Pessach

Von Trauer zur Freude

von rabbiner Carl Perkins

Es ist wundervoll zu sehen, wie sich hier in Israel das Leben im Laufe des jüdischen Kalenders bewegt. Schon vor mehreren Wochen wurde deutlich, das Pessach vor der Tür steht. Gleich nach Purim füllten sich die Läden mit „Koscher für Pessach“-Lebensmitteln.
Hier haben wir auch nur einen Feiertag, einen Jom Tow, am Beginn und am Ende des Festes. Anders als in der Diaspora
dauert das Pessachfest eigentlich wirklich nur sieben Tage – aber in der Realität geht es doch über zwei Wochen. Die Schulkinder haben in der Woche vor und während der Pessachwoche Ferien. Viele Eltern nehmen sich auch ein paar Tage frei.
Ein Klassenkamerad meines Sohnes ist für ein paar Tage Richtung Sinai gefahren. Das macht Sinn: Nach Ägypten reisen und dann direkt vor den Feiertagen das Land verlassen! Aber auf der anderen Seite: Kurz vor dem Sederabend nur das Hotelzimmer eines ägyptischen Ferienresorts zu verlassen, ist nicht wirklich dasselbe, was unsere Vorväter damals erlebt haben. Oder?
Es ist Ferienzeit: Freie Zimmer waren in diesem Jahr in Israel nicht mehr so einfach zu bekommen. Das Land füllt sich mit ausländischen Urlaubern, die bald jedes freie Hotelbett und jedes Apartment in Jerusalem in Beschlag nehmen.
Etwas gemischte Gefühle hatte ich übrigens, als ich morgens zwei Werbespots im Radio hörte. Einer warb für Sonderangebote einer Supermarktkette. Die Werbung war in der Melodie des „Dajenu“ gesungen. Sie können sich den Text vorstellen: „Wenn wir nur die Orangen für vier Schekel das Kilo angeboten bekommen hätten, … Dajenu!“ Der zweite Spot, den ich einerseits amüsant, aber auch gleichzeitig bizarr fand, war eine Werbung für Volkswagen, gesungen in der Melodie von „Ma Nischtana“! Stellen Sie sich nur vor: „Was unterscheidet dieses Auto von allen anderen Autos?“ Na gut, ich denke, daß diese Werbung uns der Erfüllung des zionistischen Traums, unsere Nation zu einem Volk wie alle anderen Völker zu machen, etwas näher bringt. Alles in allem ist es ja auch positiv, wenn der sogenannte säkulare Israeli sich traditioneller Lieder bedient, um sich oder seine Werbung mitzuteilen. Aber es wäre auch ganz nett, wenn die Kommerzialisierung des Festes nicht ganz so unverhohlen daherkäme.
In der Nacht von Pessach unternehmen wir einen aufregenden Weg: „Mi jagon le simcha, mi ewel le jom tow.“ Von Kummer zur Freude, von Trauer zum Feiertag. Wir erleben noch einmal die Geschichte der Wiederauferstehung unseres Volkes. Dabei rufen wir uns in Erinnerung, daß der Weg dorthin – wie bei jeder anderen Befreiung – kein einfacher war. Es gab unterwegs Bitterkeit und Wehklagen, Tränen und Leiden. Die Erlösung hat ihren Preis.
Das gleiche trifft auf das heutige Israel zu. Israel ist ein starkes Land. Das Land hat sich schnell entwickelt. Millionen Neueinwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, aus Äthiopien und von überall helfen, unsere wundervolle jüdische Heimstatt zu erhalten. Gleichwohl mußte dieses Land viel leiden, um den gegenwärtigen Stand zu erreichen. Und möglicherweise wird es auch in Zukunft noch leiden müssen.
Ganz klar: Wir haben noch nicht die Geulah, die vollkommene Erlösung, erreicht. Dennoch gibt es viel, wofür wir dankbar sein und was wir feiern können. Es ist ein pulsierendes und aufregendes Land, in dem Judentum und jüdische Kultur blühen und wo jeden Tag jüdische Geschichte geschrieben wird. Was für ein Segen! Was für ein Wunder! Ich hoffe und bete, das wir alle „Dajenu“ singen können (mit dem richtigen Text!), mit der richtigen Intention, in der das Lied gedacht war: uns daran zu erinnern, wie weit es unsere Nation und unser Volk schon geschafft hat, auf dem Weg „me awdut le cherut“, von der Sklaverei in die Freiheit.

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