Krieg und Pädagogik

»Wir können das nicht auffangen«

Frau Knoll, wie geht Ihre Schule mit dem Krieg in Gasa und Israel um?
knoll: Das ist ein sehr schwieriges Thema, und noch schwieriger ist es, es mit Kindern zu besprechen. Dieser Konflikt erfordert sehr viel Hintergrundwissen, das wir als Grundschule, die ja keinen Geschichts- oder Politikunterricht bietet, nur schwer vermitteln können. Für dieses komplexe und für Kinder abstrakte Thema eine sachliche und kindgerechte Grundlage zu schaffen, ist nahezu unmöglich.

Kommt der Konflikt im Unterricht oder in den Pausengesprächen der Kinder vor?
knoll: Wir haben uns im Kollegium entschieden, den Krieg nicht im Unterricht zu behandeln. Der Konflikt reicht so weit zurück, es gäbe so viel zu berücksichtigen – das ist für Kinder nicht zu begreifen. Wir stellen immer wieder fest, dass unsere Schüler sehr emotional auf das Thema reagieren und schon bei kleinsten Hinweisen Angst mit nach Hause nehmen. Wir können das Thema in der Schule nicht auffangen, und wir wollen es auch nicht einfach nur anreißen und die Eltern dann nachmittags mit den Fragen der Schüler allein lassen. Die Kinder selbst sprechen in den Pausen selten darüber. Wenn wir es mitbekommen, gehen wir natürlich darauf ein, und versuchen, kindgerecht zu antworten.

Wie sieht es im Kollegium oder bei den Eltern aus?
knoll: Wir Lehrer reden darüber, gehen aber sehr vorsichtig und sensibel mit dem Thema um. Eltern treten nur sehr, sehr selten mit dem Wunsch an mich heran, den Konflikt in der Schule behandelt wissen zu wollen.

Was assoziieren die Kinder mit Israel?
knoll: Zum 60-jährigen Jübiläum hatten wir im vergangenen Jahr eine Projektwoche. Wir haben festgestellt, dass die politischen und geschichtlichen Aspekte zu schwierig für die Kinder sind. Also haben wir uns auf Geografisches beschränkt. Die Kinder kennen Israel als Reiseland. Uns liegt jedoch ein anderes schwieriges Thema am Herzen, das wir im Unterricht thematisieren: der Holocaust. Es ist uns ein großes Anliegen, dass die Kinder begreifen, was damals passiert ist, und dass wir alle dazu beitragen können, dass so etwas nie wieder geschieht.

Mit der Leiterin der Yitzhak-Rabin-Schule in Düsseldorf sprach Sarah Dickmann.

documenta

Steinmeier will zu Antisemitismus-Vorwürfen Stellung beziehen

Bundespräsident: »Debatten, Beiträge und Botschaften können auch Grenzen haben«

 17.06.2022

Nachruf

Trauer um den israelischen Faulkner

Er kritisierte und eckte an – und schuf neue Blickwinkel für altbekannte Probleme: Abraham B. Jehoschua war einer der bekanntesten Schriftsteller Israels

 14.06.2022

Berlin

»Das Wirken dieser Menschen wieder sichtbar machen«

Die Wanderausstellung zu 33 prägenden Persönlichkeiten der Zentralwohlfahrtsstelle gastiert beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales

von Joshua Schultheis  10.06.2022

Jerusalem

Israels Regierung nach verlorener Abstimmung massiv unter Druck

Mehrheit von 58 zu 52 Abgeordneten stimmt in der Knesset gegen das kontrovers diskutierte Gesetz

 07.06.2022

Frankfurt

Uwe Becker sieht bei Lufthansa Bemühen um Aufklärung

Hessens Antisemitismusbeauftragter: Integrität der Fluggesellschaft und klare moralische Haltung stehen außer Frage

 17.05.2022

Berlin

Wir suchen Verstärkung

In eigener Sache: Redakteur (m/w/d) gesucht

 09.05.2022

Kiew

Pessach im Schatten des Krieges

Wie die in der Stadt verbliebenen Juden das Fest der Befreiung begehen

von Joshua Schultheis  19.04.2022

Astronaut

Seder in Schwerelosigkeit

Der 64-jährige Eytan Stibbe ist der zweite Israeli im All. Den Beginn von Pessach wird er in der Raumstation ISS verbringen

von Michael Thaidigsmann  14.04.2022

Änderungsstaatsvertrag

»Wichtiges Signal«

Ministerpräsident Hendrik Wüst und Vertreter der vier jüdischen Landesverbände unterzeichnen Vertrag

 05.04.2022