Islamismus

»Vorurteile sind weit verbreitet«

»Vorurteile sind weit verbreitet«

Levi Salomon über Strategien gegen Islamismus in Deutschland

Herr Salomon, muslimische Vertreter haben jüngst öffentlich Erklärungen gegen den Terror abgegeben. Wie wichtig ist das fünf Jahre nach dem 11. September 2001?
salomon: Man muß zwischen dem Islam als Religion und Islamismus als Ideologie des neuen Totalitarismus unterscheiden. Die Gefahr kommt nicht aus der Religion, aber die Ideologie des politischen Islam ist an Muslime gerichtet. Der Riß verläuft also nicht zwischen dem Westen und den Muslimen, er verläuft mitten durch die muslimische Gemeinschaft. Insofern ist es enorm wichtig, daß sich Vertreter des Islam gegen islamistischen Terror aussprechen und Aktivitäten dagegen entwickeln. Das ist bisher nicht ausreichend geschehen.

Kommen Äußerungen von Funktionären überhaupt an der Basis an?
salomon: Sie erreichen die Basis sehr wohl, denn sie wirken über die Medien. Ich würde mir deshalb wünschen, daß es solche Klarstellungen häufiger und konsequenter gibt, nicht nur nach öffentlichem Druck. Wo waren solche mäßigenden Stimmen, als in Berlin gegen Israel demonstriert wurde, mit Nasrallah-Bildern und Slogans wie »Israel tötet Kinder«? Vorurteile und Verschwörungstheorien sind weit verbreitet. Dies hat auch das Projekt an unserer Fachhochschule ergeben, bei dem angehende Sozialpädagogen junge Muslime in Berlin, aber auch Experten interviewt haben.

Woher haben muslimische Migranten solche Ansichten?
salomon: Es gibt unterschiedliche Einflüsse. Man kann in Deutschland über Satelliten-TV, über Zeitschriften und Internet an die Propaganda des radikalen Islam kommen.

Was kann man gegen Islamismus tun?
salomon: Wir brauchen mehr und besser geschulte Sozialpädagogen, die mit jungen Migranten arbeiten. Diejenigen, die das bisher tun, begreifen oft das antisemitische Wesen des Islamismus nicht. Ebensowenig erkennen sie, daß Islamisten, wie viele Muslime und islamische Bewegungen, den sozialen Aspekt des Lebens einbeziehen, wie es der traditionellen Islamkonzeption entspricht. Dadurch können gerade bei Sozialpädagogen Mißverständnisse entstehen. Sie könnten zu dem Schluß kommen, der »soziale« Islamismus sei eine mögliche Antwort auf die Probleme der Globalisierung. Sie verkennen aber, daß ein soziales Element nicht ausreicht, um eine antidemokratische und antisemitische Bewegung zu akzeptieren.

Mit dem Kulturwissenschaftler an der Berliner Alice-Salomon-Fachhochschule sprach Tobias Kaufmann.

Sachsen-Anhalt

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026

Bayern

Innenminister Herrmann geht von Brandanschlägen auf Rüstungsunternehmen aus

Nach einer Brandattacke auf eine Münchner Baustelle geht Bayerns Innenminister Herrmann von einem Anschlag mit politischem Hintergrund aus - und sieht ein größer werdendes Risiko

 03.09.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026

Westjordanland

Auslandspresseverband in Israel fordert Schutz für Journalisten

Gewalttätige Siedler attackieren US-Journalisten im Westjordanland – der Auslandspresseverband warnt vor einem gefährlichen Trend

 30.08.2026

Antisemitismus

Ire in Frankreich verhaftet, nachdem er gedroht hatte, jüdisches Paar zu ermorden

Nachdem der Australier und seine Frau aus dem Tunesien-Urlaub zurück waren, gingen sie zur Polizei

 27.08.2026

Desinformation

Was steckt hinter dem International Burke Institute?

Die KI-Firma OpenAI hat nach eigenen Angaben eine verdeckte russische Beeinflussungskampagne aufgedeckt, die sich als israelisch inszeniert haben soll

 26.08.2026

Würdigung

Hamburg ehrt Esther Bejarano und Jina Mahsa Amini

In der Hansestadt gibt es künftig eine Esther-Bejarano-Straße und einen Jina-Mahsa-Amini-Park

 24.08.2026

Nahost

Israel soll Militärflugplatz in Nordsyrien attackiert haben

Israel hat seit dem Umsturz wiederholt auch Ziele in Syrien ins Visier genommen. Nun wird ein erneuter Angriff gemeldet. Der US-Sondergesandte für Syrien übt deutliche Kritik

 18.08.2026

Vandalismus

Deportationsmahnmal in Berlin beschmiert

Das Denkmal an der Putlitzbrücke soll an die über 30.000 Juden erinnern, die zu NS-Zeiten vom benachbarten Moabiter Güterbahnhof aus in Konzentrationslager deportiert wurden

 18.08.2026