European Maccabi Football Trophy“

Spielfrei am Schabbat

von Christine Schmitt

Als Mordechai Tichauer den Sieger verkünden will, ist er bereits heiser. So sehr hat er seine Stimme in den vergangenen Tagen beim „European Maccabi Football Trophy“ strapazieren müssen. Während die Fußballer aus England, Rußland und Ungarn erschöpft und müde wirken, sind die Spieler von Makkabi Deutschland ausgelassen und singen. „Den ersten Platz des Turniers haben die Deutschen gewonnen“, ruft Tichauer, Sportdirektor der Maccabi Europa Exekutive. Die Zuschauer jubeln. Tuvia Schlesinger, Vorsitzender von Makkabi Berlin, überreicht den Spielern ihre Medaillen. Ein Engländer erlaubt sich einen Spaß und streift sich rasch ein Trikot der Deutschen über und schmuggelt sich in die Reihe der Sieger, um auch eine Medaille zu bekommen. Aber er wird erwischt und gibt sich dann lachend mit einer Medaille für den vierten und letzten Platz zufrieden.
Beim Anpfiff am letzten Spieltag ist auf dem Charlottenburger Sportgelände „Kühler Weg“ noch alles offen. Die Deutschen führen die Tabelle an, aber sowohl England als auch Ungarn haben noch Chancen, das Turnier zu gewinnen. Nur Rußland hat keine Möglichkeiten mehr auf den Sieg, da sich die Mannschaft bis dahin nur einen einsamen Punkt erspielen konnte.
Claudio Offenberg steht am Spielfeldrand. Seit ein paar Minuten ackern die Spieler auf dem Kunstrasen, während der Turnierdirektor gelassen der Partie zuschaut. „Da ich nicht mitspiele, bin ich ganz entspannt.“ Wer am Ende von den vier Auswahlteams vorne liegt, hat verdient gewonnen, so seine Fußballweisheit.
Deutschland gegen Ungarn heißt eine Begegnung, gleichzeitig stürmen auf dem anderen Platz die Teams aus Rußland und England gegeneinander. „Bisher ist noch alles offen“, so Offenberg. Dann fällt das 1:0 für Deutschland. Kaum Regung bei Offenberg, doch Motti Tichauer hebt jubelnd seine Arme.
Maximal vier Auswahlteams können an der „jüdischen europäischen Champions‐League“ teilnehmen. Wer sich zuerst für dieses Turnier anmelde, sei dabei, sagt Tichauer. Rußland ist beispielsweise zum ersten Mal mit von der Partie. Es gehe ja nicht nur ums Gewinnen, sagt er. Makkabi und die Idee der jüdischen Klubs, das sei mehr, als auf dem Sportplatz herumzulaufen. Und so haben die Spieler während des Turniers zusammen den spielfreien Schabbat verbracht und auch gemeinsam gebetet. Alle Sportler waren in einem Hotel untergebracht. Am Samstag trafen sie sich im Klubhaus zur Party und am Sonntag zum Empfang im Jüdischen Gemeindehaus an der Fasanenstraße.
Jubel auf dem anderen Platz. Rußland hat das 1:0 geschossen. „Das wird heiß“, sagt Claudio Offenberg und zeigt auf einen Engländer, der auf dem Boden liegt. Vorsichtshalber geht er hin, um im Notfall beschwichtigend einzuschreiten, was aber nicht mehr nötig ist.
Aus Berlin, Offenbach, Frankfurt, Schwerte, Göttingen, Stuttgart und Düsseldorf kommen die Spieler der deutschen Mannschaft, die sich gerade im Umbruch befindet, erklärt Tichauer. Einige jüngere Spieler seien nachgerückt und es gebe einen neuen Trainer, Gerd van Dam, der bisher die Makkabi‐Nachwuchsmannschaft trainiert hat. „Es geht deshalb auch um eine Standortbestimmung“, meint Tichauer. Denn für die nächste europäische Makkabiade im Sommer 2007 in Rom haben sich die Fußballer einiges vorgenommen.
1:1. Ungarn hat den Ausgleich geschafft. Doch nur wenige Minuten später, kurz vor dem Halbzeitpfiff, schießt der Berliner Tamir Zakai das 2:1.
„Die Pause hat uns nicht gut getan“, sagt später Gerd van Dam. In der ersten Halbzeit habe seine Mannschaft gut gespielt und die vorgegebenen Strategie umgesetzt, sagt der Coach. Die ungarischen Spieler seien ein eingeschworenes Team und spielten schon seit zwei Jahren ohne nennenswerte Veränderungen. Nach dem Seitenwechsel seien seine Spieler müde geworden und konnten nur noch reagieren statt agieren. Kurz nach dem der Wiederanpfiff heißt es dann auch schon 2:2. Ungarn hat den Ausgleich erzielt. Rußland führt gegen England unterdessen mit 3:0. Aber das gefährdet Deutschlands Erfolg nicht mehr, die Mannschaft kann das Unentschieden halten.
Etwas enttäuscht ist der Berliner Allain Haag. „Ein echter Fußballer will eben immer siegen.“ Ein Treffer gegen Ungarn geht auf sein Konto, insgesamt vier Tore hat er während des Turniers geschossen – so viel wie kein anderer. Bei der Siegerehrung kann er sich deshalb dann doch so richtig freuen: „Trotz aller Gemeinsamkeiten: Es tut gut, als Gewinner den Platz zu verlassen.“

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