München

Blau-weißes Wunder

Zeigten Flagge für Israel: das Jugendzentrum Neshama und die Kinder von Bnei Akiva Foto: Jürgen Eisenbrand

Am Dienstag vergangener Woche jährte sich die Staatsgründung Israels zum 66. Mal. Die Münchner Gemeinde feierte den Jom Haazmaut wie jedes Jahr ausgelassen und voller Freude im Hubert-Burda-Saal. »Die Gründung Israels ist ein Grund zum Feiern«, sagte Präsidentin Charlotte Knobloch zum Auftakt ihrer Rede. »Wir lassen nicht ab von unserem Traum, von unserem Land, in dem wir in Freiheit und in Frieden leben können. Wir glauben an dieses Wunder – und wir kämpfen für dieses Wunder. Am Israel chai!«

Bevor die vielen Hundert Gäste die Feier eröffneten, gedachten sie all derer, die bei der Verteidigung des Staates Israel ums Leben gekommen sind. »Wir gedenken ihrer und wir beten für die Heimkehr der vermissten israelischen Soldaten«, betonte Charlotte Knobloch. »Wir erinnern uns auch an die Zivilisten, die dem palästinensischen Terrorismus zum Opfer gefallen sind. Wir verneigen uns vor unseren Schwestern und Brüdern. Sie gaben ihr Leben für einen Traum, für den Glauben an ein Wunder.«

Erinnerung Bereits am Abend zuvor hatte der Verein Torah MiTzion München gemeinsam mit der IKG den Jom Hasikaron begangen – zeitgleich mit dem Ertönen der Gedenksirenen in Israel. Der Stillstand des Lebens dort in Erinnerung an die Opfer wurde per Video in das Münchner Gemeindezentrum übertragen.

Mit einem Gebet für die Gefallenen hatte auch Rabbiner Israel Meir Levinger den Jom Hasikaron in der Ohel-Jakob-Synagoge ausklingen lassen. In seiner kurzen Ansprache erinnerte er an die Zeit nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, den Holocaust und die Anfänge des jüdischen Staates. Als junger Mann hatte Rabbiner Levinger, dessen Eltern vor den Nazis aus München nach Palästina geflüchtet waren, die Verwirklichung des lang ersehnten Wunders selbst miterlebt. »Unsere Großeltern hätten sich einen eigenen jüdischen Staat nicht vorstellen können. Aber nach 2000 Jahren Sehnsucht hat sich dieser Traum endlich erfüllt«, so Levinger.

Diese Hoffnung, die in Erfüllung gegangen ist, besingt auch die israelische Nationalhymne Hatikwa. Ihr Ertönen war am Montagabend der Auftakt zu den Feierlichkeiten in der Kultusgemeinde. Auf der mit zahlreichen weiß-blauen Luftballons geschmückten Bühne trug Kantor Moshe Fischl das Lied vor, unterstützt von vielen Gemeindemitgliedern.

Traum Was Israel in den 66 Jahren seiner Geschichte bereits alles erreicht hat, daran erinnerte Charlotte Knobloch ebenfalls in ihrer Rede. Der Staat und seine Menschen hätten Herausragendes geleistet. Was niemand für möglich gehalten hätte, sei mit Gottes Hilfe Wirklichkeit geworden, unterstrich Knobloch. »All den Pessimisten und Unkenrufen zum Trotz, all den Miesmachern und den Hetzern werden die Menschen in Israel es beweisen, werden wir es beweisen: Israel ist ein Wirklichkeit gewordener Traum, ein Wunder!«

Dieses Wunder wurde dann gemeinsam im Hubert-Burda-Saal gefeiert. Dass die Rahmenbedingungen der Party stimmten, dafür hatte wieder einmal besonders Anat Rajber gesorgt, der Knobloch herzlich dankte. An festlich gedeckten Tischen nahmen die Gäste im Saal Platz, im Foyer waren kleine Stehtische aufgestellt. Dort war auch ein großes Buffet unter dem Motto »So schmeckt Israel« aufgebaut, an dessen zum Teil in blau-weiß gehaltenen Köstlichkeiten sich jeder bedienen konnte.

Die Farben Israels waren darüber hinaus auch nicht nur auf der Bühne und im sich ständig wechselnden Lichtspiel der Saalbeleuchtung präsent. Blau und Weiß waren auch als Dresscode vorgegeben, dem einige Gäste gern nachkamen. Viele Blicke zog ein Mann im weißen Anzug, weißen Hut und einer blauen Krawatte mit Davidsternen auf sich. Seine Frau hatte sich ebenfalls ganz in den Farben Israels gekleidet.

Beifall Davidsterne waren auch auf den vielen Flaggen zu sehen, mit denen die Kinder von Bnei Akiva und des Jugendzentrums Neshama einen Tanz aufführten. Sie bekamen ebenso begeisterten Beifall wie der Chor der Sinai-Schule, der die Gäste mit hebräischen Liedern unterhielt. Als die »besten Botschafter der israelischen Musik«, wie sie in der Einladung angekündigt waren, ließ schließlich das Gesangs-Quartett »Habibi« die Zeit vergessen.

In Israel sind die Musiker aus Fernsehen und Rundfunk bekannt. Shlomit Aharon, Kiki Rotstein, Ami Mandelman und Moshe Simantov haben mit ihrer Band im Laufe ihrer Karriere mit mehr als 3000 Auftritten ihre Zuhörer begeistert – so auch an diesem Jom-Haazmaut-Abend in München. Mit ihren Melodien und Liedern rissen die Stargäste aus Israel das Münchner Publikum mit.

Zum Feiern mit israelischer Musik gehört immer auch das Tanzen, nicht nur im Gemeinderestaurant Einstein, wo die Gruppe Rikudei Am mit Matti Goldschmidt entsprechende Tänze aufführte. Auch vor der Bühne drängten sich auf der Tanzfläche im Hubert-Burda-Saal immer mehr Menschen – zu Paartänzen und zur obligatorischen Hora.

torte Bei so viel guter Stimmung wurde dann zu später Stunde unter den staunenden Blicken der Gäste eine fünfstöckige Geburtstagstorte in den Saal gefahren – freilich auch sie in den Farben Blau und Weiß. Charlotte Knobloch schnitt sie gemeinsam mit dem israelischen Generalkonsul Dan Shaham an.

Gut gestärkt durch die süße Köstlichkeit feierten die meisten Gäste noch bis Mitternacht, nicht wenige Unermüdliche sogar noch darüber hinaus.

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