Jewrovision

Die Starken aus Hamburg

Ziemlich stark und mitten im Training: die Kids des Hamburger Jugendzentrums Chasak Foto: Moritz Piehler

Es war eine unglaubliche Überraschung, als das Ergebnis bei der Jewrovision 2017 in Karlsruhe ver­kündet wurde: Der Gewinner hieß Chasak und kam aus Hamburg! Nachdem die Favoriten aus Mannheim eigentlich auf den dritten Erfolg in Serie gehofft hatten, blieb ihnen im vergangenen Februar nur der zweite Platz und der Respekt vor der Konkurrenz aus dem hohen Norden. Doch nicht nur diesen Titel durften die Nordlichter mit an die Elbe nehmen, die Auszeichnung für das beste Video gab es gleich noch obendrauf.

Benjamin Solovei erinnert sich noch genau an den Moment: »Nachdem wir den Videopreis bekommen hatten, dachte ich, jetzt gewinnen wir die Gesamtwertung nicht auch noch. Dann haben wir uns natürlich umso mehr gefreut.« Selbstverständlich waren die Hamburger – wie alle anderen Teams auch – mit dem Ziel nach Karlsruhe gereist, ihre beste Performance abzuliefern und vielleicht auch Chancen auf die Top 3 zu haben.

»Ich hab’ schon an uns geglaubt, auch weil ich irgendwie in so einer positiven Stimmung war«, erzählt Solovei. Aber dass sie die beiden Titel dann wirklich mit nach Hause nehmen durften, war für ihn und alle Hamburger Kids überwältigend.

Show In Karlsruhe war der 17‐Jährige noch selbst auf der Bühne als Tänzer und Sänger dabei, dieses Mal wird er in eine andere Rolle schlüpfen. Er darf nämlich die große Show moderieren – obwohl der Titelverteidiger in diesem Jahr kein Heimspiel hat. Aufgrund der Umbauarbeiten am Congress Center Hamburg (CCH) wird die Veranstaltung in Dresden stattfinden.

Das ist allerdings keineswegs ein Grund für Unmut in Hamburg. »Wir unterstützen voll, dass die Jewrovision dieses Jahr in Dresden ist. Aber der Zentralrat hat uns nicht vergessen«, berichtet Chasak‐Coach Eyal Levinsky, der auch in diesem Jahr seine Hamburger Schützlinge zu Höchstleistungen antreiben will. »Es wurde eigentlich alles Machbare unternommen, um uns so viel Heimspielatmosphäre wie möglich zu geben.«

Unter anderem dürfen die Hamburger die Eröffnung gestalten. Und eben den Moderator stellen. Das bedeutet aber auch, dass Benjamin Solovei nicht selbst an der Performance teilnehmen darf; ein bisschen Neutralität muss ein Moderator schließlich haben. Trotzdem fiebert der Abiturient mit ganzem Herzen der Jewrovision entgegen: »Ich bin ein bisschen aufgeregt, aber in erster Linie sehr glücklich und geehrt. Und ich bin sehr gespannt auf die Acts aus den anderen Städten!«

Freunde Nicht nur auf die Aufführungen der anderen Gemeinden, sondern auch auf die vielen Freunde aus ganz Deutschland freut er sich. »Es ist einfach eine ganz besondere Zeit, die wir dort miteinander verbringen«, findet Solovei, der im Sommer das Abitur ablegen wird. »Es ist eben wie ein Machane mit vielen Freunden, und fast wie nebenbei lernt man noch ganz viel über jüdische Kultur.«

Wie jeden Sonntag seit November trainieren die Chasak‐Jugendlichen im Gemeindesaal der Synagoge Hohe Weide. Eyal Levinsky reist dafür immer eigens aus Berlin an, wo er gerade sein Studium beendet hat. »Ich mach’ das immer noch gerne für die Kids. Es macht einfach Spaß, zusammen zu trainieren und etwas zu kreieren«, erzählt er. Dass die Hamburger dieses Mal als Titelverteidiger anreisen, erzeuge keinen zusätzlichen Druck. »Natürlich wollen wir uns nicht blamieren, aber es ist einfach schön, dass uns die anderen Gemeinden jetzt ernster nehmen als vorher. Der Sieg hat uns sozusagen auf die Karte gepackt.«

Performance Aber letztlich geht es vor allem um das gemeinsame Erlebnis, auf so einer großen Bühne zu performen. »Es gibt Profis, die träumen davon, vor so einem Publikum auftreten zu können«, sagt Levinsky. Auch dass die Hamburger ausgerechnet auf dem letzten Startplatz antreten müssen, sieht er nicht unbedingt als Nachteil: »Man muss einfach eine Performance abliefern, an die sich alle erinnern.«

Motto Trotzdem hat sich Levinsky mit seinen Jugendlichen auch dieses Mal etwas Besonderes zum Motto »The Circle of Life« einfallen lassen. Was genau, wird hier natürlich nicht verraten, nur so viel: »Es wird in eine komplett andere Richtung gehen als letztes Jahr, auch musikalisch.«

Dafür müssen die Chasak‐Kids aber noch eifrig an der Choreografie feilen, damit sie in Dresden dann richtig sitzt. Etwa 20 Jugendliche üben ihre Schritte und Moves zur hämmernden Musik aus den Boxen in der Halle ein. Über den Titel sind noch einmal viele Jugendliche auf das Jugendzentrum aufmerksam geworden, zur Jewrovision werden wohl über 50 Leute aus Hamburg die Elbe hinunter reisen.

Über Zuspruch freut sich Levinsky be­sonders. »Wir versuchen immer, alle Ressourcen hier zu nutzen«, erzählt der Coach. Das heißt auch: viel Improvisation und viel Do‐it‐Yourself. Das Schöne sei aber, dass wirklich jeder in der Gemeinde bereit sei, mitzuhelfen.

Und Levinsky, der bei der Jewrovision 2011 selbst moderierte, hat noch einen Tipp für Benjamin, den Jung‐Moderator. »Benny sollte einfach er selbst bleiben. Es ist eigentlich so, als ob man ein Riesenmachane leitet: eine Show mit 2000 Familienmitgliedern, die alle Lust haben auf die Jewrovision!«

www.jewrovision.de

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