Hannover

Anleitung zum Selbstbewusstsein

Teilnehmer und Referenten in Hannover Foto: Maximilian Feldmann

»Es werden hier viele jüdische Lieder gesungen, wie es sich am Schabbat gehört. Es sind Kleinigkeiten wie diese, die sich positiv auf die Stimmung auswirken«, sagt Sharon G. Für sie bedeutet der Schabbaton, sie selbst, also jüdisch sein zu können. »Sei du selbst!« war denn auch das Motto des Schabbatons, zu dem der Bund traditioneller Juden (BtJ) nach Hannover eingeladen hatte. Teilnehmer aus ganz Deutschland und verschiedener jüdischer Ausrichtungen kamen in der Gemeinde zusammen. »Ein volles Programm von Freitagabend bis Sonntag, das ist historisch in unserer Stadt«, freut sich Alla R. aus Hannover.

Weil Rosch Haschana bald vor der Tür steht, galt es, die Teilnehmer auf das Fest vorzubereiten. »Man kommt mit einer Message raus, die jeden anspricht, egal auf welchem Level er ist«, erklärt Shimi Lang. Der Psychologe aus Osnabrück trat neben den Rabbinern Elias Dray und Benjamin Wolf als Referent auf. Ihnen war es wichtig, das jüdische Selbstbewusstsein der Teilnehmer zu wecken. Wer sein Potenzial ausnutzt, der wird auch Erfolg haben, war die Botschaft von Rabbiner Wolf. Im aktuellen Monat Elul sollte man sich selbst und die eigenen Taten analysieren, um für Rosch Haschana bereit zu sein. Das Zauberwort lautet »Teschuwa«, die spirituelle Rückkehr zu Gott.

Lösungen Doch wie kann man in der modernen Zeit religiös-jüdisch und berufstätig sein – wenn Klausuren oder Betriebsausflüge zum Beispiel auf den Schabbat fallen? Antworten auf diese Fragen fanden sich in einer Podiumsdiskussion, in der ausgewählte Teilnehmer unter Moderation von Rabbiner Dray über ihre Erlebnisse berichten und sich mit dem Publikum austauschen konnten. Schnell wurde klar, dass nur durch Selbstbewusstsein und Offenheit diese Schwierigkeiten zu bewältigen sind. Im Klartext: Wer rechtzeitig mit seiner Umgebung darüber spricht, kann Verständnis und Lösungen finden. Wer nebenbei versucht, so gut es geht die Gebote einzuhalten, erfüllt sogar die Anforderungen der Tora an sich selbst.

In Hinblick auf den nächsten Schabbaton im November freute sich Shimi Lang besonders über die Teilnahme eines Dating-Managers. »Die Leute kommen nicht wegen den Schiurim und den Rednern, die sind Nebensache. Sie kommen, um einen Partner zu treffen. Da muss man realistisch sein. Es ist aber wichtig, beides miteinander zu verbinden«, ergänzt Shimi Lang. Dementsprechend groß war das Interesse am Programm »BtJ-Match«, bei dem man Lern- und vor allem Lebenspartner suchen kann.

Freude Die BTJ-Vorsitzenden Michael Grünberg und David Seldner zogen ein positives Fazit. »Wir hatten über 100 Teilnehmer, und was ich als besonders angenehm empfand: Es war ausgeglichen zwischen männlichen und weiblichen Teilnehmern«, sagte Grünberg. Die Leute hätten sich wohlgefühlt. Ob die Teilnehmer liberal, orthodox oder konservativ sind, spiele keine Rolle.

»Sie entscheiden sich nicht nach der Ausrichtung einer Gemeinde, sondern ob der Kantor oder Rabbiner ein netter Mensch ist, also wegen der Atmosphäre. Entsprechend geht es uns darum, Freude am Judentum zu vermitteln«, ergänzte Seldner. »Wann bist du ein guter Jude? Wenn deine Enkel jüdisch sind! Ich glaube, das müssen wir vermitteln«, so Grünberg. Beide freuen sich auf die nächsten Schabbatot und auf die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und dem Zentralrat.

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