Jüdisch-christlicher Dialog

Über Kreuz

von Edna Brocke

Dass die »Pilgerfahrt ins Heilige Land« der katholischen deutschen Bischöfe im realen Staat Israel und in den palästinensischen Autonomiegebieten und somit im Heute ankommen würde, war vorauszusehen. Wie konnte es dennoch geschehen, dass sich die Geistlichen vor Antritt ihrer Reise so gar nicht auf die Realität, sondern scheinbar nur auf eine Spiritualität eingestimmt hatten? Wie sonst hätten zwei Bischöfe das Leben in Ramallah mit dem im Warschauer Ghetto vergleichen können? Bedenkt man darüberhinaus, dass es hierzulande seit etwa 60 Jahren einen sogenannten christlich‐jüdischen Dialog gibt und dass die Verabschiedung der vatikanischen Konzilserklärung »Nostra Aetate« bereits 40 Jahre zurückliegt, erschrickt man in vielfacher Weise, vor allem existenziell.
Wieso existenziell? Weil solche spontanen Reaktionen (wie die der beiden Bischöfe) immer wieder verdeutlichen, dass es in der Stunde der Bewährung eben nicht ausreicht, einiges über »die Anderen« zu wissen, einige Vertreter »der Anderen« zu kennen und gut gemeinte Formeln bei Kirchentagen gebetsmühlenhaft zu wiederholen. Guter Wille, aber eben auch ein offenes Herz bilden nur die elementare Prämisse. Die Bereitschaft aber, »theologischen Besitzverzicht« zu üben (wie es Peter von der Osten‐Sacken vor vielen Jahren formulierte), wäre der einzig mögliche Weg.
Welche Trends lassen sich heute in vielen Kreisen des sogenannten christlich‐jüdischen Dialogs ablesen? Immer häufiger hört und liest man neue Töne, nach dem Motto: »Wir Christen haben seit 1945 unsere Hausaufgaben gemacht – jetzt seid ihr Juden dran, eure Hausaufgaben zu machen.« Besonders beliebt ist hier zum Beispiel die Forderung, Juden mögen die Septuaginta, die Übersetzung der jüdischen Bibel ins Griechische, anerkennen – als gleichrangig zur hebräisch tradierten jüdischen Bibel.
Unter dem Deckmantel eines theologischen Diskurses wird die »Schuld« für die bis heute bestehende Asymmetrie zwischen Christentum und Judentum allein dem Judentum »angelastet«. Unterschwellig wird so wieder eine Haltung der Überlegenheit des Christentums eingenommen. Wenn schon die Juden damals nicht erkannt haben, dass das Christentum die höhere Stufe der Erkenntnis Gottes sei, so sollten es doch wenigstens heutige Juden endlich tun. Deshalb kann das Ziel eines Dialogs zwischen Christen und Juden wohl nur darin liegen, die unveränderbaren jeweiligen Grundpositionen auszuhalten und Mechanismen einzuüben, die dies auf Dauer möglich machen. Ein Gelingen dessen wäre schon sehr, sehr viel. Und wenn es auch alle Bischöfe erfasste, wohl das zu erwartende Maximum.
Asymmetrisch ist aber nicht nur die theologische Situation zwischen Christentum und Judentum. Sie ist es auch im »wirklichen Leben«, jedenfalls auf der jüdischen Seite. Aus zahlreichen und gut nachvollziehbaren Gründen beteiligen sich nur extrem wenige Juden an diesem Dialog. Aus traditionellen jüdischen Kreisen – womit ich ausdrücklich nicht orthodox‐jüdische, sondern bewusst‐jüdische meine – noch weniger. So gewinnt die Asymmetrie bei der Begegnung in den ohnehin kleinen Kreisen des christlich‐jüdischen Dialogs zunehmend skurrile Züge.
Beide Trends im sogenannten christlich‐jüdischen Dialog müsste man nicht laut beklagen, hätten diese Phänomene nicht eben auch die existenzielle Dimension, die einen wichtigen Teil des jüdischen Volkes betrifft, nämlich die Juden im Staat Israel und die pure Existenz eines jüdischen Staates in Eretz Israel. Es gehört seit mehreren Jahren zum guten Ton, reflexhaft die Politik des Staates Israel zu verurteilen. Es ist müßig zu versuchen, diesem Verhalten auf den Grund zu gehen. Ebenso wie es müßig ist, dagegen anzuargumentieren. Man muss aber fragen: Haben Bischöfe, so wie viele andere Deutsche, den realen Staat Israel im Gegensatz zur Idealisierung des »Heiligen Landes« auf‐ oder gar preisgegeben?
So kehrt womöglich das wieder, von dem manche hoffen wollten, es sei überwunden, wie etwa die christliche Überheblichkeit gegenüber dem Judentum oder die Unwilligkeit, analytisch statt emotional vorzugehen. Immer wahrscheinlicher wird, dass Wolf Biermann wirklich recht hat. Vor einigen Monaten schrieb der Liedermacher in der »Zeit«: »Wir verkennen die Tragik des Nahostkonflikts und sympathisieren in vormundschaftlicher Verachtung mit radikalen Moslems.«

Die Autorin ist Leiterin der Begegnungsstätte ALTE SYNAGOGE in Essen.

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