Schicksale

Spurensuche

»Am Anfang wussten wir gar nicht, ob wir überhaupt irgendetwas herausfinden wür-
den«, sagt Christiane Thies, Lehrerin am Kreuzberger Leibniz-Gymnasium. Doch dann stießen die Schüler der »Arbeitsgruppe Spurensuche« auf derart viel Material und Informationen, dass sie immer mehr Lebenswege ehemaliger jüdischer Schüler, die während der Nazi-Zeit in ihrer Schule die Schulbank gedrückt hatten, aufzeichnen konnten. Mittlerweile haben sie eine Ausstellung über deren Schicksalswege zusammengestellt. Die Schau wird ab kommenden Mittwoch im Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt an der Rosenthaler Straße gezeigt.
»Die Ausstellung vermittelt anhand von Fotos, Akten und Briefen ein anschauliches Bild unterschiedlicher Lebenswege«, sagt Christiane Thies. Die Opfer und Verfolgten erhielten so wieder ein Gesicht. Die Sammlung erzähle von Widerstand, Deportation und Ermordung, aber auch von geglückter Emigration. 22 Schicksale haben die Schüler für das Museum Blindenwerkstatt ausgesucht. Sie sei sehr beeindruckend und auf hohem Niveau aufbereitet, lobt Kai Gruzdz, Mitarbeiter des Museums.
Ausgangspunkt der Suche war ein abgelegener Raum im Turm des Schulgebäudes, in dem sich das Archiv des Gymnasiums befindet. Dort lagert das sogenannte Aufnahmealbum, ein vollständiges Verzeichnis aller Schüler, die zwischen Juni 1919 und März 1940 an der Schule aufgenommen wurden, mit den gängigen Personalia und einem Vermerk zur jeweiligen Religionszugehörigkeit. »Mit diesem Do-
kument begann das Forschen nach der Geschichte der jüdischen Schüler«, sagt Thies.
Die Schüler recherchierten mit Unterstützung des Landesarchivs Berlin die Schicksale der 229 jüdischen Kinder und Jugendlichen. Unter anderem Gedenkbücher und die Datenbank von Yad Vashem hätten Schüler und Lehrer zu Geschichten geführt, die sie »tief berührten und nicht selten schockierten«. 27 der etwa 90 aufgezeichneten Lebenswege endeten in einem Konzentrationslager. »Wenn man einmal angefangen hat, nach Menschen zu suchen, kann man kaum wieder aufhören«, sagt Schüler Simon Brost, der an der Ausstellung mitgewirkt hat. Christine Schmitt

»Ich hätte gern, dass sich jemand erinnert, dass einmal eine Person lebte, die David Berger hieß«, Ausstellung im Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt, Rosenthaler Straße 39, 10178 Berlin, bis 8. Juli, täglich 10 bis 20 Uhr

Schweden

Im Wahlkampf mit dem Davidstern

Simona Mohamsson ist Schwedens Bildungs- und Integrationsministerin und Vorsitzende der Liberalen. Jetzt überraschte die Tochter muslimischer Einwanderer mit einer deutlichen Geste

von Michael Thaidigsmann  19.08.2026

Nahost

Israel soll Militärflugplatz in Nordsyrien attackiert haben

Israel hat seit dem Umsturz wiederholt auch Ziele in Syrien ins Visier genommen. Nun wird ein erneuter Angriff gemeldet. Der US-Sondergesandte für Syrien übt deutliche Kritik

 18.08.2026

Vandalismus

Deportationsmahnmal in Berlin beschmiert

Das Denkmal an der Putlitzbrücke soll an die über 30.000 Juden erinnern, die zu NS-Zeiten vom benachbarten Moabiter Güterbahnhof aus in Konzentrationslager deportiert wurden

 18.08.2026

Sachsen-Anhalt

Gericht: AfD-Mitgliedern kann Waffenbesitzkarte entzogen werden

Mitglieder und Unterstützer der AfD in Sachsen-Anhalt haben gegen den Entzug ihrer Waffenbesitzkarte geklagt. Das Verwaltungsgericht Magdeburg wies die Klage ab. Nun entschied das Oberverwaltungsgericht.

 10.08.2026

Potsdam

Jüdische Gelehrsamkeit in berühmter Schlösserlandschaft - Rabbinerseminare im Wandel

Vor fünf Jahren wurde das Europäische Zentrum Jüdischer Gelehrsamkeit eröffnet - mit Rabbinerseminaren und einer Synagoge. Seitdem hat sich in der Rabbinerausbildung viel verändert. Wie geht es weiter?

von Leticia Witte  10.08.2026

Islamismus

Tagesspiegel-Vorwürfe gegen Karoline Preisler: Nun antwortet die FDP-Politikerin

Hatte sie einen jungen Mann wegen einer Vornamensgleichheit zu Unrecht als CSD-Attentäter verdächtigt? Preisler widerspricht und beklagt, die Zeitung habe sie nicht zu Wort kommen lassen

 30.07.2026 Aktualisiert

Washington D.C.

Trump: Netanjahu will, dass USA im Iran involviert bleiben

Unterschiedliche Interessen Israels und der USA sind im Iran-Krieg mehrfach zutage getreten. Kurz vor seinem Treffen mit Netanjahu deutet Trump an, dass die Differenzen nicht überwunden sind

 28.07.2026

In eigener Sache

Volontär/in gesucht

Wir suchen zum 15. Oktober 2026 einen Volontär (m/w/d) in Vollzeit

 06.07.2026

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026