Fall Aiwanger

Wolffsohn: Im Zweifel für den Angeklagten

Michael Wolffsohn (hier 2019 bei einer Veranstaltung von B’nai B’rith) sieht eine »grün-rote Hegemonie« in deutschen Redaktionen Foto: imago/Uwe Steinert

Der jüdische Historiker Michael Wolffsohn findet Markus Söders (CSU) Festhalten an Hubert Aiwanger (Freie Wähler) richtig. Denn Strafe ohne erwiesene Tat widerspreche fundamentalen europäischen beziehungsweise christlich-jüdischen Werten, sagte Wolffsohn der »Augsburger Allgemeinen«.

Wolffsohn fügte an, er kenne die Fakten in der sogenannten Flugblatt-Affäre so wenig wie alle anderen, mit Ausnahme der Brüder Aiwanger. »Für mich gilt der europäische, urzivilisatorische Wert: ‚Im Zweifel für den Angeklagten.‘ «

Wolffsohn ergänzte: »Verdachtsjournalismus, der sich außerdem zunächst anonymer Quellen bedient, also Denunzianten, ist inakzeptabel.« Und weiter: »Es geht um noch einen europäischen Urwert: nicht mit zweierlei Maß messen.« Wer die Jugendsünden etwa von Joschka Fischer verzeihe, müsse das auch bei Aiwanger tun.

Von Saulus zu Paulus »Als Jude erinnere ich meine christlichen Mitbürger ans Neue Testament: Aus Saulus wurde Paulus. Umkehr zählt zu den ethischen Grundlagen des jüdisch-christlichen Abendlandes, das so viele so gerne im Munde führen, ohne dessen Ethik wirklich zu kennen.«

Zu Aiwangers Klage, es gebe eine Kampagne gegen ihn und seine Partei, sagte Wolffsohn: »Ein Narr, wer glaubt, es wäre keine Kampagne. Der oder die vermeintlich Wissenden wussten das alles seit 1988. Erst jetzt, 2023, gehen sie damit an die große Öffentlichkeit. Jetzt, da Aiwanger und seine Partei mit einem großen Wahlerfolg rechnen konnten.«

Zum Antisemitismus in Deutschland erklärte Wolffsohn: »Es gibt heute drei höchst gefährliche Antisemitismus-Quellen: den altneuen rechtsextremistischen, den altneuen linksextremistischen und den islamischen Extremismus. Daher ist der Antisemitismus heute so gefährlich wie nie seit 1949.«

Schultasche Ende August - sechs Wochen vor der bayerischen Landtagswahl - hatte die »Süddeutsche Zeitung« berichtet, Bayerns Vize-Ministerpräsident habe als Schüler ein antisemitisches Flugblatt verfasst. Aiwanger bestreitet das. Die Verantwortung für das Pamphlet übernahm sein Bruder Helmut. Laut Hubert Aiwanger wurden in seiner Schultasche »ein oder wenige Exemplare« des Blattes gefunden - warum, ist unklar. Später beschuldigten Ex-Mitschüler Aiwanger, etwa Hitlergrüße gezeigt zu haben.

Aiwanger erklärte, er sei nie ein Judenfeind gewesen und erinnere sich nicht, je einen Hitlergruß gezeigt zu haben. »Weitere Vorwürfe wie menschenfeindliche Witze kann ich aus meiner Erinnerung weder vollständig dementieren noch bestätigen. Sollte dies geschehen sein, so entschuldige ich mich dafür in aller Form.« kna

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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