Düsseldorf

Der letzte Cent vom Taschengeld

Vorbild: Die Schüler der Yitzhak-Rabin-Schule überreichen ihren Scheck.

Natanyel und Shlomi sowie Uma und Shon waren mächtig stolz. Zu Recht, denn die vier Klassensprecher der 1a und 1b der Düsseldorfer Yitzhak‐Rabin‐Grundschule konnten Monika Lenz einen Scheck in Höhe von 607 Euro überreichen.

Die Geschäftsführerin der Düsseldorfer Kindertafel war sichtlich überrascht und hocherfreut über die unerwartete Spendenhöhe sowie die damit bewiesene Solidarität, die die Abc‐Schützen gegenüber einer Vielzahl armer Kinder bewiesen, die im »reichen« Düsseldorf oftmals ohne Schulverpflegung auskommen müssen.

Gesammelt Exakt 307 Euro hatten die Schützlinge der Klassenlehrerinnen Annette Reum‐Mankartz und Natascha Dörner (die zugleich Schulleiterin ist) im Rahmen der Schabbatfeier vor den Chanukka‐Ferien gesammelt. »Da waren 10‐Cent‐Stücke dabei, die die Kinder von ihrem kleinen Taschengeld abgezweigt hatten«, sagte Jonathan Grünfeld, Lehrer an der Grundschule, doch »manche hatten auch höhere Beträge von dem Geld, das sie zu Chanukka bekommen hatten, gespendet.«

Die Idee, die Spende diesmal keiner jüdischen Initiative zukommen zu lassen, hatte das »Jüdische Team« der Yitzhak‐Rabin‐Schule, das aus zwei Lehrkräften für Religion sowie vier Lehrkräften für Hebräisch gebildet wird. »Die Kinder waren mit diesem Vorschlag sehr einverstanden«, erklärte Jonathan Grünfeld. Mit weiteren 300 Euro hatte der Vorstand der Jüdischen Gemeinde die Spende aufgestockt.

Die symbolische Scheckübergabe war in eine Schabbatfeier in der Anne‐Frank‐Bibliothek der Schule eingebunden. Die Feier wurde mit dem Lied »Hine Ma Tow« begonnen. Daraufhin wollten die Kinder ihrem Gast den Schabbattisch erklären, jedoch erzwang der enge Zeitplan eine Programmkürzung.

Solidarität Im Übrigen seien ihr jüdische Rituale aber nicht unbekannt, beschwichtigte Monika Lenz die Kinder, denn ihr Neffe sei mit einer Jüdin verheiratet. Nach dem Anzünden der Kerzen und dem »Schalom Alechem« sang ein Kinderchor: »Alle Kinder dieser Erde, alle brauchen unsere Liebe, lasst sie nicht allein«.

»Dieses schöne Lied ist eine ideale Überleitung zu unserer Arbeit«, kommentierte Lenz, die zunächst einen kurzen Abriss über das Entstehen der Düsseldorfer Tafel gab: Sieben Frauen waren es, die vor 17 Jahren begonnen hatten, sich gegen die Lebensmittelverschwendung auf der einen Seite und den Hunger unter armen Menschen auf der anderen zu engagieren.

Es ging darum, Lebensmittel aus Geschäften, die zwar noch genießbar waren, aber nicht mehr verkauft werden durften, zu Menschen zu bringen, die sie nicht kaufen können, weil ihnen das Geld dazu fehlt. »Mittlerweile werden in Düsseldorf 7.000 Menschen täglich über die Tafel mit Essen versorgt«, erklärte Lenz.

Kindertafel Vor drei Jahren startete dann das Projekt der Kindertafel. Hier geht es nicht darum, die bedürftigen Kinder direkt mit Lebensmitteln zu versorgen, sondern über Spenden die Kosten für deren Schulverpflegung zu übernehmen.

»Wenn Kinder Hunger haben, dann knurrt ihnen schrecklich der Magen, und sie können sich nicht auf das Lernen konzentrieren. Aber sie müssen lernen, damit sie klug werden, später einen Beruf haben und sich dann das Essen selber kaufen können«, erklärte Lenz auf für Kinder sehr anschauliche Weise den Hintergrund des Kindertafel‐Engagements.

2.000 Kinder an 23 Schulen erhalten derzeit durch die Mithilfe der Kindertafel eine gesunde Schulverpflegung. »Darüber hinaus werden auch schon mal in Ausnahmefällen die Kosten für Musikinstrumente oder eine Klassenfahrt übernommen, und zu Weihnachten wurden auch Pakete mit Geschenken verteilt«, ergänzte Lenz.

Fragen Gleichwohl drängte es die Schülerinnen und Schüler zu weiteren Fragen, schließlich wollten sie sehr genau wissen, was mit ihren Spenden passieren würde. »Woher wisst ihr denn, wo die armen Kinder wohnen?«, wollte Tom wissen, und Nikolai interessierte, wie man wirkliche Bedürftigkeit herausfinden könne.

Beeindruckt von dieser kritischen Ernsthaftigkeit erklärte die Chefin der Kindertafel, dass es eine enge Zusammenarbeit zwischen ihrer Initiative und den Lehrern gebe, die häufig sehr genau wüssten, bei welchen Familien das Geld knapp sei.

Zum Abschluss dankte Monika Lenz im Namen der Düsseldorfer Kindertafel nochmals den Kindern. Übereinstimmend sahen Lenz und Schulleiterin Dörner die Spende nicht nur als Zeichen der helfenden Solidarität, sondern auch als Symbol der Offenheit, denn gegenseitiges Kennenlernen sei eine wichtige Voraussetzung für gelebte Toleranz

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