Karlsruhe

Aus Zion für Baden

Die Karlsruher Gemeindemitglieder nehmen die Tora freudig in Empfang. Foto: Jörg Donecker

Fröhlich lachend und singend tanzen die Männer mit den schweren Torarollen auf dem Arm durch die Synagoge in der Karlsruher Nordstadt. Die Gemeindemitglieder und ihre Gäste feiern die Einbringung ihrer neuen Sefer Tora. Sieben Schriftrollen befinden sich derzeit in der Knielinger Allee, von denen jedoch nur drei koscher und damit benutzbar sind.

Immer wieder berühren die Gläubigen vorsichtig, aber freudestrahlend das neue Exemplar, das Gemeinderabbiner Zeev-Wolf Rubins eigenhändig in Jerusalem abgeholt hat. Mehrfach sei er auf seiner Reise von Passanten und Flugbegleitern gefragt worden, warum er denn eine Torarolle aus Israel ausführe, so Rubins. Geantwortet habe er mit Worten des Propheten Jesaja: »Denn aus Zion geht die Tora hinaus und aus Jerusalem das Wort des Ewigen.« Gleich habe es keine Fragen mehr gegeben, berichtet der Rabbiner.

Allen sei klar geworden, dass da ein tieferer metaphysischer Sinn verborgen sei. Er habe dabei jedoch durchaus auch den praktischen gemeint: »Unsere Gemeinde hat eine Torarolle erworben, die aus Jerusalem stammt.« Aus Zion, aus der Heiligen Stadt. Damit sei die Prophezeiung Jesajas in der Karlsruher Gemeinde in Erfüllung gegangen.

SpendeN Deren Mitglieder taten viel dafür: Vor einem Jahr wurden sie aufgerufen, für die neue Schriftrolle zu spenden. Viele kamen dem nach, wie der Vorsitzende der Gemeinde, David Seldner, versichert. Den Rest habe dann die Gemeinde dazugegeben. »So können wir wahrhaftig sagen, dass es unsere Rolle ist«, sagt Seldner.

Dies habe Symbolcharakter. Eine Tora zeige, »dass es jüdisches Leben gibt, dass die Gemeinde lebt«. Sie sei so etwas wie das Herz in der Gemeinde, betont Seldner bei dem Festakt, an dem auch zahlreiche Rabbiner umliegender Gemeinden teilnehmen.

Gekommen sind zudem etliche Stadträte und Landtagsabgeordnete, der katholische Dekan Hubert Streckert sowie Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup – er erweist der Gemeinde damit nach noch nicht einmal 100 Tagen im Amt die Ehre – und sein Vorgänger Heinz Fenrich. »Ich freue mich über Ihre Anwesenheit, die viel aussagt über unsere Position in Karlsruhe«, so Seldner.

»Wir fühlen uns als Teil der Stadt. Die Jüdische Gemeinde ist ein fester Bestandteil des religiösen und auch gesellschaftlichen Lebens in Karlsruhe«, betont ebenso Oberbürgermeister Frank Mentrup. Er sei froh und dankbar, dass sich jüdisches Leben heute selbstverständlich in der Stadt entfalte, so der Verwaltungschef. »Ich spüre die Gewissheit und Selbstgewissheit darüber, dass das Judentum Bestand hat und stolz an zukünftige Generationen weitergetragen wird.«

Freude Bei der Feierstunde tanzen die Kinder schließlich mindestens so begeistert wie die Erwachsenen. Und mancher wischt sich Tränen aus den Augen, als Kantor Moshe Hayoun ein 92 Jahre altes Gemeindemitglied – einen Überlebenden der Schoa – zum Schreiben eines der letzten Buchstaben der neuen Tora nach vorne bittet. Zwölf Männern wird diese Ehre zuteil. Sie reichen Sofer Jean-Jaque Levy die Feder, der hoch konzentriert mit schwarzer Tusche Strich um Strich auf das Pergament zaubert.

Natürlich macht der Mann aus Strassburg, der in Karlsruhe geboren wurde, alles richtig. Ehrfurchtsvoll lauscht die Gemeinde Kantor Hayoun, während die Tusche trocknet. Und dann wird getanzt, geklatscht und gefeiert – wobei am Ende auch die Gäste begeistert mit einstimmen, als Shalom alechem erklingt.

Düsseldorf

Josef-Neuberger-Medaille für Grünen-Ministerin Mona Neubaur

Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit über 30 Jahren Menschen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit

 14.09.2026

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Berlin

Wahlkampfdebatte im Gemeindehaus

Die Jüdische Gemeinde lud anlässlich der bevorstehenden Wahl die Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch. Am Ende wurde mal wieder über Antisemitismusdefinitionen gestritten

von Debora Eller  10.09.2026

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026