Düsseldorf

Ein besonderes Geschenk

Festlicher Umzug durch die Stadt: von der Wohnung des Rabbiners (r.) zur Synagoge Foto: Jan Popp-Sewing

Die Familie des Düsseldorfer Oberrabbiners Raphael Evers hat ihm zum 65. Geburtstag im Mai ein besonderes Geschenk gemacht: Sie ließ eine beschädigte Sefer Tora restaurieren. Evers stellte die Torarolle der Gemeinde zur Verfügung. Er möchte sie damit allen Gemeindemitgliedern zugänglich machen.

Wohnung Am Sonntag begrüßte die Gemeinde ihre neue Sefer Tora mit einem Fest. Um 14 Uhr ertönte Gesang in der Wohnung des Oberrabbiners. Unter einem von vier Männer getragenen blau-weißen Baldachin mit goldenem Davidstern brachte Evers die Tora aus der Wohnung, geleitet von mehreren Rabbinern.

Auf dem Bürgersteig standen Gemeindemitglieder dicht gedrängt, um die Tora mit Gesang zu empfangen und zu geleiten. Wenige Schritte entfernt, auf dem Paul-Spiegel-Platz vor der Synagoge, warteten bereits Gemeindemitglieder mit den sechs bislang vorhandenen Torarollen aus der aschkenasischen und sefardischen (bucharischen) Synagoge: Traditionell begrüßen so die alten Torarollen die neue. Nun wurde unter freiem Himmel ausgiebig rund um die Torarollen getanzt und gesungen. Viele der Zuschauer hatten ihre Kinder mitgebracht, damit diese sich den Moment einprägen.

Würdigung Die Türen der Synagoge standen zur Würdigung des Ereignisses weit offen. Zur Freude der Feiernden blieb es trocken. Als Ehrengast war Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel zum Paul-Spiegel-Platz gekommen – und tanzte mit Evers eine Runde vor der alten, neuen Sefer Tora mit. »Ich habe schon viele schöne jüdische Feste gesehen. Das ist ein neuer Höhepunkt«, sagte das Stadtoberhaupt.

Dann betraten die Feiernden das Gotteshaus und absolvierten sieben Tanzrunden mit allen Tora-Schriftrollen durch die Synagoge. Anschließend wurde die Pergamentrolle, eingeschlagen in ein blaues Tuch, sorgfältig an ihren Platz in den Toraschrein der Synagoge gelegt. Sie ist nun an ihrem neuen Bestimmungsort angekommen.

Oded Horowitz, Vorstandsvorsitzender der Gemeinde, bedankte sich bei der Familie des Oberrabbiners für die große Ehre. Er unterstrich die besondere Bedeutung, die die Einbringung der neuen Tora für die Gemeinde habe. Die Tora stehe schließlich für das jüdische Leben, und: »Sie erinnert uns an unsere Wurzeln.«

Mitglieder Horowitz betonte in diesem Zusammenhang, dass die Düsseldorfer Gemeinde heute mehr Mitglieder habe als vor der Schoa. Sie umfasse neben der NRW-Landeshauptstadt auch Teile des Umlands und sei mit rund 7000 Mitgliedern die drittgrößte Gemeinde in Deutschland.

Die neue Tora stammt aus der Zeit vor der Schoa. Ihr genaues Alter und die Umstände ihrer Entstehung sind unbekannt. Man weiß lediglich, dass sie aus der Region Nürnberg kommt. Von dort stammt auch eine der Großmütter des Oberrabbiners. Die Rolle hat nach Angaben der Familie »eine lange Wanderung« hinter sich.

Die Tora hatte die Jahrzehnte zwar überstanden, zuletzt in einem Hinterzimmer, war mit der Zeit aber beschädigt worden. Sie wurde im Auftrag der Familie in monatelanger Arbeit sorgfältig restauriert und damit wieder koscher. Per Computer wurde geprüft, ob jeder Buchstabe korrekt und an Ort und Stelle ist.

Schreiber »Eine Torarolle für den Gebrauch im Gottesdienst wird grundsätzlich per Hand von einem Sofer, einem speziell dafür ausgebildeten Schreiber, geschrieben«, erklärt Oberrabbiner Evers. Sie bestehe immer aus genau 304.805 Buchstaben und dürfe keinen Fehler enthalten. Sonst sei sie unbrauchbar und müsse neu geschrieben werden.

Eine neue Torarolle sei für eine Gemeinde und die Synagoge etwas ganz Besonderes, betont der Oberrabbiner. Denn: »Die Tora ist das Fundament unserer Existenz.«

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