München

Chronist des Traums

Zeigten nach der Ausstellungseröffnung »Israels Schönheit in Liedern«: die Musiker Merav Barnea und Adi Bar Foto: Miryam Gümbel

Als nachdenkliche und zuhörende Frau zeigt eine Aufnahme des Fotografen Moshe Gross Israels frühere Ministerpräsidentin Golda Meir. Das während ihrer Amtszeit aufgenommene Foto gehört zu den eindrucksvollsten der Ausstellung, die vom 16. bis 27. Juni im Gemeindezentrum am Jakobsplatz zu sehen ist. Veranstaltet wird die Schau vom IKG-Kulturzentrum in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Leipzig und dem Generalkonsulat des Staates Israel für Süddeutschland anlässlich des 66. Geburtstages Israels.

Moshe Gross konnte der Ausstellungseröffnung selbst nicht beiwohnen, wurde aber durch seine Cousine Zofia und deren Mann Ron Jakubowicz vertreten. Präsidentin Charlotte Knobloch stellte Jakubowicz bei der Begrüßung als einen Mann vor, der in vielen Funktionen eng mit dem jüdischen Staat verbunden sei. Seiner Frau dankte sie dafür, »die fantastischen Bilder von Moshe nach München« geholt zu haben.

Ihr Gruß galt auch der Sopranistin Merav Barnea und dem Pianisten Adi Bar, die zur Ausstellungseröffnung ein Konzert unter dem Motto »Israels Schönheit in Liedern« gaben. 66 Jahre Israel – für Charlotte Knobloch verbindet sich damit der Wunsch, dass die Existenz des jüdischen Staates für alle freiheitlich-demokratisch gesinnten Menschen ein Grund zur Freude ist. »Israel«, betonte Knobloch, »ist der wahr gewordene Traum von einem Land, in dem jüdische Menschen als Juden frei – und hoffentlich dereinst auch in Frieden – leben können.«

Die Gründung Israels sei ein Wunder, an das die jüdische Gemeinschaft glaube. »Ein Wunder, das in Form des jüdischen Staates Realität wurde: Israel ist der gelebte Glaube an Demokratie und Freiheit. Israel, das ist ein gelebter Traum.«

mut Zwei Menschen, die zum Gelingen dieses Traums beigetragen haben, sind David Ben Gurion und Golda Meir – beide sind auch auf den Fotos der Ausstellung zu sehen. Charlotte Knobloch zitierte Kernsätze beider. Ben Gurion sagte: »Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.« Und Golda Meir erklärte: »Ich glaube, für alle Menschen in der Welt ist es das Wichtigste im Leben, den Mut zu großen Träumen aufzubringen.«

Damit verband Knobloch den Wunsch an die Besucher der Ausstellung, sich von diesen Gedanken und den Bildern inspirieren zu lassen. Denn, so betonte sie: »Israel – das ist Religion. Das ist Glauben. Das ist Weisheit. Das ist Modernität, Innovation, Lebensfreude, Hoffnung und Menschlichkeit. Israel ist das Sinnbild dafür, dass es sich lohnt, an Träumen festzuhalten. Dass es sich lohnt, an Wunder zu glauben.«

Wie sich dieser Traum erfüllte, das zeigen die Fotos von Moshe Gross. Sie führen vor Augen, wie hart die Menschen am Aufbau dieses Landes gearbeitet haben. 1925 in Leipzig geboren, kam Gross 1934 mit seiner Familie nach Palästina.

In Haifa, wo er heute noch lebt, studierte er am Technion Werkzeugschlosserei, Elektrotechnik und Optik. Seine große Leidenschaft aber war die Fotografie, die schließlich sein Beruf mit dem eigenen Studio »Keren Or« wurde.

anfänge Mit seiner Kamera hielt Gross über sechs Jahrzehnte die Entwicklung des Staates Israel fest. Die Ausstellung im Gemeindezentrum zeigt insbesondere die Anfänge des Landes – landwirtschaftliche Projekte ebenso wie erste industrielle Anlagen. Zu kurz kommen dabei aber auch keineswegs Natur und Menschen des Landes.

Ron Jakubowicz überbrachte am Eröffnungsabend die Grüße von Moshe Gross, der gerne gekommen wäre, aber aus gesundheitlichen Gründen nicht dazu in der Lage war. Im Namen von Gross dankte Jakubowicz der Leiterin des Kulturzentrums, Ellen Presser, dass sie sich nach der Ausstellung in Leipzig für die Präsentation in München eingesetzt hatte.

Konzert Dass Israel an diesem Abend mit allen Sinnen erlebt werden konnte, dazu trug auch das Konzert der israelischen Musiker Merav Barnea und Adi Bar wesentlich bei.

Die Sopranistin Barnea studierte von 1992 bis 1996 an der Israel Rubin Academy of Music und an der Tel Aviv University bei Professor Tamar Rachum. Danach absolvierte sie ein Studium bei Professor Ingrid Figur an der Hochschule der Künste Berlin.

Nach ihrem Debüt am Tel Aviver Opernhaus hatte die mehrfach ausgezeichnete Künstlerin Engagements auch an deutschen Bühnen.

Die Vielfalt ihres Repertoires und ihre beeindruckende Stimme wurde kongenial von Adi Bar am Piano unterstrichen. Er absolvierte seine Klavierausbildung an der Jerusalem Academy of Music sowie an den Hochschulen in Berlin und Karlsruhe. Sein Solistenexamen legte er in Madrid ab. Dass die Liedgestaltung zu den Fachgebieten des international ausgezeichneten Musikers zählen, bewies der viel bejubelte Auftritt der beiden im Hubert-Burda-Saal.

Thüringen

Erfreuliche Bilanz der Jüdisch-Israelischen Kulturtage

Das Festival stand unter dem Motto »Modernes Israel« und bot mehr als 100 Veranstaltungen

 18.11.2019

Köln

Die Erinnerung begleitete sie ein Leben lang

Das NS-Dokumentationszentrum zeigt in einer Ausstellung das Schicksal von Kindern im KZ Auschwitz

von Johannes Senk  15.11.2019

Einspruch

Wir füllen das Haus mit Leben

Arthur Bondarev sieht nach der Synagogen-Eröffnung in Konstanz die Zukunft kleiner Gemeinden positiv

von Arthur Bondarev  14.11.2019

München

Wien, Lebensschau, Revolution

Meldungen aus der IKG

 14.11.2019

Ausstellung

Neue Heimat

»¿¡Angekommen!?« widmet sich zugewanderten jüdischen Künstlern

von Gerhard Haase-Hindenberg  14.11.2019

Dortmund

Andenken an Max Girgulski

Fußballmuseum erhält Trikot vom Meister 1936

 14.11.2019