Projekt

Bau mit Tradition

Bis in die 1930-er Jahre haben die jüdischen Bürger Münchens einen großen Beitrag zum Leben der bayerischen Residenz- und Landeshauptstadt geleistet. Dann kam die Schoa: Die Spuren des jüdischen Lebens von einst sind im heutigen München seit den Zerstörungen und Vernichtungen in der NS-Zeit kaum mehr sichtbar. Die meisten der wenigen noch erhaltenen steinernen Dokumente bedürfen der Erhaltung und Renovierung.

Ein Beispiel dafür ist die Grabstätte des Dramatikers Michael Beer, Bruder des Komponisten Giacomo Meyerbeer. Der Dichter hat auch in München gewirkt, und so stiftete König Ludwig I. auf dem Alten Israelitischen Friedhof im Stadtteil Thalkirchen einen Grabstein nach einem Entwurf des Architekten Leo von Klenze.

Dieser Grabstein ist ebenso ein eindrucksvolles historisches Zeugnis wie die Aussegnungshalle auf dem Friedhof. Der Erhalt dieser und anderer Kulturdenkmale liegt der Münchner Kultusgemeinde am Herzen, auch wenn allein die allernotwendigsten Instandhaltungsaufgaben einen großen finanziellen Aufwand erfordern.

Projekt Der Renovierung und Instandhaltung eines Juwels der europäischen Baugeschichte nimmt sich nun die Literaturwissenschaftlerin Rachel Salamander mit dem Verein »Synagoge Reichenbachstraße« an. Am Dienstag vergangener Woche stellte sie mit ihren Mitstreitern die Motivation und Ziele des Projekts vor. Zu den Gründungsmitgliedern zählen neben Salamander der Historiker Michael Brenner, Georg Grünberg, Ron C. Jakubowicz als zweiter Vorsitzender, Christiane Moll, Dietmar Müller-Elmau und Christoph Sattler.

Dass der Verein mit Sattler einen namhaften Münchner Architekten gewinnen konnte, ist für das Projekt von großem Vorteil. Er hat sich den Bau bereits angesehen und die ersten Untersuchungen durchgeführt. Seine Kostenschätzung: vier Millionen Euro für die Sanierung der Synagoge und zwei Millionen Euro für die Instandsetzung der darunter liegenden Gewölbe einer früheren Brauerei.

Jetzt gilt es, das Geld zusammenzubekommen. Eine Anschubfinanzierung des Bundes in Höhe von 200.000 Euro ist bereits zugesichert. Der Freistaat Bayern und die Stadt München wollen ebenfalls helfen. Wissenschafts- und Kulturminister Wolfgang Heubisch und Oberbürgermeister Christian Ude bekräftigten dies bei der Vorstellung des Projekts. Ude hob die Synagoge als weltweit einzigen Sakralbau der Neuen Sachlichkeit hervor.

Der Bau aus den 1930-er Jahren stehe in einer Linie mit den bedeutendsten Münchner Sakralbauten verschiedener Epochen des 20. Jahrhunderts wie etwa die evangelische Matthäuskirche aus den 1950er-Jahren und die ebenfalls architektonisch weltweit bewunderte katholische Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen.

Engagement Der Saalbau mit Empore und eingezogener, erhöhter Ostnische ist in den Formen des Neuen Bauens nach Plänen des Architekten Gustav Meyerstein 1931 fertiggestellt und eingeweiht worden. Dass der Bau während der Pogromnacht nicht niedergebrannt wurde, verdankt er der engen Hinterhoflage und unmittelbaren Nachbarschaft zur umgebenden Wohnbebauung. Der Sakralbau wurde allerdings zerstört und als Werkstatt zweckentfremdet, bis er zwischen 1946 und 1948 nach Plänen von Werner Bürkle und Kurt Motschmann wieder für die Kultusnutzung hergestellt wurde. Ihr Engagement für den Erhalt des Gotteshauses ist Rachel Salamander und Ron C. Jakubowicz ein besonderes emotionales Anliegen.

Die Synagoge Reichenbachstraße, die im Eigentum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ist und bleibt, soll für Gottesdienste nutzbar und sozialen, pädagogischen, kulturellen und wissenschaftlichen Aktivitäten zugänglich sein. Der Verein hat sich zudem zum Ziel gesetzt, das architektonische Baudenkmal zu erhalten und seine ästhetisch reizvolle Gestaltung wiederaufleben zu lassen.

Dass dabei nicht nur technisches Können gefragt ist, sondern auch der Rückgriff auf Quellenmaterial, unterstrich Christoph Sattler. Farbfotos der einstmals auch in leuchtenden Farben erstrahlenden Synagoge gibt es nicht.

geschichte Allerdings kann man auf Vorarbeiten aus dem Landesamt für Denkmalpflege zurückgreifen. Dessen langjähriger Mitarbeiter, der Kunsthistoriker Alexander Rauch, hat sich vor Jahren schon dieser Thematik angenommen. Die Ergebnisse hat Rauch unter anderem in seinem Artikel »Münchens jüdische Denkmäler« in dem vom Landesamt für Denkmalpflege 1994 herausgegebenen Buch Denkmäler jüdischer Kultur in Bayern beschrieben. Interessierten Gemeindemitgliedern hat Rauch seinerzeit in einem Vortrag darüber berichtet.

Beeindruckend in seinen Beschreibungen sind die dunkleren Querbalken unter der Synagogendecke, die zusammen mit dem milchig-weißen Glasdach den Eindruck erweckten, die Beter stünden unter einem großen Tallit, dem mit Streifen durchsetzten Gebetsschal.

Um all das wiederherzustellen, hofft der Verein jetzt auch auf die finanzielle Unterstützung der Münchner Bürger.

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