Passagier-Kontrollen

Sicher unfreundlich

von Sabine Brandes

Reisende beurteilen die Stadt, in der sie gerade weilen, nicht selten am Flughafen. »Er ist das Eingangstor. Sein Zustand sagt viel über das aus, was uns in der Stadt oder gar im ganzen Land erwartet«, meint Guido Wüstemann, der schon viele Länder dieser Erde gesehen hat – sowohl als Geschäftsreisender wie auch als Tourist. Geschäftsleute wollten prompten Service, keine Zeit verlieren und professionell behandelt werden, Touristen suchten seiner Meinung nach in erster Linie Freundlichkeit und Hilfe beim Prozedere. »Und alle zusammen wollen natürlich absolute Sicherheit, wenn sie verreisen.«
Dass der Flughafen Ben Gurion an der Autobahn zwischen Tel Aviv und Jerusalem sicher ist, ist unbestritten. Gerade in den Pessach- und Osterferien geht es dort hektisch zu Das Passagieraufkommen wird von der Aufsichtsbehörde des Flughafens (IAA) auf zehn Prozent höher geschätzt als in 2006. »Außergewöhnliche Maßnahmen treffen wir für diese Zeit aber nicht«, erklärt Iftah Kramer, IAA-Pressesprecher, »bei uns steht die Sicherheit immer ganz obenan.«
Die Sicherheitschecks auf dem Ben Gurion Flughafen sind weltweit einzigartig. Sie beziehen sich vor allem auf den »menschlichen Faktor«, wie Fachleute es beschreiben, und benötigen »Intelligenz und Intuition«. Schon bei der Einfahrt muss man Schranken und strenge Blicke von Soldaten mit Maschinengewehren im Anschlag passieren. Das Sicherheitspersonal ist speziell geschult und auf alle Eventualitäten vorbereitet. Ihr Markenzeichen: Befragungen der besonderen Art. Jeder, der schon einmal nach Israel gereist ist, kennt sie. Besonders ausführlich sind sie beim Verlassen des Landes. »Warum waren Sie in Israel? Wen haben Sie getroffen? Wo waren Sie? Warum waren Sie dort?« Die Liste ließe sich endlos weiterführen. Für die meisten Reisenden endet die Frage-Antwort-Prozedur mit einem »Danke und guten Flug«.
Für manche Menschen jedoch endet die Befragung nicht mit einer Grußformel. Sie werden aus der Warteschlange herausgezogen und müssen weitere Checks über sich ergehen lassen. Wie eine junge Deutsche, die nicht nur ihre Koffer leeren musste, sondern anschließend in einem abgeschlossenen Bereich aufgefordert wurde, sich auszuziehen. Schließlich wurde ihr nackter Körper ausführlich auf Waffen untersucht. Die 24-Jährige hat sich – neben einigen anderen – beim Auswärtigen Amt über die erniedrigende und entwürdigende Behandlung beklagt. Der Pressesprecher der Deutschen Botschaft in Tel Aviv bestätigte, dass Vertreter der Botschaft jüngst im israelischen Außenministerium waren, um sich über die Fälle respektloser Behandlung von deutschen Staatsangehörigen bei den Sicherheitskontrollen zu beschweren. »Wir haben eine Unterhaltung geführt, in dem verschiedene Vorfälle mit übertriebenen Checks ausführlich besprochen wurden«, so der Sprecher.
Sicher sind derartige Fälle die Ausnahme – von neun Millionen Reisenden in 2006 sind 620 offizielle Beschwerden eingegangen – doch besonders gut ist das Image der Sicherheitsfrauen und -männer am Flughafen nicht. Auch Einheimische wundern sich teilweise über die Strenge und Unfreundlichkeit. »Jeder versteht, dass der Flughafen sich und seine Passagiere schützen muss, dabei sollten aber Höflichkeit und Respekt nicht auf der Strecke bleiben«, meint Noemi Bitan, die regelmäßig zu ihrem Bruder in die USA reist. »Israelis müssen lernen, dass wir auf die Touristen aus aller Welt angewiesen sind, sie aber nicht auf uns. So ein Verhalten schadet dem Tourismus.«
Kramer, der Sprecher der IAA, antwortete auf die Frage, wie mit den Beschwerden umgegangen wird: »Wir elaborieren nicht in Sachen Sicherheit auf un-
serem Flughafen. Wir unterstreichen nur, dass wir weitläufige transparente und versteckte Maßnahmen verfolgen, die Sicherheitstechnologien, -leute und anderes beinhalten, um die Passagiere und die Öf-
fentlichkeit am Flughafen zu schützen.«
Israelische Medien berichteten kürzlich, dass der Inlandsgeheimdienst plane, eine neue Technologie zu erwerben, die Endlosbefragungen und Körper-Checks überflüssig machen. Es soll damit möglich sein, die Kontrollen der Reisenden zu vereinheitlichen – für Juden, Araber und alle anderen Menschen. Schon im kommenden Sommer soll das Pilotprojekt starten.
Auch Guido Wüstemann wurde es nicht immer leicht gemacht. In der Regel seien die Checks »streng, aber in Ordnung, manchmal jedoch können sie schon recht nervtötend sein«. Bei seiner letzten Reise hat er eine Befragung von mehr als zwei Stunden über sich ergehen lassen müssen, weil die junge Angestellte einen israelischen Stempel in seinem Pass nicht erkannte. »Auf einmal wurde alles in Frage gestellt«, erinnert er sich. Erst ein Anruf bei einem israelischen Bekannten, der die Identität des Stempels bestätigte, schaffte Abhilfe. »Das war zwar sehr anstrengend«, findet der 39-Jährige, »erniedrigend aber nicht. Ich weiß ja, warum es geschieht – zu meiner eigenen Sicherheit. Und dafür halte ich das aus.«

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