Verbindung

Beter im Netz

Synagogen-Surfen: Die meisten Berliner Bethäuser haben inzwischen eigene Internetseiten. Foto: imago / (M) Frank Albinus

Wer bringt einen Salat mit zum Kiddusch? Wann beginnt der Gottesdienst? Welcher Kantor übernimmt die Urlaubsvertretung? Fragen wie diese lassen sich meist per Mausklick klären: Viele Berliner Synagogen unterhalten eigene Webseiten. Das ist nicht selbstverständlich, denn auch die Gemeinde unterhält ein Internetangebot. Dort sind Zeiten der Gottesdienste ebenso zu finden wie Adressen und Informationen zum Thema Kultus. Zudem verschickt die Gemeinde die Zeitschrift »jüdisches berlin« an ihre Mitglieder, in der über die Gottesdienste informiert wird. Allerdings sind die Informationen auf den Synaogen-Webseiten oft ausführlicher und aktueller, denn sie stammen von den Organisatoren selbst. »Synagogen, die keine eigene Website unterhalten wollen, können mit einfachen technischen Mitteln aktuelle Informationen auf unsere Website einstellen«, sagt Maya Zehden, Pressesprecherin der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

Mit eigenen Seiten präsentieren sich die Betergemeinschaften von Pestalozzistraße (www.synagoge-pestalozzistrasse.de) und Hüttenweg (www.sukkat-schalom.de), von Oranien-
burger Straße (www.or-synagoge.de) und der Rykestraße (www.synagoge-rykestrasse.de) im Netz. Die Synagoge Joachimstaler Straße unterhält zwar keine eigene Seite, versorgt ihre Beter aber per Newsletter kurz vor dem Schabbat mit Informationen zu Gottesdienstzeiten, Zeiten fürs Kerzenzünden und erbaulichen Betrachtungen. Fast von selbst versteht sich, dass Synagogen eigene Seiten ins Netz stellen, die nicht zur Einheitsgemeinde gehören: so die Betergemeinschaft Lev Tov (www.lev-tov.org), Chabad Lubawitsch (www.chabadberlin.de) und die Lauder-Stiftung (www.lauderyeshurun.de).

Mail »Beinahe wichtiger als unsere Website ist unser E-Mail-Verteiler«, sagt Gesa Ederberg, Rabbinerin der Synagoge Oranienburger Straße. Der dient nicht nur als Informationsmedium, sondern auch zur Verständigung bei offenen Fragen. Rabbinerin Ederberg hat die ständigen Beter zum Beispiel per E-Mail gebeten, ihre jüdischen Namen an die Synagoge zu mailen. Der Rücklauf kam prompt. So müssen die Gabbaim vor dem nächsten Toraaufruf nicht erst fragen: »Wie heißt du?« Die Synagoge unterhält zudem eigene E-Mail-Verteiler für Bar- und Batmizwa-Kandidaten, für Menschen im Konversionsprozess, für das Team aus Gabbaim, Rabbinerin, Kantorin und Sekretärin. Kinder, die noch keine hebräischen Buchstaben beherrschen, lernen sie übers Internet und können mit Audiodateien ihre Aussprache überprüfen. »Das Internet gilt nicht mehr als besonders schick«, sagt Rabbinerin Ederberg. »Aber auf Internetangebote zu verzichten, wäre ein Nachteil.« Regelmäßg nehmen Beter der Synagoge an Internetkursen zum Thema Schabbat der Jewish-Legacy-Foundation teil. Mit dem Computer verfolgen sie Powerpointpräsentionen, per Telefon hören sie gleichzeitig den Vortrag. Zwischenfragen lassen sich bequem über eine Chatfunktion stellen.Wie in jedem guten Klassenzimmer kann man auch mit dem Nachbarn quatschen: Die Privat-Chat-Funktion macht es möglich.

Netzwerk Seit Kurzem unterhält die Synagoge Pestalozzistraße auch eine eigene Facebook-Gruppe. Jeder Nutzer kann Mitglied werden und Neuigkeiten aus der Synagoge erfahren, Kontakt mit anderen Beterinnen und Betern aufnehmen, Ideen oder Anregungen zur Diskussion stellen oder auf Veranstaltungen hinweisen. Wer bei Facebook mit anderen kommunizieren möchte, muss Informationen zu seiner Person eingeben.

Auch Chabad Lubawitsch unterhält eine Facebook-Gruppe. Zudem twittert die chassidische Organisation und schreibt Beterinnen und Beter per SMS an. Sie erhalten Hinweise auf die wöchentlichen Toraabschnitte, Zeiten von Kerzenzünden und Gottesdienstbeginn, zudem Hinweise auf Besonderheiten im Gottesdienst, etwa bei Neumond. Für Technikkritik hat Rabbiner Schmuel Segal wenig übrig und beruft sich auf einen Ausspruch von Rabbi Menachem Schneerson, den Gründervater von Chabad Lubawitsch. Alles, was in der Welt sei, könne dazu dienen, uns zu besseren Menschen zu machen.

Rabbinerin Gesa Ederberg sieht zwischen Judentum und Internet eine Verbindung besonderer Art. Denn Hyperlinks, Querverweise und Vielstimmigkeit gebe es schon in der rabbinischen Literatur. »Der Talmud ist wie das Internet«, sagt sie.

 

Münster

Jüdische Gemeinde wehrt sich gegen israelfeindliche Kundgebung

Gemeindechef Fehr: »Die Antizionisten wollen israelfeindliche Stereotype im öffentlichen Bewusstsein festigen«

 24.07.2020

Gespräch

Bedrohung und Staatsversagen

Der zweite »Jüdische Salon« des Zentralrats der Juden widmet sich Ronen Steinke und seinem neuen Buch

 02.07.2020

Würzburg

Gepäckstücke erinnern

Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde der »DenkOrt Deportationen 1941–1944« eingeweiht

von Stefan W. Römmelt  18.06.2020

Gemeinden

Aktiv und engagiert

Die Zentralwohlfahrtsstelle veröffentlicht ihre Statistik für 2019 – die Zahlen geben wichtige Hinweise

von Heide Sobotka  18.06.2020

Nachruf

Zeitzeuge, Wissenschaftler, Gabbai

Der Medizinhistoriker Gerhard Baader starb im Alter von 91 Jahren in Berlin

von Christine Schmitt  16.06.2020

Hannover

Tausende spenden für Familie

Im Internet wird für Witwe und Kinder von Rabbiner Wolff sel. A. gesammelt – über eine Million Euro sind schon eingegangen

von Michael Thaidigsmann  30.04.2020 Aktualisiert

Jahrestag

In kleinem Rahmen

Zum 75. Jubiläum sollte es große Feiern geben, doch wegen Corona wurde es ein stilles Gedenken

von Eugen El  23.04.2020

Fraenkelufer

Mufleta mit Schwarzwälder Kirsch

Zum Mimounafest treffen sich die Beter virtuell statt in der Synagoge – und backen zusammen

von Ralf Balke  23.04.2020

München

Alle Hände voll zu tun

Steven Guttmann tritt sein Amt als IKG-Geschäftsführer in schwieriger Zeit an. Ein Porträt

von Helmut Reister  23.04.2020