Porträt der Woche

Die Gastgeberin

Chana Bennett organisiert Veranstaltungen in der Kölner Gemeinde

von Matilda Jordanova-Duda  03.12.2012 18:24 Uhr

»Ich kann mir die Arbeitszeit relativ flexibel einteilen«: Chana Bennett (44) zu Hause Foto: Alexander Stein

Chana Bennett organisiert Veranstaltungen in der Kölner Gemeinde

von Matilda Jordanova-Duda  03.12.2012 18:24 Uhr

Mein Tag fängt um sechs Uhr an und endet oft um Mitternacht. Ich erziehe meine drei Mädchen im Alter von 15, 12 und 10 Jahren allein. Seit ein paar Monaten bin ich außerdem Eventmanagerin in der Kölner Gemeinde. Viel Raum für anderes bleibt da nicht. Aber das ist okay. Ich habe ein ausgefülltes Leben und bin dankbar dafür.

Meine Vorgängerin ist nach Berlin gezogen, und ich habe mich auf diese Stelle beworben, weil sie gut zu mir passt. Ich bin unheimlich gern mit Menschen zusammen und tausche mich mit ihnen aus. Deshalb habe ich nicht das Gefühl, das ist nur Arbeit, nur Stress, auch wenn ich abends oft auf Veranstaltungen bin.

Meine Zielgruppe sind die 22- bis 45-Jährigen, etwa Studenten und junge Familien. Für sie organisiere ich Stadtführungen, Museumsbesuche, auch mal nur eine Party. Ich möchte gern eine Theater-, eine Tanz- und eine Jiddischgruppe gründen. Generell sind meine Veranstaltungen auf Deutsch. Die Zielgruppe ist größtenteils in Deutschland aufgewachsen, auch wenn die meisten aus der ehemaligen Sowjetunion stammen. Doch das ist selten ein Thema. Im Vordergrund stehen Familie und Beruf.

Ich selbst bin in Deutschland aufgewachsen. Nach meiner Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin und dem Studium von Deutsch, Französisch und Volkswirtschaft habe ich mit meiner Familie zwölf Jahre in Jerusalem gelebt. Dort habe ich als Lehrerin gearbeitet und nebenbei einen kleinen Onlineshop für Judaika betrieben. Aus familiären Gründen bin ich nach Köln zurückgekehrt.

ideen Als Eventmanagerin setze ich meine eigenen Ideen um. Ich frage aber auch die Gemeindemitglieder, woran sie Interesse haben. Ich bin schon früher in der Gemeinde ehrenamtlich aktiv gewesen und habe ein paar Mal Schiurim zu Themen gegeben, die mich interessieren. Da habe ich gesehen, wo der Bedarf liegen könnte. Ich beobachte viel, gehe auf die Leute zu. Manche kommen auch auf mich zu mit ihren Anregungen. Doch nicht alles ist machbar.

Zurzeit bin ich etwas im Stress, weil ich meinen ersten Familien-Schabbat organisiere. Am Sonntag geht es dann weiter mit dem ersten Eltern-Kind-Treff. Zuerst wird es ein Theaterstück geben. Da es für Kleinere ist, dauert es nur 15 bis 20 Minuten. Ein paar Jugendliche und Kinder machen mit. Das Stück heißt Die Bruderliebe und ist eine alte jüdische Geschichte über den Bau des Tempels auf dem Berg Moria. Es geht um zwei Brüder, die sich gegenseitig unterstützen, füreinander da sind – und es geht auch darum, dass man im Leben eine Familie, eine Gemeinschaft aufbaut. Deshalb werden die Eltern und Kinder nach der Vorstellung Häuser aus Ton basteln und daraus eine Stadt bauen. Das habe ich extra als erstes Thema gewählt, weil es so gut zum Monat Kislew passt.

Das Theaterstück hat übrigens auch eine Rahmenhandlung: Drei Kinder besuchen eine alte Dame, Frau Honig, die ihnen immer Geschichten erzählt und Kuchen backt. Frau Honig hat also gerade den Kuchen in den Ofen geschoben, und bis der fertig ist, erzählt sie die Geschichte von den zwei Brüdern. Zum Schluss verteilen die drei Kinder den Kuchen an die Zuschauer. Wenn das ankommt, wollen wir die Geschichten der Frau Honig fortsetzen.

Eltern und Kinder haben normalerweise sehr wenig Zeit, um etwas gemeinsam zu tun. Das weiß ich als alleinerziehende Mutter nur zu gut. Deshalb wollen wir den Familien die Gelegenheit geben, in unserem Rahmen einen Tag miteinander zu verbringen. Die Erwachsenen sollen sich dabei besser kennenlernen und austauschen.

