geschichte

Zionismus in kurzen Hosen

Ein Großer ist eigentlich immer dabei. Dieses Jahr wird Jason Lezak aus den Vereinigten Staaten an der Makkabiade teilnehmen. Der dreifache Olympiasieger stellt sich damit in eine Tradition, in der auch der Schwimmer Mark Spitz steht, der 1969 beim großen jüdischen Sportfest teilnahm und 1985 als Fackelträger ins Nationalstadion von Ramat Gan lief. Auch der Weltklasseschwimmer Larry Krayzelburg, der Tennisprofi Brad Gilbert oder die amerikanischen Basketballlegenden Ernie Grunfeld, Danny Schayes und sein berühmter Vater Dolph verliehen der Makkabiade den Glanz, den ein Festival haben sollte, das von sich behauptet, dritt‐ oder viert‐ oder zumindest fünftgrößtes Sportfest der Welt zu sein.

goldmedaille An Weltstars des Sports hatte Felix Simmenauer noch nicht gedacht. 1932 reiste der Berliner Jude zusammen mit Freunden an Bord der S.S. Attikah nach Palästina, um an der ersten Makkabiade teilzunehmen. Simmenauer, vor wenigen Jahren verstorben, hat seine Erinnerungen daran als Buch vorgelegt (Die Goldmedaille, Berlin 1989). Auch ein Amateurfilm, den er drehte, existiert heute noch. Er zeigt die Begeisterung, die das Sportfest schon vor 77 Jahren auslöste. »Die Musikkapellen spielen, die Fahnenträger gehen wieder zurück zu ihren Landsmannschaften, und es beginnt jetzt der Vorbeimarsch«, heißt es in Simmenauers Tagebucheintrag vom 21. März 1932. »Der Zug vermittelt ein grandioses Bild, und mit großer Begeisterung ist das Publikum bei diesem Schauspiel.« Insgesamt 390 jüdische Sportler aus 18 Ländern waren damals dabei. In Ermangelung von Schwimmbädern wurden die Wettbewerbe in der Bucht Haifas ausgetragen, für die anderen Sportarten war außerhalb von Tel Aviv extra ein behelfsmäßiges Stadion errichtet worden. Die Delegation mit den größten sportlichen Erfolgen kam aus Polen, gefolgt von Österreich und den USA. Deutschland gewann – mit einem überaus stolzen Felix Simmenauer – die 4‐mal‐100‐Meter‐Staffel der Leichtathleten.

