Hannover

Attacke von Rechts

Ingrid Wettberg Foto: imago

Ein möglicherweise zur rechtsextremen Szene zählender Mann hat eine öffentliche Diskussionsveranstaltung in Hannover über den »langen Schatten von 1933« für einen antisemitischen Auftritt missbraucht. Wie die Vorsitzende der liberalen jüdischen Gemeinde Hannover, Ingrid Wettberg, berichtete, habe ein »durchaus sympathisch aussehender Mann aus der hinteren Reihe« ums Wort gebeten, als die Diskussion für Publikumsfragen eröffnet worden war.

Dann habe er sie mit den Worten »Sie Jüdin, Sie lügen, das ist alles falsch, was Sie erzählen« beschimpft. Als ihm Teilnehmer das Mikrofon abnehmen wollten, warf er sich auf den Boden und klammerte sich an Stuhlbeinen fest, erzählt Wettberg weiter. Regionspräsident Hauke Jagau habe dem Störer sofort Hausverbot erteilt. Teilnehmer schafften es schließlich, den Mann, der immer noch laut »die Jüdin da« rief, aus dem Saal zu befördern.

Polizei Nach etwa 15 Minuten sei der Mann, der später als Dirk H. identifiziert wurde, jedoch wieder hereingekommen und habe sich von der Seite aus, über die Sitzenden hinweg steigend, quer durch die Reihen nach vorne gekämpft. Die Polizei überwältigte ihn schließlich und schaffte ihn aus dem Saal. »Die zahlreichen jungen Leute, die ich ausdrücklich zu Anfang begrüßt hatte und über die ich mich sehr freute, schauten betroffen zu Boden oder hielten sich vor Scham die Hände vors Gesicht«, erzählt Wettberg weiter. Die Szene sei nahezu skurril gewesen – »wie in einem schlechten Film«, sagt die Gemeindevorsitzende.

Die Diskussion im Regionshaus der Hannoveraner Innenstadt war die viel beachtete Abschlussveranstaltung zur Themenreihe »Folgen von 1933«, die über das Jahr verteilt 14 Termine angeboten hatte und mit 160 Zuhörern an diesem Nachmittag äußerst gut besucht war. Nach der Veranstaltung begleiteten Teilnehmer Wettberg zu ihrem Auto. »Ich hatte einfach Angst«, erzählt sie, da sie nicht wusste, ob der Mann, dem Verbindungen zur rechtsradikalen Szene nachgesagt werden, in Polizeigewahrsam genommen worden war.

E-Mail Wettberg betont, dass sie in der Folgezeit viele positive und entsetzte E-Mails »von Menschen, die ich überhaupt nicht kenne« erhalten habe. Auch zwei Blumensträuße seien in der Gemeinde abgegeben worden. Allerdings habe sie auch eine E-Mail von einem Mann erhalten, der das Auftreten der Jüdischen Gemeinde und der Juden in Hannover als »Provokation« beschimpfte. Der promovierte Verfasser hatte mit vollem Namen unterschrieben.

»Das wird mich nicht einschüchtern«, sagt Wettberg im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. »Ganz im Gegenteil. Das bin ich meiner während der Schoa ermordeten Familie schuldig.« Sie rechne jedoch mit weiteren Anfeindungen, zumal sie seit Kurzem einem Gremium angehört, das Namen von Straßen, Plätzen und Gebäuden näher unter die Lupe nehmen will, um zu prüfen, ob sie nach Nazis benannt sind.

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