Hannover

Der Diplomat geht

Verabschieden Wolfgang Stichnothe (M.): Michael Fürst (l.), Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, und Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden Foto: Beate Rossbach

Einige der 84 Bewohnerinnen und Bewohner des jüdischen Seniorenheims Lola‐Fischel‐Haus in Hannover sind noch sehr rüstig und vor allem gut bei Stimme. Zur Feier der Verabschiedung ihres langjährigen Heimleiters Wolfgang Stichnothe gab der Seniorenheim‐Chor ein Mini‐Konzert in Bestform – mit »Hava Nagila«, »Hevenu Shalom Alechem« und anderen beliebten Melodien.

Zur Feier eingeladen hatte der Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen. Ihr Präsident Michael Fürst, bekannt für seinen Humor, begann seine Begrüßungsrede mit einem Bonmot: »Als mir Lola Fischel sel. A. damals mitteilte, sie habe Wolfgang Stichnothe zu ihrem Nachfolger als Vorstand des Trägervereins ausgewählt, dachte ich noch: Wie soll das gehen? Das kann der doch gar nicht!«

Anfänge Und Stichnothe selbst setzte in seiner Rede noch einen drauf: »An meinem ersten Arbeitstag als Heimleiter wusste meine Mitarbeiterin im Büro gar nicht, wie sie mich beschäftigen sollte, und brachte mir erst einmal die Tageszeitung.«
Gelächter bei den Anwesenden, Schmunzeln bei den Beteiligten, denn natürlich hat der studierte Städteplaner Wolfgang Stichnothe sich in die neue Funktion bestens hineingefunden: »Berufsbegleitend habe ich die Qualifikation zum staatlich anerkannten Heimleiter erlangt.«

Wolfgang Stichnothe hat in den Jahren seiner Tätigkeit, seit 1992 als Vorsitzender des Trägervereins und ab 2003 als Heimleiter, viel geleistet und sehr viel erreicht. Abraham Lehrer, Präsident der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) sowie Vizepräsident des Zentralrats der Juden, und Otto Drewes, langjähriger Weggefährte Wolfgang Stichnothes bei der ZWST, nennen dafür zahlreiche Beispiele.

Er kann mit Menschen umgehen, er kann mit Zahlen umgehen, sein Talent für Diplomatie und sein immer wieder bewiesenes Verhandlungsgeschick haben dazu beigetragen, dass das jüdische Seniorenheim in Hannover, das qualifizierte Pflege und Betreuung und ein freundliches, modernes Zuhause bietet, sich stets entwickelt hat. Es ist ein professionell arbeitendes, zertifiziertes Haus, das auf einer wirtschaftlich guten Basis steht und auch weiterwachsen kann.

Betreuungskonzept »Wir denken an Erweiterungen im Bereich Palliativbetreuung und betreutes Wohnen. Dazu müssen wir bauen und sind zum Beispiel in Grundstücksfragen auf eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt Hannover angewiesen, denn wir wollen natürlich gern die räumliche Anbindung an die Jüdische Gemeinde hier nebenan behalten. Daher freue ich mich sehr, dass Bürgermeister Thomas Hermann und unser Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne heute anwesend sind«, betont Wolfgang Stichnothe.

Große Stiefel also, in die sein Nachfolger Lars Helbsing nun steigt. Der gebürtige Hannoveraner, der Evangelische Theologie studiert sowie eine Heimleiterausbildung absolviert hat, freut sich, aus Hamburg wieder in seine Heimat zurückzukehren: »Es ist mir eine Ehre, von Ihnen, Herr Stichnothe, den Staffelstab der Heimleitung zu übernehmen.«

Stiftung Der Kontakt wird eng bleiben, denn seit Ende 2017 wird das Seniorenheim in Form einer neu gegründeten gemeinnützigen Stiftung verwaltet, in deren Vorstand Wolfgang Stichnothe sich auch zukünftig engagieren wird. Stichwort Zukunftspläne: Dazu kommt sein neuer Posten als Revisor der ZWST, und privat interessiert sich Stichnothe, so erzählt er, sehr für sein nun begonnenes Seniorenstudium an der Leibniz‐Universität in Hannover, wo er die Fächer Alte Geschichte und Geschichte der Landschaftsplanung belegt hat.

Und auch der persönliche Kontakt zum Lola‐Fischel‐Haus wird sicherlich eng bleiben, da eine seiner beiden Töchter, Sharon Stichnothe, seit Neuestem dort als »Ansprechpartnerin für Judentum und Assistenz des Rabbiners« tätig ist.

Ein schöner Abschied also, wie es Wolfgang Stichnothe selbst formuliert, untermalt von musikalischen Beiträgen der beiden Kantoren der Jüdischen Gemeinde, Andree Sitnow und Elija Schwarz, und gekrönt von einem fantastischen Imbiss aus der bekannt guten Küche des Lola‐Fischel‐Hauses. Sie hat in Hannover einen hervorragenden Ruf, denn sie kann unter dem Stichwort »Koscher Catering« auch für externe Events gebucht werden.

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