Duisburg

Boris ist König David

Challe backen und Theater spielen: Die Kinder gehen mit großem Ernst an die Sache. Foto: Alexandra Roth

Schon am frühen Morgen ist der Saal der Jüdischen Gemeinde Duisburg von glucksendem Lachen und dem Hallen flinker Schritte erfüllt. Rainer Besel steht in einer Gruppe von zwölf Kindern und macht mit ihnen ein kleines Abzählspiel. Noch ein bisschen muss er die Kleinen beschäftigen, die zum Feriencamp gekommen sind, denn im Hintergrund werden gerade die Tische mit Folie überzogen und bemehlt. Wenige Minuten später sind die Vorbereitungen abgeschlossen, und die Kinder stürmen hinüber. Besel, Schauspieler und Regisseur des Theaters »Kreuz & Quer«, kann sich einen Augenblick ausruhen.

»Wir studieren mit den Kindern ein Theaterstück über König David ein«, erzählt er. »Als Kind isst er besonders gerne die Challa seiner Großmutter. Später, als König, möchte er sie wieder essen, doch leider ist seine Großmutter schon gestorben. Deshalb macht er sich auf die Suche nach der besten Challa im Königreich«, erklärt Besel.

Begeisterung Prompt steht David auch schon neben ihm. Dieser David heißt Boris. Der Neunjährige hat seinen Teigzopf schon auf das Backblech gelegt und erzählt dem Regisseur stolz, wie schnell er gestern die Sätze für seine Rolle gelernt hat. Dass er auch noch in den Ferien Texte auswendig lernen muss, macht Boris nichts aus. Er hat einen guten Grund dafür: »Es gefällt mir, dass ich der König bin«, sagt er breit grinsend. »Und dass ich einen Thron habe!«

So euphorisch wie Boris seien die meisten Kinder während des Theaterprojekts, erzählt Besel. Mit großem Ernst seien sie bei der Sache. »Es ist eine Höchstleistung, sich das Stück innerhalb von vier Tagen anzueignen«, sagt er. Und sie schafften das ohne Probleme.

Offenes Angebot Viele von den Mädchen und Jungen haben den jüdischen Kindergarten oder die Religionsschule der Gemeinde besucht, erzählt Tanya Smolianitski, die das Projekt vonseiten der Gemeinde betreut. »Es ist aber kein Programm nur für jüdische Kinder«, betont sie. Das offene Angebot habe während der Herbstferien ein Kind ohne jüdischen Hintergrund angenommen.

Smolianitski freut sich über das Mädchen genauso wie über die bekannten Gesichter, die sie während des Feriencamps sieht. Schließlich sei es wichtig, die jüngsten Gemeindemitglieder möglichst durchgängig zu begleiten. »Es ist schön, wenn wir sie von der U3‐Gruppe bis zur Schule betreuen können.«

Düsseldorf

Zu Hause an Rhein und Ruhr

Knapper, präziser, jünger – die Jüdischen Kulturtage haben eine Wandlung vollzogen

von Annette Kanis  22.03.2019

Stuttgart

Wissenswertes Judentum

Rabbiner Berger stellte sein neuestes Buch vor – es dürfte auch Nichtjuden interessieren

von Heidi Hechtel  21.03.2019

Antisemitismus

»Jeder trägt Verantwortung«

Georg Eisenreich über Meldestellen und Lücken in der Strafverfolgung

von Helmut Reister  21.03.2019