Vortrag

Zwei Prozent Geschichte

von Marina Maisel

Klare Worte hat Professor Yehuda Z. Blum anlässlich des 60-jährigen Bestehens Israels im Jüdischen Gemeindezentrum gesprochen. »Fundamente und Perspektiven israelischer Politik« war der Titel seines Vortrags, zu dem das Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde in Kooperation mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft eingeladen hatte.
Die Leiterin des Kulturzentrums, Ellen Presser, führte den Referenten ein, der insbesondere durch sein Amt als Botschafter Israels bei der UNO (1978–1984) international bekannt ist. Blum wurde 1931 in Bratislava geboren. Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten lebte er von 1940 bis 1944 in Budapest, von wo aus er im Juni 1944 in das KZ Bergen-Belsen verschleppt wurde. 1945 kam er nach Eretz Israel, wo er die Hersch- Lauterpacht-Professur für Internationales Recht in Jerusalem innehatte. Als UN-Botschafter nahm er an zahlreichen Konferenzen teil, darunter 1978 beim Camp-David-Abkommen zwischen Israel und Ägypten zur Friedenssicherung im Nahen Osten. 60 Jahre Israel – das sei mit Blick auf geschichtliche Prozesse nur eine Zahl, so Blum, an der »wir zurückblicken können und auch die Prognose für die Zukunft untersuchen«. Das jüdische Volk sei immerhin eines der ältesten . da machten bei 3000 Jahren die 60 Jahre gerade einmal zwei Prozent aus. Dennoch war das 20. Jahrhundert eines der bewegendsten in der jüdischen Geschichte. Blum erinnerte daran, dass die UN 1947 der Errichtung eines jüdischen Staates zugestimmt habe, »Israel war von Anfang an als Judenstaat konzipiert«, unterstrich er. Das bedeute, dass die Mehrheit in diesem Staat jüdisch sein muss und »wir der Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge nicht zustimmen können.« Die Palästinenser sprächen von sechs bis sieben Millionen Flüchtlingen – etwa so vielen Menschen wie Juden in Israel leben. Blum: »Eine solche Rückkehr würde bedeuten, dass Israel aufhört ein jüdischer Staat zu sein.« Zugleich erinnerte er an den De-facto-Bevölkerungsaustausch, der mit den jüdischen Flüchtlingen zum Beispiel aus dem Iran und anderen arabischen Ländern stattgefunden habe.
Yehuda Z. Blum zeigte auch, warum die Worte Angela Merkels vor der Knesset im März dieses Jahres für Israel so bedeutend waren. Sie sprach vom »Existenzrecht Israels in sicheren Grenzen«. Anhand schlichter Kilometerangaben und geografischer Daten erläuterte Blum, dass gesicherte Grenzen eben nicht die Rückgabe aller Gebiete bedeuten könne. Er erinnerte an die schnelle Rückgabe des Sinai im Friedensvertrag mit Ägypten. Hier läge viel Land zwischen beiden Ländern. Ganz anders sei dies an vielen anderen Stellen des Landes, darunter auch beim früheren Verbindungsstreifen mit Jerusalem, der an manchen Stellen gerade mal vier bis fünf Kilometer betragen habe.
Auch bei einer völligen Rückgabe des Golan seien sichere Grenzen problematisch. Zudem bedrohten im Norden und Süden Terroristen den Staat Israel. Persönlich, und dass dies seine private Meinung sei, unterstrich Blum deutlich, glaube er nicht daran, dass er noch einen gesicherten Frieden erleben werde. Dennoch: Im Lauf der Geschichte haben »wir überlebt und unser Judentum bewahrt« – mit viel Geduld und mit viel Ausdauer. »Diese Geduld und Ausdauer werden wir auch in Zukunft bewahren«, schloss Blum seinen Vortrag.

Regierungsbildung

Berliner Linke berät erneut über Vanessa Emde

Kurz vor dem geplanten Beginn von Koalitionsgesprächen mit Grünen und SPD diskutiert die Berliner Linke über Antisemitismus - einmal mehr

 27.10.2026

Berlin

Berliner Linke berät zum wiederholten Mal über umstrittene Abgeordnete

Vanessa Emde steht wegen Äußerungen zu Israel und zum Nahost-Konflikt massiv in der Kritik

 27.10.2026

Weimar

Verein will Gedenken an KZ-Außenlager stärken

Buchenwald war mehr als ein einzelnes NS-Konzentrationslager. Mehr als 100 Außenstandorte gehörten zu diesem Lagerkomplex. Längst nicht an alle wird heute erinnert – ein Verein will das ändern

 23.10.2026

Deutschland

Wie hält es die CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD?

AfD-Politiker Siegmund braucht drei Stimmen aus anderen Reihen, um Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zu werden. Ein CDU-Abgeordneter stellt sich nun gegen die CDU-Fraktionslinie

von Christopher Kissmann  22.10.2026

Kino

Film über einen kreativen Geist

»Biermann« ist ein dokumentarisches Porträt des Liedermachers Wolf Biermann, der auch 50 Jahre nach seiner Ausbürgerung aus der DDR noch immer künstlerisch aktiv ist. Allerdings hat der Film auch Leerstellen

von Reinhard Kleber  22.10.2026

Siedlergewalt

Huldai: »Ich schäme mich und schweige nicht mehr«

Tel Avivs Bürgermeister verurteilt die Gewalt gegen palästinensische Olivenbauern und Journalisten scharf. Er warnt vor dem Zerfall rechtsstaatlicher und zionistischer Werte

von Sabine Brandes  22.10.2026

Schwerin

Schwesig wirbt für Bund-Länder-Gruppe zur Prüfung der AfD

Den verfassungsrechtlichen Umgang mit der AfD prüfen? Gut, findet Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin – und spricht sich für den Vorstoß eines CDU-Ministerpräsidenten aus

 22.10.2026

Nahost

Israels Armee erhöht Alarmbereitschaft vor den Wahlen

Vor der Wahl herrscht laut einem TV-Bericht die Sorge vor Anschlagsversuchen, mit denen Einfluss auf die Wahl genommen werden könnte. Der Militärchef ordnet umfassende Sicherheitsmaßnahmen an

 19.10.2026

Berlin

Zwei Parteien in Berlin entscheiden über Koalitionsgespräche

Nach teils zähen Sondierungen entscheiden Grüne und SPD in Berlin über Koalitionsgespräche mit der Linken. Aber aus den Reihen der Sozialdemokraten gibt es Zweifel und Kritik, auch aufgrund der Antisemitismus-Skandale bei der Linkspartei

 19.10.2026