Torarolle

Spende in Versen

von Veronika Wengert

Vorab eine Knobelfrage: Wenn man für jeden Vers aus den fünf Büchern Moses jeweils fünf Euro einnehmen würde, welchen Betrag hätte man dann am Ende beisammen? Des Rätsels Lösung: 25.000 Euro. Genau soviel kostet eine neue Torarolle, handgeschrieben auf Pergament, die gerade in Israel für die jüdische Gemeinschaft in Heilbronn angefertigt wird. Die ist jedoch nicht der Auftraggeber, wie man
zunächst annehmen mag, sondern eine Gruppe von Christen aus der württembergischen Neckarstadt. Zusammengetan hat sich diese, um den Juden ihrer Stadt eine Freude zu machen und für eine Torarolle zu sammeln. Für je fünf Euro Spende erhält der Stifter eine Urkunde mit einem hebräischen Vers aus den fünf Büchern Moses. Allerdings keinen beliebigen, sondern der Reihenfolge nach.
Und mittlerweile, nach zehn Monaten, sei man mit der Versvergabe fast am Ende des letzten Buches angekommen, erzählt Günther Spengler. Er ist Pfarrer der evangelischen Nikolaigemeinde in Heilbronn und einer der Initiatoren der Spendenaktion sowie des Freundeskreises Synagoge Heilbronn. Dem Verein gehören Christen wie Juden an. Um eine breite Bevölkerung zu sensibilisieren, hat sich der Freundeskreis etwas einfallen lassen: Vorträge über Torarollen sowie eine kleine Wanderausstellung. Die hat Pfarrer Spengler konzipiert, der nach eigenen Worten »viel herumgekommen« ist und zahlreiche Schrift- rollen und deren Schreiber fotografiert hat.
Das Geschenk einer neuen Torarolle solle ein Zeichen der Freude über das jüdische Leben in Heilbronn sein, das langsam wieder entstehe, sagt Spengler. Die Schriftrolle habe sich die Gemeinschaft selbst gewünscht. Der Freundeskreis wolle den Juden in Heilbronn keinesfalls »etwas aufzwingen«, sondern lege die Initiative bewußt in deren Hände. »Wir agieren im Hintergrund«, betont Spengler.
Lange Zeit war es still um die Juden von Heilbronn, erst seit Anfang der 90er Jahre formiert sich durch die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion eine größere Gemeinschaft. Sie ist heute eine Zweigstelle der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) in Stuttgart. Etwa 200 bis 250 Juden leben in Heilbronn und Umgebung, schätzt Barbara Traub, Vorsitzende der IRGW. Über die Spendenaktion und den Freundeskreis sei man sehr erfreut angesichts der eigenen begrenzten Mittel, sagt sie.
Überhaupt zeigen sich die Heilbronner in Spenderlaune: Mit Hilfe lokaler Medien wurde die »Aktion Stuhl« ins Leben gerufen. Für 20 Euro konnte man der jüdischen Gemeinschaft einen Stuhl für die neuen Räume schenken. Diese hat die IRGW vor gut einem Jahr angemietet, nachdem sich die Juden von Heilbronn eine Zeitlang im Haus der Freimaurerloge getroffen hatten. Der Betraum befindet sich in der Allee, dem einstigen Prachtboulevard der Stadt – bezeichnenderweise gegenüber der früheren Synagoge. Sie war in der Pogromnacht 1938 mitsamt Torarolle zerstört worden. Heute befindet sich dort ein Kino, und eine Gedenktafel erinnert an die einstige Synagoge.
Ein älterer Herr, der sich daran erinnerte, daß seine jüdischen Klassenkameraden früher immer so gern gelesen hätten, stiftete eine Regalwand für die Bibliothek in den angemieteten Räumen, erzählt Avital Toren, ein langjähriges Gemeindemitglied. Selbst in den Orten der Umgebung sammelte man für die Heilbronner Juden. Auf Anregung eines pensionierten Pfarrers spendeten die Bürger von Bad Wimpfen Geld für einen Toraschrein. Den blauen Vorhang, der die Torarollen verdecken wird, hat ein Gemeindemitglied gestiftet, in Erinnerung an ihren Vater.
Noch reichlich zwei Wochen – dann wird der Schrein seine Aufgabe erfüllen. Am 19. Februar wollen die Heilbronner Juden ihre neue Torarolle feierlich in Gebrauch nehmen. Bis dahin müssen Günther Spengler und seine Helfer allerdings noch 100 Verse des fünften Buches Moses verschicken – so viele Textstellen sind bei der Aktion noch übriggeblieben.

Freundeskreis Synagoge Heilbronn
Konto-Nummer: 123 003 1855
Kreissparkasse Heilbronn, BLZ 620 500 00
Stichwort: Torarolle

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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