Frankfurt

Blüten, Blätter und Gebinde

Meisterwerk der Blumenkunst: Wer diese Gestecke selbst machen möchte, muss handwerklich schon sehr versiert sein. Foto: Rafael Herlich

Wer Kinder hat und handwerklich nicht geschickt ist, sollte vor Schawuot rechtzeitig einen Blumenladen aufsuchen. Andernfalls droht Chaos. Denn traditionell feiern Kindergärten und Schüler das Wochenfest blumenkranzbeschmückt. Eltern, die auch nur ein einziges Mal am Vorabend oder Morgen von Schawuot irgendwo zwischen biegsamem Draht, Klebeutensilien, Blattgrün und Blüten einen Nervenzusammenbruch erlitten haben, sind im nächsten Jahr klüger.

Sie marschieren zur Floristin und bestellen ein Kränzchen – immerhin währt der Schmerz beim Bezahlen nicht so lang wie beim verzweifelten Basteln. Blumenschmuck gehört einfach zu diesem fröhlichen Fest wie das Lesen der Zehn Gebote, eine Nacht des Lernens, um die Tora und ihre Kommentare zu studieren, das Essen von milchigen Speisen und der Erntedank für die Erstlingsfrüchte der sieben Arten Israels.

Lernen Bei den Jüngsten der Gemeinde steht Letzteres im Vordergrund. »Wir vermitteln die Inhalte von Schawuot altersgerecht«, sagt Shira Malloy, Leiterin des Kindergartens Bereschit im Frankfurter Ostend. »Dass Weizen, Gerste, Weintrauben, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Datteln etwas Besonderes sind – das ist auch für Zweijährige schon begreif- und genießbar«, ergänzt Malloy. So gehen die Erzieherinnen mit den Kindern einkaufen, damit diese zumindest die Früchte kosten können.

Die Älteren bekommen auch die Geschichte von Moses auf dem Berg Sinai erzählt und begreifen dann endgültig, was da seit Neuestem im Foyer ihres Kindergartens hängt: Wer die Einrichtung betritt, blickt direkt auf eine Leuchttafel mit den Zehn Geboten. Wobei zehn Regeln für die Kleinen schon zu komplex sind: »Wir bringen vor allem die Gebote näher, die man Kindern auch in einfacher Form erklären kann und die sich auf unsere heutiges Leben und die Gemeinschaft im Kindergarten übertragen lassen«, erklärt Malloy.

Feiern An Schawuot selbst kommen die Kinder schick angezogen und blumenbekränzt in die Einrichtung. Das mitgebrachte Obst wandert in die selbst gebastelten Körbchen. Die Kinder feiern mit Tanz, Gesang und einem milchigen Picknick. »Beim Feiern geht es in erster Linie um die Freude und das Zusammengehörigkeitsgefühl«, erklärt die Kindergartenleiterin.

Das erleben auch die Schüler der Eingangs- und Grundstufe der Isaak-Emil-Lichtigfeld-Schule mit einem gemeinsamen Fest in der Schule. Zuvor haben sie im Unterricht nicht nur die Zehn Gebote, sondern auch die Geschichte von Ruth und David kennengelernt.

Die Älteren bauen bereits auf diesem Wissen auf und gehen einen Schritt weiter: Sie veranstalten eine Lernnacht. Auf der Isomatte im Klassenzimmer zuhörend und diskutierend in den neuen Tag zu starten ist gewiss ein Schawuot angemessenes Erlebnis. Und weil auch hierbei der Spaß natürlich nicht zu kurz kommt, können die Teenies auch an der Lernnacht des Jugendzentrums Amichai teilnehmen.

Eiskrem An den beiden Feiertagen sind die Krabbelstuben, Kindergärten und die Schule der jüdischen Gemeinde Frankfurt selbstredend geschlossen.

Damit das Lernen weiterhin positiv besetzt ist, veranstalten Chabad Lubawitsch und das Rabbinat Frankfurt gemeinsam eine Schawuot-Eiskrem-Party in der Westend-Synagoge (am 1. Tag von Schawuot, Mittwoch, 8. Juni, um 11 Uhr). Selbige gibt es auch im Altenzentrum der Gemeinde – weil die jüdischen Feste eben nicht nur für die ganz Jungen, sondern auch für die ganz Alten am idealsten über die Sinne wahrnehmbar sind.

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