Jaffa

Verbotene Früchte

von Ralf Balke

»100 Millionen Dollar erhält derjenige als Belohnung, der beweisen kann, dass das iranische Handelsministerium eine Erlaubnis für den Import von Orangen aus Israel erteilt hatte.« Mit diesen Worten kommentierte Mohammed Sadeq Mofatteh, stellvertretender Handelsminister des Mullah-Staates, einen schrecklichen Fund: Auf Teherans Märkten wurden mehrere Kisten mit Orangen entdeckt, auf denen das Label »Jaffa Sweetie Israel« klebte. Natürlich sind die verbotenen Früchte nur deshalb im Umlauf, um die Regierung zu diskreditieren, lautet die glasklare Analyse von Mofatteh. Die Orangen wurden von den Behörden beschlagnahmt. Nachforschungen ergaben, dass sie wohl aus China via Dubai ins Land gekommen waren.
»Es ist schon ein wenig peinlich, wenn jemand anderes ohne Erlaubnis einfach so unser Markenzeichen benutzt«, erklärt dazu Tal Amit, Generaldirektor von Israels Citrus Marketing Board. »Wir empfehlen auch den Iranern, das Original zu genießen und nicht irgendeine Fälschung aus China.«
Doch der Kunde erhält nicht automatisch eine Orange »made in Israel«, wenn er eine Frucht kauft, auf der das weltbekannte Jaffa-Label prangt. Und aus Furcht vor einem eventuellen Verbraucherboykott steht auch nicht immer Jaffa auf allen israelischen Produkten, wie jüngst bekannt wurde. Zyperns Botschafter hatte nämlich moniert, dass bei Aldi sowie dem englischen Lebensmittelhändler Dunnes israelische Früchte zum Verkauf kamen, auf denen die Mittelmeerinsel als Herkunftsland angegeben wurde.
Seit den frühen 20er-Jahren steht Jaffa für Qualitätsware. Das Citrus Marketing Board erkannte rasch, dass der Markenname in Europa mit hochwertigen israelischen Orangen identifiziert wurde, und begann bald alle Zitrusprodukte als Jaffa-Früchte zu vermarkten. Doch die Zeiten haben sich geändert. Statt 42.000 Hektar Anbaufläche wie in den 70er-Jahren gibt es heute nur noch rund 17.500 Hektar, auf denen in Israel Orangen oder Grapefruits geerntet werden. Also kam man auf die Idee, den Markennamen zu verkaufen. »Wir haben Unternehmen in Ländern auf der südlichen Erdhalbkugel erlaubt, Zitrusfrüchte, die unseren Qualitätsstandards entsprechen, unter dem Namen Jaffa zu vermarkten«, so Amit. »Dafür erhalten wir dann eine Provision.« Die Ergebnisse sind jedoch recht bescheiden. Bis dato kaufte nur Südafrika das Label, jüngst auch ein Produzent aus Spanien. Und die Einnahmen aus den Lizenzvergaben belaufen sich gerade einmal auf magere 250.000 Euro.
Dafür tauchen aber wie jetzt im Fall der Früchte des Zorns in Teheran immer wieder Plagiate auf. Insbesondere die Chinesen wollen vom guten Ruf der Jaffa-Orange profitieren und bringen Produkte mit dem Jaffa-Label auf die Märkte. Der positive Nebeneffekt: Die Mullahs toben und die Boykotteure Israels sind verunsichert.

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