München

Die Zukunft kann kommen

Feierlich: Abiturienten und Lehrer beim Abschlussfest im Jüdischen Gemeindezentrum Foto: Miryam Gümbel

Für elf junge Menschen aus der IKG werden der 26. und der 27. Juni 2013 zu den Tagen gehören, die sie noch lange in Erinnerung behalten werden. An diesen beiden Tagen feierten die Schüler das Ende ihrer Gymnasialzeit mit einer Feststunde im Gemeindezentrum und mit einer Fahrt nach Berlin. Beides war ein Geschenk der IKG.

Präsidentin Charlotte Knobloch gratulierte den Abiturienten zu ihrem Abschluss. Allein ein Blick auf die Themen der Prüfungen nötige ihr Respekt ab, erklärte sie. Hinsichtlich der Zukunft der jungen Menschen betonte sie die großen Möglichkeiten, die vor den Absolventen liegen, war sich aber auch der Herausforderungen bewusst.

Freiheit »Niemals zuvor hatten junge Menschen wie Sie mehr Chancen und eine größere Auswahl an Möglichkeiten, ihr künftiges Leben in unserer globalen Welt zu gestalten.« Dies sei ein großes Privileg, das keineswegs selbstverständlich sei, unterstrich Knobloch: »Sie können in Freiheit und Unabhängigkeit darüber entscheiden, wohin Sie gehen und was Sie dort lernen oder arbeiten möchten. Diese Form von Freiheit und Weltoffenheit hat es so noch nie gegeben.«

Auf der anderen Seite wachse der Druck auf die jungen Leute zunehmend, erklärte Charlotte Knobloch – Konkurrenz-, Leistungs- und Zeitdruck: Die Anforderungen wüchsen rasant, Mobilität und Flexibilität würden vorausgesetzt. »Die Welt, in der wir leben, wird immer schneller und komplizierter«, so Knobloch. »Viele junge Menschen empfinden die Informationsflut und die Vielzahl an Möglichkeiten, die sich ihnen eröffnet, weniger als Privileg denn als Belastung.«

Dass es dabei zuweilen auch rücksichtslos zugeht und Individualismus in weiten Teilen der westlichen Welt großgeschrieben werde, fand in Knoblochs Rede ebenfalls Erwähnung. »Jeder kämpft in erster Linie für sich, seine Anliegen und sein Voran- und Hochkommen«, wusste sie zu berichten. Vor diesem Hintergrund sei es nicht immer einfach, sich seine allgemeinen und religiösen Werte zu bewahren. »Werte, die uns die Tora vorgegeben hat: Menschlichkeit, Zedaka, Nächstenliebe, Tikkun Olam, Gemilut Chassadim – kurzum: a Mensch sein.« Es lohne sich unbedingt, danach zu leben: »Der Dank sind der langfristige Erfolg und ein gutes Gewissen«, so Knobloch.

Judentum Dass die religiösen Werte den Abiturienten aus der IKG durchaus bewusst sind, zeigte ein Blick auf die Themen der Seminararbeiten: Da ging es etwa um jüdisches Leben in Bayern und München im Mittelalter sowie in der Zeit von 1945 bis in die Gegenwart. Zudem wurde das Leben jüdischer Künstler und Musiker beleuchtet, aber auch die Darstellung von Juden in zeitgenössischen jüdischen Filmen. Daniel Libeskind war darüber hinaus ebenso ein Thema wie die Jenseitsvorstellungen im Judentum und die Idee der Seele nach Mosche ben Maimon.

Marcus Schroll, der Leiter des religiösen Erziehungswesens, verabschiedete seine Schüler mit dem Goethe-Zitat »Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen«. Er ergänzte es um den weit weniger bekannten Vers: »Was man nicht nützt, ist eine schwere Last.« Dass die Werte jüdischen Lebens weiterhin gelebt werden, dessen waren sich alle sicher.

Nach einem Empfang für die Abiturienten, ihre Familien und Lehrer sowie für die Vertreter vom Kultusministerium und mehrere Münchner Gymnasien stand der folgende Tag ganz im Zeichen der Berlinreise mit Marcus Schroll. Nach einem koscheren Frühstück bei Bleiberg’s war das erste Ziel das Jüdische Museum in Kreuzberg. Neben einer Ausstellung über die Bedeutung des Auserwähltseins beeindruckten hier besonders die Bilder von Malern aus Theresienstadt. Am Nachmittag besuchten die Münchner dann die Lauder-Jeschiwa, durch die sie Rabbiner Menachem Schleider führte.

Dresden

Gedenken an Pogromnacht

Nora Goldenbogen appelliert, Erinnerung an die Gräueltaten der Nationalsozialisten mahnend wachzuhalten

 10.11.2019

Konstanz

Neue Synagoge eingeweiht

Zentralratsvizepräsident Lehrer: »Zeichen für jüdische Zukunft«

 10.11.2019

Porträt der Woche

»Ich bin der Letzte«

Max Schwab ist Gemeindeältester in Halle und erlebte die Pogromnacht 1938

von Tobias Kühn  10.11.2019

Saarbrücken

Gegen alle Widerstände

Jahrelang kämpfte die Gemeinde für ein angemessenes Schoa-Mahnmal

von Lisa Huth  10.11.2019

Halle

Jüdische Gemeinde wünscht sich Ruhe

Vorsitzender Max Privorozki: »Können kein normales Gemeindeleben mehr führen«

 09.11.2019

München

Pogromnacht, Namenslesung, Erinnerung

Meldungen aus der IKG

 07.11.2019