Kulturprogramm

Text und Theater

von Harald Raab

Die Gäste drängen sich im Foyer zum großen Veranstaltungssaal im jüdischen Ge- meindezentrum. Die Türen zum Vorraum sind weit geöffnet. Bis hinaus in den Garten stehen die Wartenden. Im Saal sind die 160 Sitzplätze längst besetzt. Es gibt nur noch Stehplätze. Die Jüdische Gemeinde Regensburg hat zu einem kulturellen Event eingeladen. Heute soll die deutsche Übersetzung des jiddischen Buches A tog in Regensburg vorgestellt werden.
»Für mich ist es ein Freudentag«, sagt Hans Rosengold, mit 85 Jahren der Senior im Gemeindevorstand. »So einen Besucherandrang hatten wir ja schon lange nicht.« Dabei ist das aktuelle kulturelle Angebot der altehrwürdigen Gemeinde an der Donau wahrlich nicht klein. Bürgermeister Jochen Wolbergs bezeichnet die Jüdische Gemeinde Regensburgs als »eines unserer Kulturzentren in der Stadt«.
A tog in Regensburg, das Buch des jiddischschreibenden Autors Joseph Opatoshu (1886 bis 1954) ist ein »Puzzlestück« in der Erinnerungskultur, erklärt Rosengold. Die fiktive Erzählung berichtet von einem Tag in Regensburg vor der Zerstörung der Synagoge 1519 und der Vertreibung der einst blühenden jüdischen Gemeinde. Am Slavistik-Lehrstuhl der Uni- versität Regensburg war man bei der Suche nach Buchillustrationen Marc Chagalls auf den jiddischen Text gestoßen. Die beiden Wissenschaftlerinnen Sabine Koller und Evita Wiecki übersetzten ihn. Der Passauer Verlag Karl Stutz publizierte das Buch. Ohne Hans Rosengold wäre dies nicht zustande gekommen. Er fand die Sponsoren, die den Druck finanzierten.
Die Opatoshu-Lesung ist nur ein Beispiel für das kulturelle Wirken der Regensburger Gemeinde. Hans Rosengold, sein verstorbener Vorstandskollege Otto Schwerdt und Ilse Danziger vom Gemeindevorstand realisieren seit vielen Jahren konsequent und mit großem Einsatz ge- zielt ein Kulturkonzept zur Integration. Das Kulturleben in Regensburg aktiv mitgestalten, nennt Ilse Danziger das Programm. Es gehe darum, Bewusstsein bei den Bürgern Regensburgs zu schaffen, dass die jüdische Gemeinde offen für alle ist. Sie sei mit ihrer Geschichte ein wich- tiger Bestandteil der Erinnerungskultur der Stadt und habe zum aktuellen Diskurs gesellschaftlicher und kultureller Themen einiges beizutragen. Dabei beschränke man sich nicht nur auf Aufklärung über die regionalen Hintergründe der Schoa.
Der Gemeindesaal ist zum geschätzten Kulturtreff in Regensburg geworden. Zur Zeit ist dort auch eine Fotoausstellung über den alten jüdischen Friedhof in der Oberpfälzer Stadt Sulzbürg zu sehen. Die Regensburger kommen vor allem zu den Lesungen, die in der Jüdischen Gemeinde stattfinden. Sie seien häufig sehr prominent besetzt. Schon zweimal war beispielsweise der ungarische Nobelpreisträger Imre Kertész zu Gast.
Es werden aber auch Konzerte, Vorträge und Theateraufführungen im Gemeindesaal aufgeführt. Zwei wesentliche kulturelle Leistungen der Stadt gehen obendrein auf die Initiative und Mithilfe der Ge- meinde zurück: Hans Rosengold hat den Kontakt zu Dani Karavan, dem international renommierten Bildhauer und Gestalter von großangelegten Kunstwerken im öffentlichen Raum, hergestellt. Karavan hat an der Stelle der 1519 abgerissenen mittelalterlichen Synagoge am Neupfarrplatz das Bodenrelief entworfen. Mit weißem Betonguss empfindet es die Grundmauern des gotischen Bauwerks nach, das hier gestanden hat. Das vor drei Jahren fertiggestellte begehbare Kunstwerk zählt inzwischen zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Unter dem Platz wurden außerdem die Keller der mittelalterlichen Ghettohäuser freigelegt. Dass dort jetzt ein eindrucksvolles baugeschichtliches Doku- ment zu besichtigen ist, geht ebenfalls auf das Engagement der jüdischen Gemeinde zurück.
Hans Rosengold, so Professor Eberhard Dünninger, Mitglied des Rats der 150. 000-Einwohner-Stadt, habe in all den Jahren viel für die Kultur in Regensburg getan. Er habe die Gemeinde für alle Bürger geöffnet. Rosengold richtet seinen Blick auch in die Zukunft. Die Gemeinde bestehe heute zu 90 Prozent aus Zuwanderern, die meisten von ihnen kommen aus Russland. Begegnungskultur, so Rosengolds erklärtes Ziel, helfe den jüdischen Neubürgern in Regensburg besser Wurzeln zu fassen.

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026

Sanktionen

Iran will weiter internationale Ziele anfliegen

Ab Mittwoch sollen iranische Airlines nach Worten der US-Regierung internationale Ziele nicht mehr anfliegen können. Die zivile Luftfahrtbehörde in Teheran widerspricht

 23.09.2026

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Berlin

Gideon Joffe: »Mit Elif Eralp wird Geis zur Gärtnerin gemacht«

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde mahnt, dass die Hauptstadt vor massiven Herausforderungen stehe

 22.09.2026

Washington D.C.

USA wollen Saudi-Arabien 48 moderne F-35-Kampfjets verkaufen

Die Tarnkappenjets gelten als die aktuell modernsten Kampfflugzeuge. Im Nahen Osten waren sie bislang dem US-Verbündeten Israel vorbehalten. Nun zeichnet sich ein geplanter Deal mit Saudi-Arabien ab

 18.09.2026

Magdeburg

AfD will FPÖ-Erfahrungen in Sachsen-Anhalt nutzen

»Von den politischen Erfahrungen der FPÖ können wir sicherlich profitieren«, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion

 18.09.2026

Kolumne

Fastenkurse im Bordbistro

Wieder mal Spaß gehabt mit der Deutschen Bahn: Über die Katastrophe eines Weltkonzerns

von Maria Ossowski  16.09.2026

Sachsen-Anhalt

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026

Bayern

Innenminister Herrmann geht von Brandanschlägen auf Rüstungsunternehmen aus

Nach einer Brandattacke auf eine Münchner Baustelle geht Bayerns Innenminister Herrmann von einem Anschlag mit politischem Hintergrund aus - und sieht ein größer werdendes Risiko

 03.09.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026