Repräsentantenversammlung

Abgestimmt

Bei der Stimmenauszählung Foto: Mike Minehan

Gideon Joffe hat mit seinem Bündnis »Koach!« die meisten Stimmen bei der Wahl am Sonntag zur Repräsentantenversammlung (RV) der Jüdischen Gemeinde zu Berlin geholt. Mit neun Kandidaten ist »Koach!« die am stärksten vertretene Fraktion, gefolgt von »Schalom – Bündnis der Vernunft«, das über sieben Plätze verfügt. »Verantwortung Jetzt!« bekam drei Plätze. Von den Kandidaten von »Hatikwa« hat es keiner in die RV geschafft. Natan Del und Alexander Brenner sind als Einzelkandidaten gewählt worden.

Gideon Joffe hat somit gute Chancen, Gemeindevorsitzender zu werden, wenn ihn zwei weitere Repräsentanten unterstützen werden. Eine einfache Mehrheit mit elf Stimmen würde reichen, um über einen neuen Vorstand zu bestimmen. Über eine bei mehreren Entscheidungen benötigte Zweidrittelmehrheit würde er hingegen nicht verfügen.

Wahlbeteiligung Um 4.15 Uhr am Montag stand das vorläufige Endergebnis fest. Der frühere Gemeindevorsitzende Alexander Brenner hat die meisten Stimmen erhalten, ihm folgen Gideon Joffe (Koach!), Sergey Lagodinsky (Schalom), Natan Del und Micha Gutmann (Verantwortung Jetzt!). Zur Wahl standen 62 Kandidaten. Die Wahlbeteiligung war im Vergleich zur letzten Wahl 2007, bei der 34 Prozent der Gemeindemitglieder ihre Stimme abgaben, mit 27 Prozent sehr gering. »Mir ist es unverständlich, dass nur so wenige Mitglieder zur Wahl gegangen sind«, sagt Michael Joachim, Vorsitzender des Präsidiums, der als Mitglied von Schalom auch die nächsten vier Jahre dabei sein wird. Nun müssten erst einmal die Wunden geleckt und anschließend eine Strategie entworfen werden.

Dramatisch wurde es um die Entscheidung bei Platz 21. Mirjam Marcus, angetreten als Spitzenkandidatin von »Verantwortung Jetzt!«, und Assia Gorban (Koach!) hatten die gleiche Stimmenanzahl, sodass das Los entscheiden musste. Mirjam Marcus verlor und wird nun nicht mehr in der RV dabei sein.
»Ich sehe es sportlich«, sagt die amtierende Bildungsdezernentin und stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Sie hofft, dass sie Gemeinde trotzdem eine Zukunft hat, in der Öffentlichkeit weiter gut da stehen wird und es eine finanzielle Sicherung gebe. Im Januar ist die konstituierende Sitzung.

Die jetzige RV ist also abgewählt. Etliche sind nicht mehr auf die entscheidenden 21 Plätze gekommen. Benno Bleiberg, Grigorij Kristal, Mirjam Marcus, Mark Jaffe oder beispielsweise Eduard Kunz sind nicht mehr in der Repräsentantenversammlung. Lala Süsskind und Jochen Palenker hatten auf einen Wiederantritt verzichtet. 639 Stimmen wurden per Briefwahl abgegeben, von denen 83 wegen Ungültigkeit im Papierkorb landeten. »Ich bin schockiert über die geringe Wahlbeteiligung«, sagt die amtierende Gemeindevorsitzende Lala Süsskind. Sie sei enttäuscht von ihren Mitgliedern – auch über das Ergebnis. »Das ist ein Schlag in die Magengrube.« »Hatikwa« hat indessen angekündigt, die Wahl anzufechten.

Konstellation Sergey Lagodinsky war vor vier Jahren noch gemeinsam mit Gideon Joffe in dem Bündnis »Hillel« angetreten, nun waren sie Konkurrenten, denn Lagodinsky war ebenfalls Spitzenkandidat – diesmal von Schalom. »Für uns ist es ein gutes Ergebnis, das zeigt, dass wir stark sind. Leider haben wir keine eindeutige Mehrheit. Aber es ist nun eine schwierige Konstellation eingetreten.

Koach! hat zwar die meisten Sitze, wird aber auch noch Unterstützung brauchen.« Er sei gespannt, wie Koach! die Posten und die Fachgebiete besetzen möchte – sofern sie in der konstituierenden Sitzung gewählt werden. Lagodinsky bedauere, dass viele »gute Leute« es nicht in die RV geschafft haben.

Grigori Kristal, amtierender Bau‐ und Kultusdezernent und Vorstandsmitglied, sei zwar erleichtert, nicht wieder gewählt worden zu sein, und somit mehr Zeit für seine Familie zu haben, andererseits sei er auch stark enttäuscht. Als Baudezernent hätte er gerne die Arbeit fortgeführt. »Das bedauere ich sehr.« Josef Latte von Hatikwa sagte: »Es war eine schlechte Wahl, da die Beteiligung so gering war. Wir hatten nicht so viel Geld und konnten nur einen ärmeren Wahlkampf führen. Ich hatte gehofft, dass es mehr Mischung in der RV gibt und bin enttäuscht, dass es von unserem Wahlbündnis keiner geschafft hat.«

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