Mainz

Angriff auf die Demokratie

Ziel des Anschlags: die am 3. September eröffnete Synagoge in Mainz Foto: dpa

Nur wenige Wochen nach ihrer Eröffnung ist auf die neue Mainzer Synagoge ein Brandanschlag verübt worden. Wie die Polizei mitteilte, sei in der Nacht zum Sonntag in einer Seitenstraße ein Molotowcocktail auf den Bau geschleudert worden, der allerdings an einem Baum abprallte und verlosch. Beobachtet wurde dies von einer Nachbarin, die die Polizei informierte.

Desinteresse Noch in der Nacht war der rheinland‐pfälzische Innenminister Peter Bruch vor Ort. Wie auch Außenminister Guido Westerwelle verurteilte er den Vorfall als »abscheulichen Akt« und als »Angriff auf unsere Demokratie«. Dem sei nichts hinzuzufügen, sagte Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch. Unbegreiflich jedoch sei ihr, dass ein solcher Anschlag »nicht einmal mehr eine Meldung in den Hauptnachrichten und Schlagzeilen wert ist. Jeder vernünftig denkende mündige Bürger kann doch angesichts einer solchen Handlung nur entsetzt sein«, sagte die Zentralratspräsidentin. Bedenklich sei, dass ein solcher Angriff in der veröffentlichten Meinung »sang‐ und klanglos« verpuffe.

Die Staatsanwaltschaft Mainz und die Polizei haben die Ermittlungen aufgenommen. Unter anderem sicherte sie die Aufzeichnungen aus den Überwachungskameras und wertet sie nun aus. Ob und inwieweit die Videoaufnahmen weiterhelfen, wisse er noch nicht, sagte der Mainzer Leitende Oberstaatsanwalt Klaus‐Peter Mieth. Er schließt einen antisemitischen Hintergrund nicht aus.

Zufall »Wir sind verunsichert«, kommentiert die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz, Stella Schindler‐Siegreich, die Tat, auch wenn durch Zufall nichts passiert sei. Bei der Eröffnung der Synagoge habe man so viel positiven Zuspruch aus der Bevölkerung erfahren, »nun werden wir wieder auf den Boden der Tatsachen heruntergeholt«.

Dass jüdische Einrichtungen beschützt werden müssten, gehöre leider zum Alltag. »Dieser Anschlag hat uns wieder aufgerüttelt.« So hoch könnte kein Sicherheitszaun sein, als dass man etwas darüber hinweg werfen könnte. »Wir leben nun mal nicht auf der grünen Wiese, sondern mitten in einem Wohngebiet«, sagt Schindler‐Siegreich. Aber solle man sich aufgrund der ständigen potenziellen Gefahr verbarrikadieren und das Leben beeinflussen lassen?

Worms Im Mai hatten in Worms unbekannte Täter an acht Stellen der historischen Synagoge versucht, Feuer zu legen, und einen Molotowcocktail geworfen. Eine Anwohnerin hatte einen Knall gehört und die Polizei informiert. Der Brand konnte schnell gelöscht werden. Darüber hinaus wurden in Worms Bekennerschreiben gefunden.

In Mainz habe man bislang derartige Übergriffe nicht gekannt, sagte Schindler‐Siegreich. Der Hass gegen Juden habe sich bislang nur auf »E‐Mails und böse Briefe« beschränkt. Auch in Mainz gebe es eine rechtsradikale Szene, »wie in jeder Stadt«, fügt Schindler‐Siegreich hinzu.

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