München

»Banker mit sozialem Gewissen«

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, Preisträger Harald Strötgen und Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler (v.l.) Foto: Marina Maisel

Was ein Mensch an Gutem in die Welt hinausgibt, geht nicht verloren.« Dieses Zitat von Albert Schweitzer benannte Präsidentin Charlotte Knobloch als Motto des Abends, an dem Harald Strötgen mit der Ohel‐Jakob‐Medaille in Gold ausgezeichnet wurde. Der scheidende Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse München und langjährige Begleiter der IKG auf dem Weg zur Realisierung des Gemeindezentrums am Jakobsplatz wurde am 30. November mit der höchsten Auszeichnung der Kultusgemeinde geehrt.

Der Hubert‐Burda‐Saal war aus diesem Anlass besonders festlich dekoriert. Zu den Klängen des Liedes »Maos Zur«, vorgetragen von Kantor Amnon Seelig, leuchteten am vierten Chanukkaabend die Kerzen. Auf das Wunder des Lichterfests ging dann auch gleich zu Beginn der Preisverleihung Moderatorin Anuschka Horn ein. Denn ein Wunder sei auch die Realisierung des Gemeindezentrums am Jakobsplatz gewesen.

Zauber Mitten in der Münchner Altstadt, im Herzen der City also, ist das Gemeindezentrum das Symbol der räumlichen und viel mehr noch der mentalen Heimkehr der Münchner Juden in ihre Stadt, betonte Charlotte Knobloch in ihrer Rede. Den Bau gebe es ganz wesentlich aufgrund einer Begegnung – einer, der ein Zauber innegewohnt und die einen bleibenden Eindruck hinterlassen habe: der Begegnung mit Harald Strötgen. Dieser sei ein »Banker mit dem Herz am rechten Fleck«, wie sie Sparkassenverbands‐Präsident Theo Zellner kürzlich bei Strötgens Verabschiedung zitierte.

Um Harald Strötgen zu ehren, waren viele Persönlichkeiten aus der Münchner Stadtgesellschaft zur Preisverleihung gekommen – Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Kirche und Gesellschaft. Unter den Gästen war auch Christiane Thalgott, die als damalige Stadtbaurätin den Bau des Gemeindezentrums begleitet hatte.

Bevor Regionalbischöfin Susanne Breit‐Keßler die Laudatio auf Harald Strötgen hielt, ergriff der Unternehmer Harry Habermann das Wort. Dessen Familie im Allgemeinen und Mutter Helene Habermann im Besonderen ist mit Strötgen beruflich und im Bereich soziales Engagement wie etwa durch die Stiftung »Wir helfen München« eng verbunden.

Harry Habermann bezeichnete Strötgen als einen »Banker mit sozialem Gewissen«, der das Wohl der anderen oft über sein eigenes stelle. Bei vielen Telefonaten habe er oft als erste Frage von Strötgen gehört: »Was kann ich tun? Wie kann ich helfen?« Strötgen sei darüber hinaus nicht nur durchsetzungsfähig, sondern auch sensibel und rücksichtsvoll.

Miteinander Dazu passte das Zitat aus Josua (24,15) sehr gut, mit dem Regionalbischöfin Breit‐Keßler ihre Laudatio begann: »Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen«. Genau das tue der Geehrte, so Breit‐Keßler. »Er dient gleichermaßen bescheiden und bestimmt, energisch und eloquent, mit Witz, Verve und wachsam nicht allein seinen Kunden.

Harald Strötgen dient mit seinem Haus unserer Stadt und ihrem kulturellen, geistigen, politischen Leben.« Damit helfe er dem, was den Menschen aufgetragen sei – einem friedlichen, geschwisterlichen und gerechten Miteinander, zu dem die Israelitische Kultusgemeinde unverzichtbar dazugehöre.

Breit‐Keßler erinnerte auch an die Pogrome vom 9. November 1938, die sich in diesem Jahr zum 75. Mal jährten. Dazu zitierte sie den früheren Berliner Rabbiner und ehemaligen Präsidenten der Reichsvertretung der Deutschen Juden, Leo Baeck, der im Dezember 1945 diese »Epoche der Juden in Deutschland« als »ein für alle Mal vorbei« bezeichnet hatte.

Es sei »alles andere als selbstverständlich, dass Juden nach 1945 den Mut und die Kraft fanden, in Deutschland leben zu wollen«, sagte Breit‐Keßler und bezeichnete dies als »ein unverdientes Geschenk an unser Land«. Mit einem Wort von Harald Strötgen, das dieser damals bei der Einweihung der Synagoge Ohel Jakob gesagt hatte, schloss sie ihre Rede: »Durch das Zentrum ist nicht nur eine klaffende Lücke in der Geschichte der jüdischen Gemeinde Münchens, sondern in der Geschichte der ganzen Stadt geschlossen worden.«

Verdienste Für Strötgens Beitrag zum Bau des Gemeindezentrums überreichten ihm Präsidentin Charlotte Knobloch und Vizepräsident Michael Fischbaum die Ohel‐Jakob‐Medaille in Gold. »Er hat all seine Kraft, sein Netzwerk und seine Leidenschaft ins Feld geführt und sich unermüdlich und unbeirrbar dafür eingesetzt, dass wir diesen Traum der Heimkehr realisieren konnten«, sagte Knobloch über die Verdienste des Preisträgers.

»Es sind besondere Menschen wie Harald Strötgen, die an entscheidender Stelle in unserer Gesellschaft Verantwortung dafür übernehmen, dass unsere Heimat liebens‐ und lebenswert für alle Menschen bleibt.«

Der Geehrte erwiderte: »Ich freue mich sehr und möchte die Ehrung stellvertretend entgegennehmen für alle Menschen, die damals geholfen haben, dass die Synagoge im Herzen von München endlich wieder Wirklichkeit werden konnte. Wenn ich zu einem vertrauensvollen und glücklichen Miteinander aller Münchnerinnen und Münchner, gleich welcher Konfession, Hautfarbe oder Nationalität, einen kleinen Beitrag geleistet habe, freue ich mich.«

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