Düsseldorf

Brücke nach Israel

Prüfender Blick auf die neue Tasche Foto: Alexandra Roth

Wann gibt es endlich wieder einen WIZO-Basar in Düsseldorf? Das bin ich in den letzten Monaten immer wieder gefragt worden», erzählt Anja Adirim, seit 2009 sehr rührige und impulsgebende Vorsitzende der Düsseldorfer WIZO-Gruppe. Die Unruhe wuchs, ebenso wie auch der Gestaltungswille. Am Sonntag war es endlich so weit.

Bereits bei der offiziellen Eröffnung war der Leo-Baeck-Saal der Gemeinde in der Zietenstraße mit knapp 300 Besuchern gefüllt. Selbst vom Wetter und den erstmals winterlichen Temperaturen in diesem Jahr ließen sich die zahlreichen Gäste nicht abhalten. Insgesamt dürften im Laufe des Nachmittags wohl 500 Besucher den Weg zum WIZO-Basar gefunden haben, darunter auch beachtlich viele jüngere Besucher und zahlreiche Kinder.

Gemeinschaft Die Reden von Limor Sweid, Anja Adirim, der WIZO-Ehrenvorsitzenden Diana Schnabel sowie von Vera Geisel, Ehefrau des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Thomas Geisel, nahmen immer wieder Bezug auf die eigene Geschichte. Alle betonten das Gefühl der Gemeinschaft wie auch der sozialen Verantwortung für eine friedlichere gemeinsame Zukunft. Vera Geisel unterstrich ihre enge Verbundenheit mit WIZO wie auch mit der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf: Ihre beiden ältesten Töchter haben die seit 21 Jahren bestehende Düsseldorfer Yitzhak-Rabin-Grundschule besucht.

Diana Schnabel erinnerte an die eigene, bis in das Jahr 1960 zurückreichende Geschichte, die vor allem von der damaligen WIZO-Präsidentin Helen Israel geprägt worden sei: «Wir stehen für geballte Frauenpower!», bemerkte Schnabel unter viel Beifall. Sie sei hoch erfreut, dass die lange Tradition des Basars nun nach elf Jahren Unterbrechung wieder realisiert worden sei und so viel Zuspruch gefunden habe. «In den zurückliegenden Tagen und Wochen hat in den WIZO-Familien ein Ausnahmezustand geherrscht», so groß sei die Anspannung, Belastung, aber auch die Vorfreude gewesen.

Young WIZO Anja Adirim hatte sich, gemeinsam mit vielen Mitstreiterinnen, darum gekümmert, dass die schöne Gewohnheit nicht abbrach. «Wir können hier in Düsseldorf auf eine 56 Jahre lange Tradition zurückblicken.» Heute habe die Düsseldorfer WIZO 120 Mitglieder, darunter 80 Aktive. Und auch die Young WIZO, also die Gruppe der 18- bis 35-Jährigen, zähle 35 Mitglieder – was man an den vielen Ständen deutlich wahrnehmen konnte: Zahlreiche junge Frauen trugen den Young-WIZO-Schriftzug auf ihren T-Shirts.

Unterstützt wurde der Basar durch die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Düsseldorf und natürlich auch durch die Düsseldorfer Gemeinde. Der Erlös aus dem Basar kommt dem Theodor-Heuss-Familienzentrum in Herzlija zugute. Dieses unterstützt in Israel unter anderem Opfer von Terroranschlägen und Opfer familiärer Gewalt. 5200 Jugendliche werden so gefördert, und täglich 900.000 Mahlzeiten für Juden, Muslime und Christen bereitgestellt. Dies sei ein großartiges Friedensprojekt. Zugleich sei es ein bedeutender Beitrag zur Festigung der Brücke zwischen Deutschland und Israel.

Im Mittelpunkt dieses Tages stand jedoch der sehr gut besuchte Basar, untermalt durch den Auftritt des Kölner «Teufelsgeigers» Igor Epstein. «Ich bin sehr stolz, dass ich auch am Jüdischen Gymnasium Düsseldorf Unterricht erteilen kann», bemerkte er nebenbei.

Spezialitäten Hier fand jeder etwas zu niedrigen Preisen. Besonderen Anklang fand das Buffet mit israelischen Spezialitäten, aber auch das umfangreiche Kuchenbuffet mit selbst gemachten Köstlichkeiten. Das israelische Restaurant «Die Kurve», Stände mit Kosmetika und Schmuck sowie mit israelischen Weinen fanden viel Zuspruch.

Nach der Stärkung besuchten viele Gäste den riesigen Kleidermarkt, der etwa ein Viertel der Fläche in Anspruch nahm: Auf den Tischen häuften sich Berge von Kleidern, neu und secondhand. Mancher verließ den Saal am Spätnachmittag mit prall gefüllten Tüten.

Und auch an die 1915 geborene Hedwig «Hedy» Hornstein, die die WIZO-Gruppe Düsseldorf als Schatzmeisterin und Ideengeberin geprägt hatte, wurde erinnert. In dem Film Ein Leben gegen das Vergessen erzählt sie über ihr Leben. Die Düsseldorfer WIZO-Aktivistinnen waren mit dem enormen Andrang und der gemütlichen Atmosphäre mehr als zufrieden. Bis zum nächsten WIZO-Basar werden wohl keine elf Jahre vergehen.

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