Chemnitz

280 Gäste in einem Haus

Gern gesehener Gast: Ex-Ministerpräsident Georg Milbradt (Mitte) besucht das Konzert Chemnitzer Gemeindechores »Schir Semer« am 22. Februar.

Ruth Röcher zieht eine äußerst positive Zwischenbilanz von den Tagen jüdischer Kultur in Chemnitz. »Zu allen Programmpunkten, die ich bis jetzt besucht habe, kamen mehr Gäste als erwartet«, sagte die Chemnitzer Gemeindevorsitzende der Jüdischen Allgemeinen. Regelrechte Selbstläufer seien die Führungen auf dem jüdischen Friedhof, die Jürgen Nitsche durchführt und die Veranstaltungen in Lehmanns Café. In diesem Jahr habe man von vornherein jeweils zwei Termine für die beiden Programmpunkte vorgesehen.

Sehr gut besucht sei auch die Veranstaltung zur Perspektive der jungen Generation in Israel und Palästina gewesen. Sie fand im Veranstaltungssaal Weltecho in der Annaberger Straße statt, der restlos besetzt war. Nach einer Einführung über die Geschichte des Konflikts führte Hanna Lehming aus Hamburg den Film Hass und Hoffnung vor. »Obwohl der Film 80 Minuten dauerte, war es unheimlich ruhig im Raum«, erzählt Röcher beeindruckt. Danach hätten die Teilnehmer noch eine Stunde lang heftig diskutiert. Um die Diskutanten bei Laune zu halten, musste das Küchenteam der Gemeinde am Abend Falafel, Hummus und Pitta besorgen.

Erfolg Auch für die zweite Hälfte wünscht sich Ruth Röcher eine gute Beteiligung an dem Kulturangebot. Mehr Gäste als im vergangenen Jahr würden es auf jeden Fall, meint sie. Allein an der Synagogenführung nahmen 280 Personen teil. Gerechnet habe sie mit etwa einem Dutzend, zeigt sich Ruth Röcher von dem Ansturm überwältigt. Vielleicht profitiere man von der Tagespresse, die in diesem Jahr viel mehr und regelmäßig über die Kulturtage berichtete.

Für den 5. März plant die Jüdische Gemeinde Chemnitz einen öffentlichen Gottesdienst. Auch dieser sei seit Jahren ein Selbstläufer, sagt Röcher. Allerdings fällt der Schabbat ausgerechnet auf den 65. Jahrestag der Bombardierung von Chemnitz. Ihn hat sich die rechte Szene als Tag ihres »Trauermarsches« durch die Stadt auserwählt. »Jetzt habe ich etwas Sorge, ob wir den öffentlichen Gottesdienst problemlos durchführen können.« Alle demokratischen Kräfte und die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig planen eine Gegendemonstration an diesem Tag.

Seminar Mit einem Seminar am 6. und 7. März zum Thema: »Einwanderung und Integration in den jüdischen Gemeinden in Deutschland« schließen die 19. Kulturtage in der Gemeinde ab. In diesem Jahr habe man viele Organisationen und Sozialämter eingeladen und erhofft sich dadurch mehr Zuspruch als im vergangenen Jahr. An der Diskussionsrunde am Sonntag um 13.45 Uhr im Gemeindezentrum Stollberger Straße 28 nehmen Heinz Joachim Aris vom Landesverband, Nora Goldenbogen, Vorsitzende in Dresden, Küf Kaufmann, Vorsitzender in Leipzig teil. Die Gesprächsleitung hat Ruth Röcher.

Synagoge Pestalozzistraße

Der Tradition würdig

Beim Umbau des Estrongo-Nachama-Kidduschsaals stießen Handwerker auf 17 Torarollen. Nun werden sie restauriert

von Katharina Schmidt-Hirschfelder  12.01.2020

Kassel

Schutzschild gegen Antisemitismus

Nach dem Anschlag in Halle organisieren die christlichen Kirchen Wächterdienste vor der Synagoge

von Joachim F. Tornau  12.12.2019

Kultur

Eine Reise um die Welt

Die Jüdischen Filmtage der IKG zeigen ein abwechslungsreiches Programm

von Helmut Reister  12.12.2019

Rheinland-Pfalz

Viele Fragen – viele Antworten

Der Bund traditioneller Juden lud zum Regionalschabbaton nach Speyer ein

von Katja Manski  12.12.2019

Kompakt

Geschenk, Protest, Schalom

Meldungen aus den Gemeinden

 12.12.2019

Topographie des Terrors

Sprechzimmer der Geschichte

Direktor Andreas Nachama blickt auf sein Wirken zurück

von Christine Schmitt  09.12.2019

Porträt der Woche

»Ich liebe mein Leben«

Levana Emmert wurde in Nordafrika geboren, lebt in Nürnberg und bekocht gern in ihrem Restaurant Gäste

von Katrin Diehl  07.12.2019

Spendengala

Dauerhafte Perspektiven

Die WIZO-Frauen sammelten für Projekte in Israel

von Helmut Reister  05.12.2019

Klimawandel

Trotz allem mobil

Wie Gemeinden ganz individuell Umweltschutz praktizieren

von Elke Wittich  05.12.2019