Hinzu kommt, dass ich es genieße, mit Kindern etwas zu unternehmen. Das habe ich mit meinen Töchtern auch oft gemacht, in Israel noch häufiger als hier, weil ich da mehr Zeit hatte. Ich habe viel gebastelt, und wir waren oft gemeinsam in Museen und Nationalparks.

töchter Ich habe in der Gemeinde eine Teilzeitstelle und kann mir die Arbeitszeit relativ flexibel einteilen. Unter der Woche habe ich kaum private Termine nach Feierabend. Das fehlt mir auch nicht. Meine Mädchen sind mein Schatz, sie haben Priorität. Das Einzige, was ich gern noch hätte, wäre ein bisschen mehr Zeit für meine Freunde. Aber wir haben ja den Schabbat. Entweder werden wir eingeladen, oder wir laden Freunde ein. Dann sitzen wir zusammen, essen, singen und erzählen.

Ich finde den Schabbat besonders schön, weil er diesen Raum schafft, die Zeit, sich in Familie und unter Freunden intensiv miteinander zu beschäftigen. Unter der Woche gibt es so viel zu tun: Lernen mit den Kindern, ein Termin nach dem anderen, du musst das und du musst jenes ... Es ist sehr viel Muss, Muss, Muss. Am Freitagabend genieße ich unser »Schabbatspiel«: Wir erzählen uns der Reihe nach, was uns in der Woche Schönes passiert ist.

Als die Kinder ganz klein waren, haben wir damit angefangen: Das war die Nachtischgeschichte, dann gab es etwas Süßes dazu. Das hat sich bewährt, und wenn wir Freunde zu Gast haben, erzählt jeder mal eine Runde. Es ist nämlich nicht immer einfach, sich die angenehmen Momente der Woche in Erinnerung zu rufen. Manchmal sind es ganz tolle Geschichten, manchmal einfache, denn unser Leben besteht aus vielen Kleinigkeiten, die wir oft nicht wahrnehmen. Bei diesem Ritual wird man sich bewusst, wie viele schöne Kleinigkeiten es eigentlich gibt.

Diese Woche werde ich von zwei wunderbaren Erlebnissen erzählen. Ich hatte zwei Veranstaltungen, die sehr gut gelaufen sind: Das hat mich so gefreut! Manchmal organisiert man Sachen, und dann kommt alles anders. Zunächst einmal werde ich von der Heinrich-Heine-Stadtführung erzählen. Die wenigsten assoziieren Heine mit Köln, dabei war es eine seiner Lieblingsstädte. Orte und Persönlichkeiten aus Köln kommen in seinen Gedichten und Liedern oft vor. Wir hatten einen Schauspieler als Stadtführer, er hat vieles vorgetragen und über das Köln zu Heines Zeit erzählt.

Die zweite gute Sache war der Tanz-Workshop. Es hatten sich 20 Leute angemeldet, doch letztlich waren nur acht gekommen. Doch die waren sehr begeistert und hatten so einen Spaß, dass wir den Workshop nochmal anbieten wollen.

Nun stehen die Chanukka-Vorbereitungen an. Wir planen einen Brunch für junge Leute bei uns, und in Düsseldorf organisiere ich eine große Chanukka-Party mit. Außerdem machen wir auf der Open-Air-Eisfläche im Kölner Zentrum »Chanukka on ice«: Wir treffen uns an einem Abend zum Schlittschuhlaufen, und danach werden Kerzen angezündet. Vielleicht gibt es auch warmen Punsch.

koscher sushi Und danach habe ich den letzten Teil von meinem Crash-Kurs Kosher. Ich gebe ihn nicht, sondern organisiere ihn lediglich. Zum Zubereiten von koscherem Sushi erwarte ich 30 Leute. Wir essen es dann gemeinsam an einem mit Kerzen und Blumen gedeckten Tisch.

Langfristig kann ich im Moment nicht planen, weil ich sehr eingebunden bin. Wenn die Kinder einmal aus dem Haus sind, dann fängt ein neuer Lebensabschnitt an. Mal sehen, das dauert nicht mehr lange. Meine Älteste macht in zwei Jahren Abitur. Danach will sie auf jeden Fall ein soziales Jahr in Israel machen oder zum Militär gehen. Später will sie in Amerika oder England studieren. Sollten die Kinder ins Ausland gehen, will ich sie natürlich so oft wie möglich besuchen. Ich bin immer gern gereist und würde es dann wieder öfter machen.

Aufgezeichnet von Matilda Jordanova-Duda

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