Erfurt

Der Lotse geht von Bord

Viel zu tun: Wolfgang Nossen an seinem Arbeitsplatz – wer wird sein Nachfolger? Foto: Peter Michaelis

Der Vorsitzende der Landesgemeinde Thüringen in Erfurt, Wolfgang Nossen, hat seinen Rücktritt angekündigt. Wann er aus dem Amt scheiden wird und wer Chancen hat, sein Nachfolger zu werden, verrät Nossen allerdings noch nicht. Er habe seine Vorstandskollegen mit der Nachricht, die er beim Chanukkaball im Erfurter Kaisersaal am 27. Dezember ankündigte, sehr überrascht.

Zu seinen Beweggründen sagt Nossen: »Man wird nicht jünger.« Am 9. Februar feiert er seinen 81. Geburtstag. Seine angeschlagene Gesundheit – dreimal in der Woche muss er sich einer Dialyse unterziehen – und die Bitte seiner Frau Elisabeth haben in ihm wohl die Entscheidung zur Amtsaufgabe in diesem Jahr reifen lassen.

Verdienste Er geht mit Sicherheit nicht mit leichtem Herzen, »auch wenn mir mein Amt nicht nur Freunde eingebracht hat«. Weiß man doch in Thüringen und jenseits seiner Grenzen, dass er mit Leib und Seele Vorsitzender war. Aber er wolle auch nicht am Schreibtisch sterben, sagt Nossen, der für sein Engagement Ende November mit dem Verdienstorden des Landes Thüringen ausgezeichnet wurde.

»Ich habe nicht gearbeitet, um dafür irgendwelche Auszeichnungen zu bekommen«, wehrt der Gemeindevorsitzende ab. Doch gleichzeitig merkt man ihm an, dass er für das, was er geleistet hat, auch die adäquate Anerkennung erfahren möchte, denn ohne ihn gäbe es die Gemeinde in dieser Form möglicherweise nicht. Nach dem Tod von Raphael Scharf-Katz übernahm Nossen 1995 den Vorsitz der Erfurter Gemeinde und hatte ihn seitdem ununterbrochen inne.

Erfahrungen Zwei Staatsvertragsabschlüsse fallen in diese Zeit, vier Ministerpräsidenten, die Zuwanderung der russischsprachigen Juden und zahlreiche Probleme. Er hat viele politische Erfahrungen gesammelt. Verhandlungsgeschick wünscht er auch seinem Nachfolger. Auf seine Verbindungen und Vernetzungen werde man sicherlich auch nach seinem Rücktritt zurückgreifen müssen, aber auch können. Dafür stehe er nach wie vor zur Verfügung.

Viel hat er aufgebaut und hofft nun, nicht den Verfall miterleben zu müssen, was ihm zwei Ministerpräsidenten, die ihn im Amt erlebt haben, hinter vorgehaltener Hand bereits vorausgesagt haben. Heute hat die Landesgemeinde rund 840 Mitglieder, 600 von ihnen leben in Erfurt. Dependancen gibt es in Nordhausen und Jena. Rund zwölf Todesfälle habe man im Jahr, und junge Leute und Schüler gibt es nur wenige. Die jüngeren gehen weg zum Studium oder »dorthin, wo sie bessere Arbeitsmöglichkeiten vorfinden«. Das heißt, dass die Gemeinde langsam überaltert.

Erwartungen Zumindest müsse sich sein Nachfolger nicht mit Separationsbewegungen befassen. Die habe es mal gegeben, seien aber heute vom Tisch, sagt Nossen. »Das könnten wir auch gar nicht finanzieren«, fügt er hinzu. Das meiste Geld ginge – trotz höher dotiertem Staatsvertrag – ohnehin für Lohnzahlungen drauf. »Die rechnen einfach anders als wir«, konstatiert er. »Aber rechnen wird der neue Vorsitzende können«, wenn es denn sein Wunschkandidat wird. »Bestimmen kann ich das nicht, es ist ja ein Wahlamt.«

Düsseldorf

Josef-Neuberger-Medaille für Grünen-Ministerin Mona Neubaur

Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit über 30 Jahren Menschen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit

 14.09.2026

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Berlin

Wahlkampfdebatte im Gemeindehaus

Die Jüdische Gemeinde lud anlässlich der bevorstehenden Wahl die Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch. Am Ende wurde mal wieder über Antisemitismusdefinitionen gestritten

von Debora Eller  10.09.2026

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026