Düsseldorf

Die Herzen der Jury erobern

Vor der Spiegelwand: Jeder Riff muss sitzen. Foto: Daniel Roth

Es ist kein Zufall, dass sich die Besucher des Düsseldorfer Jugendzentrums seit einigen Wochen im Schulzentrum treffen. Hier wird gelernt. Keine bunten Poster oder Fähnchen an den Wänden, dafür Wiederholung um Wiederholung – und die große Prüfung ist nah: Beim Jugendzentrum Kadima bereitet man sich auf die Jewrovision vor, den großen Gesangs- und Tanzwettbewerb.

Aus allen Teilen der Republik werden Tänzer, Sänger und Musiker nach München fahren, um vom 1. bis zum 3. März um den Titel zu kämpfen. Den hat auch die 22-jährige Irina Kazakov im Blick. Doch noch vermittelt sie den Jugendlichen in ihrer Gruppe vor allem eines: Spaß.

Präsentation 2007, als der große Wettbewerb in Dortmund stattfand, war Irina noch Mitglied der Gemeinde im östlichen Ruhrgebiet. Sie war zwar nicht im Jewrovision-Team, das am Wettbewerb teilnahm, stand aber dennoch auf der Bühne. »Vor der Show gibt es immer eine Einführung, in der sich die Stadt des Gastgebers präsentiert. Für diesen Teil war ich zuständig«, erzählt sie.

Inzwischen ist Irina wegen des Studiums nach Düsseldorf gezogen. »Hier habe ich Jean Bernstein, den Jugendleiter, getroffen, der ja auch aus Dortmund kommt. Ich habe dann angeboten, beim Jewrovision-Auftritt zu helfen, weil mir das Tanzen einfach furchtbar viel Spaß macht.«

Volkstänze, Modern Dance, Standard – Irina bringt viele Einflüsse mit, die auch in München zu sehen sein werden, wenn dasTeam vom Jugendzentrum Kadima auf die Bühne kommt. Kein Teilnehmer möchte vor dem großen Auftritt verraten, wie der eigene Beitrag aussehen wird. Doch ein paar Einblicke gewährt Irina dann doch.

Motto »Das Motto der Jewrovision lautet in diesem Jahr ›The Future is Now‹. Es geht also um aktuelle Themen. Es gibt viele Dinge, die das Judentum derzeit betreffen – von Israel bis zur Beschneidungsdebatte hier in Deutschland«, erklärt die Tänzerin. »Was wir jetzt machen, wird uns auch in der Zukunft verfolgen, das wird auf unsere Kinder und Enkelkinder wirken. Das wollen wir auch in unserem Beitrag während der Jewrovision zeigen.«

Obwohl ein Gesangs-Coach die Fähigkeiten der Düsseldorfer noch aufpolieren wird, setzt Irina Kazakov natürlich besonders auf ein Ausdrucksmittel: den Tanz. Und der dürfe nicht so aussehen, dass die Gruppe einfach in einer Reihe steht und eine Choreografie abliefert. Das sehe doch aus wie eine Sportveranstaltung, sagt die Trainerin.

»Man muss den Tanz spüren, ihn leben und Spaß dran haben. Was man tanzt, sollte man auch glauben. Und ohne Ausstrahlung kann man so gut bewegen, wie man will, es bringt nichts. Wir wollen in die Herzen der Jury.«

fast professionell Da kommt es ihr gerade recht, dass sie sich bei den meisten Teilnehmern nicht mehr um die Grundlagen der Schritte kümmern muss. Viele seien schon fast professionell, lobt Irina Kazakov. »Es ist super, sie einzusetzen, weil man ihnen kaum etwas beibringen muss.«

So hielt sich die Gruppe bis zur Verkündung des Jewrovision-Mottos einfach nur fit, um dann aber nach der Bekanntgabe gleich inhaltlich zu arbeiten. Recht spät sei das Motto bekannt geworden, sagt Irina. Und dann seien da noch die Abiturprüfungen, die für viele Schülerinnen und Schüler des Teams vor der Tür stünden. »Aber wir schaffen das schon.«

Gleich in ihrem ersten Jahr als Choreografin des Düsseldorfer Jugendzentrums hat die Studentin große Ziele, sie möchte gewinnen. »Soll ich mit der Einstellung reingehen, dass wir nicht gewinnen?«, fragt Irina. Trotzdem soll der Düsseldorfer Beitrag nicht zu bombastisch werden.

»Ich denke, dass manchmal weniger mehr ist. Man muss nicht zehn Sänger, besonders tolle Kostüme und ein Feuerwerk haben«, erklärt sie. Die Kinder und Jugendlichen sollten eigene Ideen einbringen und mit vollem Einsatz hinter dem Beitrag stehen. »Wenn die Jury dann sieht, dass sie das, was sie machen, mit ganzem Herzen darstellen, dann können wir vielleicht auch gewinnen.«

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