Hamburg

Der vergessene Silberschatz

In der jüdischen Gemeinde Hamburg freut man sich über einen überraschenden Fund. Bei Aufräumarbeiten im Keller der Synagoge stießen Mitarbeiter Ende März auf einen Silberschatz. 24 Kunstgegenstände, die ehemals in den Synagogen von Hamburg und Altona in Gebrauch waren, lagerten dort seit Jahrzehnten in Kartons versteckt und vergessen.

Es sind wahre Schätze, die da zutage befördert wurden, denn der Wert der Gegenstände bemisst sich auf einen sechsstelligen Eurobetrag. Es existieren in Deutschland nicht mehr viele vergleichbare Stücke, erzählt Vorstandsmitglied Ulrich Lohse: »Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges gab es eine reichsweite Silbersammlung – also Enteignung. Die Silberstücke der Synagogen wurden eingeschmolzen.«

Raritäten Einige Stücke von besonderem Seltenheitswert sammelte die Mäzenin Elsa Eßberger. So kamen sie in Hamburger Museen statt in den Schmelzofen. Für die Katalogisierung und Verwaltung war damals der Kunsthistoriker Carl Schellenberg zuständig, der auch die Rückerstattung der Gegenstände vornahm. Die Stücke, die nicht an Erben zurückgegeben werden konnten, verblieben im Museum, bis sie dann 1950 an die Gemeinde weitergereicht wurden. Insofern ist der Hamburger Fund eine echte Rarität und ein Glücksfall für die Gemeinde.

Es sind silberne Tora-Kronen mit Glöckchen und -Schilder, die da aus den Kartons befördert wurden. Eines der schönsten Fundstücke ist ein Tora-Schild, auf dem am unteren Rand das Hamburger Wappen eingraviert ist. Die Silbersachen sind allesamt Gebrauchsgegenstände aus den alten Hamburger Gemeinden und zum Teil zwischen 350 und 400 Jahre alt. Vermutlich gehörten sie größtenteils der portugiesisch-jüdischen Gemeinde in Altona, die dann als Teil des umstrittenen Schellenberg-Silbers an die Gemeinde zurückgegeben wurden.

Eigentum Offenbar wusste die Gemeinde von den Gegenständen, nur habe man offensichtlich nicht ihren Wert erkannt, meint Lohse. Ein Verkauf der wiederentdeckten Artefakte zur Sanierung des Gemeindehaushaltes kam nie infrage, sagt er, da es sich um Objekte handele, die alle einen direkten Bezug zu Hamburg und zur jüdischen Geschichte der Stadt hätten.

Die Herkunft der einzelnen Stücke wird nun mithilfe von kunsthistorischen Beratern geklärt. Lohse ist zuversichtlich, den historischen Werdegang genau nachvollziehen zu können: »Zum Glück haben wir in Hamburg ein hervorragendes Archiv, das nicht im Krieg zerstört wurde. Es handelt sich aber definitiv um Stücke aus Gemeindebesitz, sodass es keine Kollision von Besitzverhältnissen geben wird.«

Reemtsma Viele der Gegenstände sind nach der langen Lagerung in einem sehr schlechten Zustand. Daher wandte sich die Gemeinde an die Reemtsma-Stiftung, die »sofort und freudig zusagte, uns zu unterstützen« und 30.000 Euro dafür bereitstellte.

Unter kunsthistorischer Beratung soll der Silberschatz nun mit ihrer Hilfe von einem fachkundigen Hamburger Silberschmied restauriert werden. Diese Arbeiten werden voraussichtlich etwa drei Jahre in Anspruch nehmen. Dann sollen die historischen Funde in Hamburg ausgestellt werden. Wie und in welcher Form das geschehen solle, müsse noch entschieden werden, sagt Lohse.

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