Kampfpilot

Speerspitze auf Abruf

von Gil Yaron

Seinen Alltag bestreitet Assaf mit geschäftlichen Sitzungen oder trifft sich mit Kunden zu Gesprächen in einem der zahlreichen Tel Aviver Cafés. Doch alle paar Tage klingelt sein Handy mit der Titelmusik von »Mission Impossible«. Dann lässt der 30‐jährige Ingenieur alles liegen und rast zu seinem Geschwader im Stützpunkt der israelischen Luftwaffe nur wenige Minuten südlich von Tel Aviv. Innerhalb einer Stunde wird der kleine, drahtige High‐Tech‐Berater zum Kampfpiloten, der in seinem Kampfhubschrauber über dem Gasastreifen schwebt und Terroristen jagt.
Assaf ist einer von einigen Hundert Reservisten, die die Speerspitze im Kampf gegen den Terror bilden. Er ist der lange Arm, der Israels umstrittene Politik der gezielten Tötungen umsetzt. In den Augen der Palästinenser ist er ein kaltblütiger Mörder, in den Augen der Israelis ein selbstloser Held ihres täglichen Überlebenskampfes.
Eine gehörige Portion Idealismus hat Assaf dazu gebracht, Kampfpilot zu werden und rund 100 Tage im Jahr Reservedienst in seinem Cobra‐Helikopter zu leisten: »Alle Israelis können nur davon sprechen, wie schwer die Lage in der Stadt Sderot ist, die täglich mit palästinensischen Raketen beschossen wird. Ich kann wirklich etwas für sie tun«, sagt er stolz. Hunderte Einsätze ist der Liebhaber ausländischer Kinofilme in den vergangenen zehn Jahren geflogen. Oft hat er dabei auf den Auslöser gedrückt und mutmaßliche Terroristen getötet.
Ihm ist wichtig, den moralischen Aspekt seiner Arbeit immer wieder hervorzuheben: »Wir sind keine Cowboys«, betont Assaf. »Keiner schießt wild um sich. Wenn auch nur die kleinste Gefahr besteht, dass wir Unbeteiligte treffen könnten, brechen wir unseren Einsatz ab.« Zwar kommen bei gezielten Tötungen immer noch Zivilisten ums Leben, doch laut eigenen Angaben hat das israelische Militär dabei einen hohen Grad an Professionalität erreicht. Nur einer von zehn Einsätzen wird bis zum Ende durchgeführt. War vor sechs Jahren noch jedes elfte Opfer der Einsätze ein beschönigend als »Kollateralschaden« bezeichnetes Zivilopfer, ist 2007 »nur« noch jeder 39. Tote ein »unbeteiligter Zuschauer« gewesen.
Assaf fühlt sich missverstanden von der Welt: »Im Gegensatz dazu, wie wir im Ausland immer wieder porträtiert werden, sind wir nicht auf blinde Rache aus. Wir wollen niemanden bestrafen, sondern künftige Attentate verhindern.« Der kampferfahrene Major hat keine Zweifel an der Effektivität seiner Arbeit: »Dabei müssen wir oft nicht einmal jemanden töten, um Wirkung zu haben. Oft schießen wir einfach auf leere Felder, um die Kommandos der Hamas davon abzuhalten, sich dort zu verstecken und Raketen auf Sderot zu feuern.« Assaf berichtet von einem Einsatz, in dem er in der Umgebung von Nablus im Westjordanland kreiste, um eine Autobombe zu suchen, die Terroristen nach Tel Aviv schmuggeln wollten: »Ich erhielt später einen Anruf vom Geheimdienst. Sie sagten mir, dass der Wagen schon unterwegs gewesen sei und wieder umkehrte, als er meinen Helikopter hörte.«
Wenn Assaf von einer erfolgreichen Mission zurückkehrt, ist er nicht stolz darauf, einen Terroristen getötet zu haben: »Ich versuche nur zu sehen, dass ich Zivilisten hier in Israel das Leben gerettet habe.« Über den toten Terroristen versucht Assaf nicht nachzudenken: »Ich erhalte nur Zielkoordinaten. Meist weiß ich nicht, wer er ist oder was er getan hat. Das erfahre ich erst am Abend aus den Nachrichten. Ich ziehe es vor, dem Angriffsziel keine menschliche Textur zu verleihen.«
Sein Zweitberuf wird immer gefährlicher. Ständig rüstet die Hamas im Gasastreifen auf, selbst ein einfacher Pistolenschuss könnte das Plexiglas seiner Kanzel durchdringen und Assaf töten. »Während der Einsätze ist die Mission alles. Aber wenn man nachher gelandet ist, denkt man schon manchmal darüber nach, wie nah man doch dem Tod gekommen ist.«
Um den immensen Anforderungen gerecht zu werden, erzieht die Luftwaffe ihre Besatzungen, die als Élite der israelischen Armee gelten, zu Eigenständigkeit. Voller Selbstbewusstsein berichtet der Major von seinen Einsätzen. Die beiden Soldatinnen der Militärzensurbehörde, die jedes Mal dabei sein müssen, wenn ein Kampfpilot mit einem Journalisten spricht, hängen an seinen sinnlichen Lippen. »Wir sind keine Roboter, die einfach nur Befehle ausführen. Im Einsatz ist jeder Pilot dem Luftwaffenkommandant gleichgestellt, sagt man bei uns«, so Assaf.
Er ist über die Aussagen mancher Politiker erbost, die als Vergeltung für den anhaltenden Beschuss israelischer Städte fordern, palästinensische Städte dem Erd‐ boden gleichzumachen: »Ich führe nur zielgenaue Einsätze aus, die Männer zur Strecke bringen sollen, die sonst großen Schaden anrichten könnten. Eine kollektive Bestrafung von Unbeteiligten führe ich nicht aus, sondern mache von meinem Vetorecht Gebrauch.« Deswegen ist Assaf über die Kampftaktiken seiner Gegner von der Hamas und Hisbollah erzürnt: »Die schießen immer aus dicht bewohnten Gebieten. Ich kann keine Soldaten schätzen, deren Strategie es ist, sich hinter Kindern und Frauen zu verstecken, und die immer wieder ihre eigene Zivilbevölkerung als Schutzschild missbrauchen.«
Der Kampf gegen die Palästinenser ist für ihn ein notwendiges Übel: »Ich bin kein Killer. Ich erhalte eine Aufgabe, die ich ausführen muss. Aber Dinge, die mir unmoralisch erscheinen, werde ich niemals tun.« Er träumt nicht von Kampfeinsätzen, die er mit kalter Professionalität ausführt, sondern von dem Tag, an dem er nur noch Übungsflüge durchführt. »Nichts kann den Adrenalinstoß ersetzen, wenn man mit 100 Stundenkilometern vier Meter über dem Boden durch eine Gebirgsschlucht fliegt«, sagt Assaf, und seine Augen funkeln frech. »Die Cobra ist wie ein großer Geländewagen, bei dem man die Unebenheiten des Bodens nicht mehr spürt.« Das riskante Leben des Reservisten ist dabei das andere Ich des risikoscheuen Zivilisten: »Auf der Straße überschreite ich die Geschwindigkeit nie.« Sein Motorrad hat der eingeschworene Nichtraucher längst gegen einen Familienwagen eingetauscht. »Das war mir viel zu gefährlich.«

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