bar‐kochba Die Idee zu einem gemeinsamen Fest aller jüdischen Sportler, möglichst in Palästina, geht auf das Jahr 1912 zurück. Da hörte Yosef Yekutieli, ein 15‐jähriger jüdischer Russe voller Begeisterung die Nachrichten aus dem fernen Stockholm, von den dortigen Olympischen Spielen. Zehn Jahre arbeitete Yekutieli an seinem Plan, tüftelte lauter Details aus, und ging dann zu Menachem Ussishkin, dem damaligen Vorsitzenden des Jüdischen Nationalfonds. Dem erklärte Yekutieli noch, dass die Realisierung dränge, denn vor 1.800 Jahren fand der jüdische Aufstand gegen die Römer statt, angeführt von Simon Bar‐Kochba. Zu diesem Zeitpunkt hier ein Sportfest durchzuführen, so Yekutiel, zeige den Anspruch auf Palästina als jüdisches Land.
Yekutieli behielt Recht: Die Begeisterung für die zionistische Idee wurde vom Sport verstärkt. Die zweite Makkabiade fand schon 1935 statt, und obwohl die britische Mandatsbehörde das Sportfest verboten hatte, reisten 1.350 Sportler aus 28 Ländern an. Eine für 1938 geplante Makkabiade musste allerdings wegen der Bedro‐ hung, der die Juden in Deutschland ausgesetzt waren, ausfallen. Erst 1950, den Staat Israel gab es seit zwei Jahren, kam es zur dritten Makkabiade, und nachdem Israel im Jahr 1952 erstmals an den Olympischen Spielen teilgenommen hatte, sprach das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Anerkennung aus. Seit 1960 wird die Makkabiade sogar unter dem Patronat des IOC ausgetragen, vergleichbar regionalen Ereignissen wie den Mittelmeer‐ oder den Asienspielen. Aus dieser Zeit stammt auch die Redewendung von der Makkabiade als »jüdische Olympiade«. 1953 folgte der Beschluss, die Makkabiade im Vierjahreszyklus stattfinden zu lassen. Ein Jahr nach den Olympischen Spielen finden seither in Israel die Weltspiele des jüdischen Sports statt.
Mit der Anerkennung durch das IOC kamen auch die Stars: 1953 trat etwa der kanadische Ringer Fred Oberlander an, ein gebürtiger Österreicher, der sich 1948 als Champion des Commonwealth an die Weltspitze gekämpft hatte.
Die Idee des 15‐jährigen Yosef Yekutieli bewährte sich und begeisterte alle. Auch, dass seit 1952 mit den Hapoel‐Spielen, dem Sportfest des mit der Maccabi World Union konkurrierenden jüdischen Sportverbands Hapoel, eine Alternative existierte, änderte daran nichts. Die Hapoel‐Sportler hielten noch die Tradition des jüdischen Arbeitersports hoch, bei dem es weniger um Rekorde und Konkurrenz ging. Die Makkabiade‐Sportler hingegen unterstrichen den An‐ spruch des jüdischen Sports, im Wettkampf um Welt‐ und Kontinentalrekorde auf Augenhöhe mitzumachen.
Fast jedenfalls. Denn schon im Jahr 1953, als die Entscheidung, aus der Makkabiade eine Veranstaltung des Leistungssports zu machen, gefällt war, wurde mit der Aufnahme der Disziplin Kegeln ins Makkabiade‐Programm ein eigener Akzent gesetzt. Später kamen mit Bridge und Bowling noch weitere Sportarten hinzu, an die das IOC noch nicht gedacht hatte.
Aber nicht zuletzt die Anerkennung der Makkabiade durch das IOC sorgte für eine höhere Akzeptanz der Spiele auch bei jüdischen Spitzenathleten. 1957 dominierte Abie Grossfeld die Spiele, ein amerikanischer Turner, der in sieben Wettbewerben sieben Goldmedaillen gewann. Und mit der Engländerin Angela Buxton entschied sogar eine (Doppel)-Wimbledon-Siegerin das Tennisturnier für sich. Auch ein Weltrekord konnte 1957 vermeldet werden: Der Federgewichtler Isaac Berger aus den USA stemmte beim Gewichtheben 117 Kilogramm.

rekorde 1961, zur sechsten Makkabiade, konnte eine neue organisatorische Erweiterung verkündet werden: Es waren nun nicht mehr ausschließlich Spiele von Sportlern aus Makkabi‐Vereinen, sondern jetzt traten auch Athleten von Hapoel oder aus nichtjüdischen Klubs an. Mit der amerikanischen Weltrekordhalterin im Schwimmen, Marilyn Ramenosky, reiste ein Weltstar an und verlieh dem Ereignis Glanz. War diese, wie auch folgende Makkabiaden, für Weltklassesportler mehr ein Familienfest denn ein Ereignis, auf das sie gezielt trainierten, so erwuchs der Makkabiade für die israelischen Spitzensportler immer mehr die Funktion eines sportlichen Höhepunktes. Ab dem Jahr 1973, der zehnten Makkabiade, begann die israelische Dominanz. Seit diesem Jahr führt Israel die Nationenwertung an, und es hagelt alle vier Jahre, wenn schon nicht Welt‐, so doch zumindest Landesrekorde.
1997, bei der 15. Makkabiade, kam es zu einem Unglück. Damit die Sportler zur Eröffnungsfeier in das Nationalstadion von Ramat Gan gelangen konnten, war eine behelfsmäßige Brücke gebaut worden, die über den Yarkon führte. Als die australische Delegation sich dort für ihren Einmarsch einfand, stürzte die Konstruktion ein: Vier Menschen starben. Die Tragödie und ihre juristische Aufarbeitung sorgten lange Zeit für heftige Unstimmigkeiten zwischen der australischen Makkabi‐Bewegung und den israelischen Organisatoren. Nun, im Jahr 2009, wird Australien – neben den USA und natürlich Israel – wieder mit einer der stärksten Delegationen vertreten sein. Martin Krauß

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