Finanzen

Der Häuserkampf

Der Putz ist ab. Das Haus Oranienburger Straße 40/41 bleibt im Besitz der Gemeinde. Foto: Rolf Walter

Das Haus Oranienburger Straße 40/41 soll nicht verkauft werden. Das entschieden die Repräsentanten bei ihrer jüngsten Versammlung. Sie warfen dem Vorstand vor, das »Tafelsilber der Gemeinde« zu veräußern. Erst vor Kurzem sei die Immobilie durch hartnäckige Verhandlungen mit der Claims Conference in den Besitz der Jüdischen Gemeinde gekommen, erläuterte Finanzdezernent Jochen Palenker. Es sei stark sanierungsbedürftig, und die Einnahmen beliefen sich zwischen null und 30.000 Euro im Jahr. Die meisten Mieter hätten noch alte »Ost‐Verträge«, darum seien die Einnahmen so gering. Eine Sanierung würde die Gemeinde finanziell überfordern, weshalb es verkauft werden sollte, gab Palenker vor der Abstimmung zu bedenken. Der Wert werde derzeit auf 1,3 Millionen Euro geschätzt. Dennoch stimmten die Repräsentanten gegen die Veräußerung.

Vermögen Erst vor Kurzem hatte die Gemeinde die Immobilie Schönhauser Allee 22 verkauft. Für etwa 2,65 Millionen Euro wechselte sie den Besitzer. »Damit ist unsere Liquidität gesichert«, betont Palenker. Die Gemeinde sei »wieder flüssig«. Dennoch: Es werde mehr ausgegeben, als man einnehme, so der Finanzdezernent. In den vergangenen Jahren sei dadurch ein Verlust von 17,3 Millionen Euro entstanden. »Das Gemeindevermögen schrumpft.« Schließlich weise der Haushalt in den letzten Jahren regelmäßig ein Defizit auf. Noch vor wenigen Wochen musste die Gemeinde ein Kreditkonto über 750.000 Euro einrichten, um die Gehälter der Mitarbeiter rechtzeitig zahlen zu können. Durch die neuen Einnahmen müsse es nun nicht mehr in Anspruch genommen werden.

Das Haus Schönhauser Allee 22 war früher ein Altersheim für Juden. Der Kaufmann Moritz Manheimer (1826–1916) erwarb 1882 das Grundstück neben dem jüdischen Friedhof, um dort die Zweite Jüdische Versorgungsanstalt bauen zu lassen. In dem Altersheim für arme Juden durften diejenigen ihren Lebensabend verbringen, die das 60. Lebensjahr erreicht und mindestens 15 Jahre in Berlin gelebt hatten. Zwölf Heimbewohner zogen ein. Doch die Nachfrage war so groß, dass bald angebaut werden musste. Vier Jahre später war die erste Erweiterung fertig, 1892 der nächste.

1943 setzte der NS‐Staat die Bewohner und das Personal auf eine Transportliste. Sie kamen ins Konzentrationslager Theresienstadt und wurden in den Tod geschickt. Die Nazis übernahmen das Haus. Nach der Schoa zog die DDR‐Volkspolizei ein. Die Polizei nutzte es nach der Wende. Seitdem sie vor Jahren auszog, steht das Haus leer. Auch über diese Immobilie wurde in der Repräsentanz lange diskutiert. Erst als ein Mindestverkaufswert festgelegt worden war, erhielt der Vorstand grünes Licht. Bereits vor einem Jahr hatte die Gemeinde ihre Immobilien in der Crellestraße veräußert sowie in der Wilhelm‐Wolff‐Straße, wo das Kinderhospiz Sonnenhof untergebracht ist.

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