: Christian Ude, Max Mannheimer und Hans-Jochen Vogel (v.l.) Foto: Myriam Gümbel

»Überlebender, Künstler, Lebenskünstler« – so charakterisiert das jüngste Buch mit ausgewählten Reden und Schriften von und über Max Mannheimer den aktiven und engagierten Zeitzeugen. Zum 91. Geburtstag Mannheimers haben es Ilse Macek und Horst Schmidt im Münchner Volk- Verlag herausgegeben.

Vorgestellt wurde es Ende März in der Juristischen Bibliothek des Münchner Rathauses. Unter den Gästen begrüßte Schmidt als Leiter des BayernForums der Friedrich-Ebert-Stiftung eine Vielzahl namhafter Politiker sowie Familie und Freunde des Jubilars, darunter auch IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch.

menschlichkeit Neben dem Hausherrn, Oberbürgermeister Christian Ude, war auch dessen langjähriger Vorgänger Hans-Jochen Vogel (SPD) gekommen – beide Wegbegleiter des stets auch politisch engagierten Max Mannheimer.

Mannheimer hat Konzentrationslager überlebt, hat bis auf einen seiner Brüder im Holocaust die gesamte Familie verloren – und doch hat er einen Traum nie aufgegeben – den von »einer Gesellschaft mit mehr Menschlichkeit«. Dafür setzt er sich seit Jahrzehnten ein – mit Vorträgen, mit Aufklärungsarbeit und als Vorbild. Sein Handeln ist dabei gekennzeichnet, wie es Christian Ude in seiner Laudatio beschrieb, von »menschlicher Leidenschaft«.

bewunderung Leichtigkeit, Konsequenz und Nachhaltigkeit sind als Wesenszüge Mannheimers in dem Buch zu entdecken. Für Ude ist es keine »Pflichtlektüre«, sondern ein »amüsantes Buch, das Humanität, Kraft und Heiterkeit vermittelt«. Hans-Jochen Vogel erinnerte in seiner Rede daran, dass er Max Mannheimer seit mehr als 50 Jahren kenne – »und in dieser Zeit sind wir Freunde geworden«. Zum großen Vertrauen »kam von meiner Seite noch das Gefühl der Bewunderung hinzu«. Mannheimer informiere die Jungen über das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte und gebe zugleich Hilfestellung für ein »Nie wieder!«

Dieser Einsatz manifestiert sich auch in dem von Vogel initiierten Verein »Gegen Vergessen – Für Demokratie«. Diesem gehört Max Mannheimer seit über zehn Jahren als Ehrenmitlied an. Ilse Macek, Vorsitzende von dessen regionaler Arbeitsgruppe München, ging in ihrer Ansprache auf Mannheimers Engagement und auf seine Persönlichkeit ein.

auschwitz Er habe, so zitierte sie aus einem Interview, einmal gesagt: »Ich habe zwar Auschwitz verlassen können, aber Auschwitz hat mich nicht verlassen«. Die Erfahrung Auschwitz stehe im Zentrum seines Handelns – auch nach über 65 Jahren. Mannheimer sei nicht nur Überlebender, er sei ein Zeitzeuge, der Zeitzeuge par excellence.

Max Mannheimer habe »die seltene Fähigkeit, Innen- und Außensichten zu integrieren, die Fähigkeit, Interesse für politische Fragestellungen in der gelebten Gegenwart zu erzeugen, die Fähigkeit pädagogisch wirksam tätig zu sein. Und die Erinnerung ist nicht museal, nicht in ritueller Vergangenheitsbetrachtung, sondern reflexiv und politisch zukukunftsbezogen«. Macek charakterisierte Mannheimer als emotional, humorvoll und beharrlich. Er glaube an die heutige Jugend, die wissen wolle, warum ihre Urgroßeltern so und nicht anders gehandelt haben. Er weiß, dass sie dabei auf Zeitzeugen wie ihn hören.

Ihn charakterisierte Macek am Ende ihrerAnsprache als »wandelndes Beispiel für die Kurzformel, die sich besser und prägnanter nicht in Worte fassen lässt: Gegen Vergessen – Für Demokratie!«

frage Mannheimer bedankte sich in humorvollen Worten, aber auch mit sehr ernster Aussage: Er verwies auf seine im Buch abgedruckte Fastenpredigt in Eichenau vom März 1998, in der er auch auf die immer wieder nicht nur von Überlebenden gestellte Frage nach Gott einging.

Mannheimer gibt darauf eine klare Antwort: »Wo war Gott in Auschwitz? Die Frage wird immer so stehen bleiben, weil es darauf keine Antwort gibt. Es bleibt ungelöst, (un)erlöst. Wir werden weiterleben müssen – mit diesen Fragen und – mit Gott!«

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