Ausstellung

Düsseldorfer Schicksale

Oberbürgermeister Thomas Geisel (l.) lässt sich vom Leiter der Gedenkstätte, Bastian Fleermann, den ehemaligen Luftschutzkeller zeigen. Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf, Ingo Lammert

Mehr als 60.000 Besucher konnte die Düsseldorfer Mahn‐ und Gedenkstätte in den vergangenen vier Jahren begrüßen. Eine bemerkenswerte Zahl für eine Gedenkstätte ohne Ausstellungsraum: 2011 musste die Einrichtung für umfangreiche Umbaumaßnahmen schließen, die Veranstaltungen wurden ausgelagert und die Erinnerungsarbeit an verschiedenen Orten in der Stadt fortgeführt. Seit dem 12. Mai ist das Haus in der Altstadt wieder geöffnet und zeigt eine von Grund auf erneuerte Ausstellung.

Im Innenhof des Stadthauses ist ein Anbau aus Waschbeton, Stahl und Glas entstanden, in den man schon vom Eingangsportal aus blicken kann. Lichtdurchflutet, wirkt er trotz der schweren Materialien leicht. In diesem Teil der Mahn‐ und Gedenkstätte steht die Erinnerung im Mittelpunkt; ihre verschiedenen Formen wie die Stolpersteine, Straßen mit Namen von bekannten und unbekannten Menschen oder Denkmäler in der Landeshauptstadt.

Lebenswelten Wer hier steht, ist an der eigentlichen Ausstellung schon vorbeigegangen, findet aber einen guten Einstieg. Denn so nähert man sich behutsam einer Schau an, die mit einer Vielzahl von Einzelschicksalen aus der Zeit des Nationalsozialismus ein präzises Bild vom Leben der Menschen im damaligen Deutschland zeichnet: Da geht es beispielsweise um Werner. 1925 in Düsseldorf geboren, geht er zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zu den Edelweißpiraten. Oder um Paul, der mit 18 Jahren zur Musterung zitiert wurde und später mit seiner Einheit das Führerhauptquartier bewachte.

Die Besucher lernen Willi kennen, einen Kommunisten, der früh ins Visier der Nazis geriet und Misshandlungen über sich ergehen lassen musste. Der junge Musiker Ernst, ein Zeuge Jehovas, verweigerte einmal den Hitlergruß und wurde deshalb nicht in einem Sinfonieorchester angestellt. Ally hatte Trisomie 21 und wurde 1943 mit einer Überdosis Medikamenten ermordet. Klara war ein ostjüdisches Mädchen und wurde nach Polen ausgewiesen, schrieb aber weiter Briefe und Postkarten an ihre Freundin in Düsseldorf.

Panorama Diese Einzelbilder zeigen, was tausendfach in dieser Zeit geschah. So werden sie zu einem Gesellschaftspanorama, das berührt. In Schubladen, hinter Türchen und beweglichen Wänden bieten die Stationen weitere Informationen. Mit Touchscreen‐Monitoren, Ton‐ und Filmaufnahmen ermöglicht die Mahn‐ und Gedenkstätte ihren Besuchern, noch mehr zu erfahren.

Die Geschichten von Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Stadtteilen werden erzählt. Es sind »junge Schwule, politisch Verfolgte, selbstverständlich auch Düsseldorfer Juden«, erklärt der Leiter der Mahn‐ und Gedenkstätte, Bastian Fleermann. Und junge Menschen sind auch die wichtigste Zielgruppe des Hauses. Schon vor der Wiedereröffnung hatten sich mehr als 50 Gruppen zu Führungen angemeldet, Schulklassen aus der Region rund um Düsseldorf.

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