Brit Mila

Willkommen für Elias

Mit zwei Stunden Verspätung ging es endlich los. Mohel Reuven Unger aus Frankfurt hatte sich noch einmal vergewissern wollen, ob Elias auch wirklich seine Gelbsucht überstanden hatte. Der Rabbiner ließ den Jungen vor der Brit noch einmal ärztlich untersuchen und die Blutwerte bestimmen. Das konnte Dilara Karimova selbst vornehmen. Elias Tante ist Ärztin und am städtischen Klinikum Kassel beschäftigt. Sie hatte auch ihre Schwägerin Alla Vitkover entbunden.
So konnte am 19. August Elias an seinem 13. Erdentag und nach überstandener Krankheit endlich in den Bund aufgenommen werden. Für die Jüdische Gemeinde Kassel war es die vierte Brit Mila seit Amtsantritt von Rabbiner Shlomo Freyshist 2004.
Alles verlief nach dem ersten Schock schnell und reibungslos. Man hatte sich den Vortragssaal unter der Synagoge an der Bremer Straße als Raum ausgesucht, die Bühne, weil hier die hellste Lichtquelle ist. Kassels Rabbiner übernahm von Elias‘ Vater Timor Karimov das Amt des Paten. Kaum einen Mucks gab Elias von sich und machte schon eine Stunde nach der Brit ein Nickerchen. Fast hätte Reuven Unger den Kleinen aufgeweckt, als er noch einmal nachschaute, um zu sehen, dass die Wunde auch gut versorgt ist.
»Wir sind gespannt, wer der nächste ist«, sagte Gemeindevorsitzende Esther Haß nach dem feierlichen Moment. Viele Kinder der Gemeinde seien nicht beschnitten. Und um ihnen die Angst zu nehmen, fügte Haß hinzu. »Bei den Größeren ist immer ein Arzt dabei.« Das war ja auch im Fall von Elias ben Timor der Fall. Auch seine Mutter Alla Vitkover ist Ärztin. Während die Familie feierte, verschlief Elias den Rest des Abends.
Heide Sobotka

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